Der Jahrgang 2014 kann sich sehen lassen: farbig im Bouquet, süffig im Inhalt und mit einem gehörigen Schuss Tiefgang im Abgang. Die Rede ist von den Dorfchroniken, diesen gedruckten Zeitzeugen, die vom Leben in der Gemeinschaft erzählen, die über Alltägliches ebenso berichten wie über Aussergewöhnliches, die den Wandel festhalten, die Kontinuität nicht minder, die so manch ein (kleines oder grosses) Ereignis nochmals ins Rampenlicht rücken.

Im Zentrum steht die kleinste staatspolitische Einheit, die Gemeinde. Das dortige Werden, Bestehen und Vergehen ist ihr Hauptthema, die Chroniken bilden die Geschichte im Kleinen ab, sind dabei immer auch Spiegelbild der Gesellschaft. Das jüngste dieser «Dorfkinder 2014» ist die eben erschienene «Schlössli-Post» aus Oeschgen. Auf 76 Seiten berichtet sie über das, was das Dorf im letzten Jahr bewegt hat.

Vergleicht man die verschiedenen Dorfchroniken miteinander und mit früheren Jahrgängen, lassen sich acht Trends (und Gegentrends) herausdestillieren:

Trend zu mehr Umfang: Fast alle Chroniken haben im Laufe der Jahre deutlich an Volumen zugelegt. Die «Schlössli-Post» war vor 30 Jahren noch 50 Seiten dünner, der Kaister Rückspiegel schnellte gegenüber 1980 von 92 auf 192 Seiten empor.

Trend zu mehr Farbe: Dank neuen Technologien und günstigeren Druckpreisen sind die Dorfchroniken farbiger geworden. Die Gansinger Jahresschrift etwa glänzte 2004 erst auf dem Umschlag mit Farbe; heute kommt sie durchweg farbig daher. Längst nicht alle Gemeinden sind indes auf den Farbzug aufgesprungen: Die «Schlössli-Post» verzichtet – abgesehen vom gelb-schwarzen Wappen – ganz auf Farbe, die «Rückblende» aus Wölflinswil und Oberhof belässt es bei einem farbigen Umschlag.

Trend zu Geschichten: Lange beschränkten sich viele der Chroniken auf das (trockene) Nacherzählen des Geschehenen und taten dies fein säuberlich nach funktionalen Einheiten gegliedert: Gemeinde, Schule, Gewerbe, Vereine, Sport, Statistik, «unsere Jubilare», «unsere Verstorbenen».

Diesen Bogen spannen zwar bis heute viele Chroniken auf, doch innerhalb der Kapitel berichten sie nicht mehr nur, sondern erzählen Geschichten, schreiben Geschichte, nutzen die journalistischen Stil- und Erzählformen. Ein Paradebeispiel dafür ist die Chronik von Gansingen. Hier finden sich die Annalen eingebettet in Interviews, Porträts und Reportagen.

Trend zur Bildsprache: Die heutige (Medien-)Gesellschaft lebt in und von Bildern. Die Qualität und Aussagekraft der Fotos entscheidet mit, wie gut ein Artikel beachtet wird. Diese Grundregel haben auch die Chronikmacher beherzigt. Im Laufe der Jahre haben sich die Bilder in allen Chroniken nicht nur mehr Raum verschafft, sondern sind auch aussagekräftiger geworden. Früher musste man die Menschen auf den Bildern fast mit der Lupe suchen; heute werden sie inszeniert und in Nahaufnahmen präsentiert. Diese «Hingucker» sind wichtig – und bilden gleichzeitig eine visuelle Entschädigung für die meist sehr statischen Gruppenbilder, an denen keine Chronik vorbeikommt.

Trend zum Magazin: In der Gestaltung liegen zwischen den Chroniken von 1990 und heute Welten (das gilt auch für Zeitungen und Zeitschriften). Aus der Aneinanderreihung von einzelnen Texten – bisweilen sogar noch mit Schreibmaschine getippt – sind Magazine entstanden, die (zumindest teilweise) einen Vergleich mit Presseprodukten nicht scheuen müssen.

Einen etwas anderen Weg beschreiten Frick und Rheinfelden: Hier erhält der Leser eine Art Buch – was sich auch im Inhalt widerspiegelt: Die beiden Chroniken – hier «Frick – Gestern und Heute», da die «Rheinfelder Neujahrsblätter» – gehören zu den hintergründigsten Annalen mit vielen historischen Perlen.

Trend zu Hochglanz: Matte Bilder und schnell vergilbte Seiten sind überall passé.

Trend zur Beständigkeit: Die meisten Chroniken gibt es schon 30, 40 Jahre. Frick gab sein erstes «Gestern und heute» 1985 heraus, der «Kaister Rückspiegel» geht in den 36. Jahrgang, die «Rheinfelder Neujahrsblätter» gar in den 71. Beständig sind auch die Titel (kaum Namensänderungen) und die meisten bilden im selben den Zweck (Chronik, Rückspiegel, Rückblende), ein Wahrzeichen (Oeschgen: Schlössli) oder das Dorfwappen (Wittnau: «Adlerauge», Gansingen: Gans) ab.

Preistrends: Mit der Zeit gingen auch die Preise: Die Fricker Chronik «Gestern und Heute» kostete gestern (1985) 15 Franken, heute sind es 30; die Gansinger Schrift gab es 1991 für 17 Franken, heute zahlt man 25 Franken und auch die «Schlössli-Post» ist seit 1987 um 10 Franken teurer geworden.