Vereinsjubiläen, Todesfälle, spannende Geschichten und Schicksale – einige der Fricktaler Gemeinden halten das, was in ihrem Dorf so vorgegangen ist, einmal pro Jahr in einem Rückblick fest. Die Arbeit lastet dabei zumeist auf wenigen Schultern der Kommissionsmitglieder. Diese müssen Wichtiges von Unwichtigem trennen, Daten und Informationen sammeln, Texte schreiben und Fotos auftreiben. Doch sind die Dorfchroniken überhaupt noch gefragt und rechtfertigen sie den Aufwand? Die AZ hat bei fünf Gemeinden nachgefragt.

«Die Anzahl der Abonnenten hat eindeutig über die letzten Jahre abgenommen», sagt Ruedi Birri von der Kulturkommission Zeihen. Der Grund hierfür sei, dass es besonders viele Abonnenten im höheren Alter gegeben habe, die nach und nach gestorben sind. Deswegen jedoch das Zeiher Heimatblatt, das bereits 41 Mal herausgegeben wurde, einzustellen, kommt für Birri nicht infrage. «Das Erstellen der Jahres-Chronik ist eine wichtige Tradition, die weitergeführt werden muss.» Zumal es auch viele Eltern gebe, welche die «Heimatblätter kaufen, weil darin ihr Nachwuchs bei der Kommunion, Konfirmation oder im Schulalltag abgebildet ist. «Die Eltern behalten die Chronik auf und holen sie einige Jahre später wieder hervor, um bei der Betrachtung mit ihren erwachsenen Söhnen und Töchtern die schönen Erinnerungen zu teilen.»

Auch in Zeiningen war der Absatz des «Zeininger Schäsli» im 2017 erstmals seit vielen Jahren rückläufig. «Wir haben gerätselt, wieso das so ist. Einige meinten, es sei der Preis, andere meinten, es sei der grosse Zuzug von Menschen, die keinen Bezug zu unserem Dorf haben», so Kommissions-Mitglied Peter Taufer, der jedoch vermutet, dass es eher an der Motivation der Schüler lag, welche die Chroniken im Dorf von Tür zu Tür verkauften: «Wenn sich die Exemplare in ihren Zimmern stapeln und einige Haushalte im Dorf nicht besucht werden, darf man sich nicht wundern.» So werde man sich überlegen, die Schüler beim nächsten Tür-zu-Tür-Verkauf zu begleiten.

Viele «Heimweh-Abonnenten»

In Wittnau gibt es die Dorfchronik bereits seit fast drei Jahrzehnten. «Unsere Dorfchronik ist begehrter denn je», sagt Helmut Steffen, Leiter der Arbeitsgruppe. Ein Grund dafür sei, dass unter den 450 Abonnenten auch viele «Heimweh-Wittnauer» seien. Weiter wolle man der Bevölkerung auch über das Dorfgeschehen hinaus spannende Hintergrundgeschichten liefern, was dieses Jahr durch Gastbeiträge des Historikers Linus Hüsser und der Kantonsarchäologie gelungen sei. «Von den 850 gedruckten Exemplaren bleiben nur wenige übrig», sagt Steffen. Diejenigen, die übrig bleiben, kommen ins Archiv oder werden für einzelnen Anfragen aufbewahrt. «Es ist schon einige Male vorgekommen, dass Personen nach einzelne Jahrgängen gefragt haben, die ihnen in ihrer Sammlung gefehlt haben», erzählt Steffen.

In Wölflinswil/Oberhof wurden in diesem Jahr 700 Exemplare der Dorfchronik gedruckt. 100 Exemplare wurden an Abonnenten verschickt, 400 durch den Verkauf von Tür zu Tür abgesetzt. «Unsere Abonnenten-Zahl ist konstant, der direkte Verkauf ist aber tendenziell rückläufig», sagt Gabi Reimann, Gemeinderätin und Mitglied der Kulturkommission. Dies führt sie darauf zurück, dass heutzutage viele in den Online-Medien unterwegs sind und dadurch den Bezug zu PrintProdukten verloren haben. «Dies schlägt sich – wenn auch in abgeschwächter Form – auf die Dorfchroniken nieder», so Reimann. Um diesem Trend entgegenzuwirken, habe man das Budget erhöht und die Chronik erstmals farbig drucken lassen.

In Gansingen ist die Absatzzahl der Dorfchronik seit Jahren konstant. Gleich wie in Wittnau haben die vielen «Heimweh-Gansinger» dazu beigetragen, dass von den gedruckten 750 Exemplaren nur noch wenige übrig seien, sagt Gemeindeammann Mario Hüsler. «Hinzu kommt: «Wer bei uns eine Chronik kauft, bekommt sie in den folgenden Jahren automatisch zugeschickt.»