Frick

Dodo Hug und Efisio Contini machen Musik gegen Ungerechtigkeit

Von lustvollen, Tanzeinlagen bis zur harten Gesellschaftskritik: Das Künstlerpaar Dodo Hug und Efisio Contini begeisterte im Kornhauskeller Frick. Ingrid Arndt

Von lustvollen, Tanzeinlagen bis zur harten Gesellschaftskritik: Das Künstlerpaar Dodo Hug und Efisio Contini begeisterte im Kornhauskeller Frick. Ingrid Arndt

Das Künstlerpaar Dodo Hug und Efisio Contini begeisterte die Zuhörer im Kornhauskeller Frick.

Mit ihrem berührenden, emotional mitreissenden Programm «Sorriso clandestino – das Lächeln des Aussenseiters» konzertierte das international bekannte Schweizer Künstlerpaar Dodo Hug und Efisio Contini im ausverkauften Kornhauskeller Frick. Mitgebracht hatte das Duo Songs vom amerikanischen Kontinent und aus Europa, die sie auf einer Vielzahl an Instrumenten wie Gitarren, der südamerikanischen Cuatro, Melodica, der afrikanischen Kalimba, Rahmentrommel oder Fingerzimbel mal rhythmisch akzentuiert, mal humorvoll darboten. Wohlklingend kraftvoll die Stimme von Dodo Hug, warm und tief die von Efisio Contini. In ihren teils auch eigenen Liedern erzählten sie mit Leidenschaft Geschichten von schwer arbeitenden Menschen gestern und heute, von Unterdrückung, Industrialisierung, Arbeitslosigkeit, Vertreibung, Migration, aber auch fröhliche Episoden aus dem Alltag. Sie wollen mit ihrer Musik gegen die allgegenwärtigen Ungerechtigkeiten protestieren, aber auch Hoffnung geben und ihre Zuhörer dazu auffordern, nicht wegzusehen.

Das Los der Flüchtlinge

Charmant und virtuos spielten sie sich vom ersten Lied an in die Herzen der Zuhörer, sangen mal in Schweizer Mundart, mal auf französisch, englisch oder spanisch. «Par la fenêtre» erinnerte an die Zeit, als die Arbeiterklasse noch an das Paradies glaubte. Hochaktuell ist «Gueti Reis» über das Schicksal der Flüchtlinge. Deren ungewisses Los prägte auch den Titelsong «Sorriso clandestino»: Dicht gedrängt sitzen sie auf unsicheren Schlauchbooten, dennoch schauen sie mit Hoffnung nach oben. Dagegen haben die im satten Europa lebenden Menschen oftmals das Lächeln verlernt. Efisio Contini erinnerte in einer Eigenkomposition an seinen Grossonkel, der als junger, sardischer Hitzkopf und Rebell seine Heimat verlassen musste, sich in Mittelamerika der Revolution anschloss und dabei ums Leben kam. Heute ist in seiner Geburtsstadt eine Strasse nach ihm benannt. Südländisch hitzig stellten sie in «vitello d´oro» wirtschaftliches Wachstum infrage, was nur möglich sei auf Kosten von immer wieder neuen Verlierern. Sie thematisierten das Leben von Ilegalen aus anderen Ländern, die immer auch Menschen sind. Anrührend die Geschichte eines weisshaarigen Alten, der wegen seines Alters als nicht mehr brauchbar aus der Firma fortgejagt wurde, lyrisch der «Wäbstuel» aus dem Zürcher Oberland, fröhlich keck die Auseinandersetzung mit einem Vorarbeiter, aufrüttelnd das dunkle Kapitel über die Beschneidung von Mädchen.

Lustvoll, ehrlich, verträumt

Das Künstlerpaar überzeugte mit Herz und Tiefe, war lustvoll beim Tanz, konnte jodeln, war heiter und verträumt, aber auch kritisch und ehrlich. Dodo Hug und Efisio Contini stehen seit 20 Jahren gemeinsam auf der Bühne. Hug ist seit den 70er-Jahren bekannt als Sängerin und Schauspielerin, Contini als sardischer Musiker und Komponist. Sie wurden ausgezeichnet mit dem Salzburger Stier, dem Prix Walo und dem Deutschen Kleinkunstpreis.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1