Bezirksgericht Laufenburg

Dobermann rammt Seniorin, sie bricht sich das Schienbein: Nun wurde Hundehalterin freigesprochen

Ein rennender Dobermann brach einer Seniorin das Bein. (Symbolbild)

Ein rennender Dobermann brach einer Seniorin das Bein. (Symbolbild)

Das Bezirksgericht Laufenburg spricht eine Hundehalterin vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung frei – der Hund hatte einen tadellosen Leumund.

Der Dobermann wollte eigentlich nur baden. Unglücklicherweise rammte der Hund gemäss der Staatsanwaltschaft auf dem Rückweg zu seiner Halterin, von der er zuvor Reissaus genommen hatte, eine am Bach stehende Seniorin. Dadurch stürzte die Seniorin so unglücklich, dass sie im Spital Laufenburg operiert werden musste. Gemäss ärztlichem Bericht erlitt die Geschädigte einen schwerwiegenden, mehrfachen Schienbeinbruch, der mit grosser Wahrscheinlichkeit grosse Restschäden hinterlässt.

Rund drei Jahre nach dem Vorfall musste sich die 59-jährige Hundehalterin wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung sowie der Widerhandlung gegen das Hundegesetz vor dem Bezirksgericht in Laufenburg verantworten. Hierfür forderte die Staatsanwaltschaft, die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 120 Franken zu verurteilen.

Gegenüber Gerichtspräsident Beat Ackle schildert die Angeklagte aus dem oberen Fricktal, dass sie am Tag des Vorfalls mit einer Freundin und insgesamt drei Hunden unterwegs war. An einer Wiese habe sie die Hunde fotografieren wollen, als einer ihrer Dobermänner samt Leine in Richtung des Baches rannte. «Er ist plötzlich aufgestanden und los, damit habe ich nicht gerechnet», so die Angeklagte.

Sturz ereignete sich ausser Sichtweite der Angeklagten

Wie es in der Folge zum Sturz kam, konnte die Angeklagte nicht sehen, da sie sich zum Zeitpunkt des Vorfalls weit entfernt befand. «Ich bin hinterhergelaufen und sah die Dame in der Wiese sitzen. Sie hat sich das Knie gehalten. Schürfwunden habe ich nicht gesehen. Ich dachte, es sei nichts Schlimmes passiert», so die Angeklagte, die weiter schilderte, dass ihr das Opfer vor Ort gesagt habe, dass sie dem Hund ausweichen wollte und deswegen gestürzt sei. «Dass der Hund sie gerammt haben soll, habe ich erst durch die Befragung bei der Polizei erfahren», so die Angeklagte, die das Wesen des Hundes als zurückhaltend charakterisiert.

Der Verteidiger der Angeklagten, der mit Hunden seit über 40 Jahren im polizeilichen, militärischen und privaten Bereich zusammenarbeitet, bezeichnete die Annahme der Staatsanwaltschaft, dass freilaufende Hunde Körperverletzungen bei Dritten verursachen würden, als grundfalsch. «Nach dieser Logik der Staatsanwaltschaft wäre es wohl schon fahrlässig, mit einem Porsche durch die 30er-Zone zu fahren.»

Der Verteidiger führte aus, dass weder die Hundehalterin noch ihr Hund je einen Anlass zur Beanstandung gegeben hätten. Dies würden etwa Fachpersonen sowie ein Bericht des Veterinärdienstes Aargau belegen. «Der kynologische Leumund des Hundes ist tadellos», so der Verteidiger. Deswegen könne man seiner Mandantin auch wegen mangelnder Voraussehbarkeit keine Sorgfaltspflichtverletzung vorwerfen, «denn der betroffene Hund hat nachweislich noch nie jemanden behelligt, verletzt oder auch nur Anstalten hierfür gezeigt».

Zudem führte der Verteidiger aus, dass nach Beobachtungen von Drittpersonen das Opfer wieder zügig und beschwerdefrei marschieren würde. Dazu käme, dass der Tatbestand der schweren Körperverletzung aktenmässig nicht nachgewiesen sei, so der Verteidiger. Zum Vorwurf der Widerhandlung gegen das Hundegesetz betonte der Verteidiger, dass am besagten Ort keine Leinenpflicht bestehe. Er beantragte für seine Mandantin einen Freispruch.

Das Gericht sprach die Angeklagte vom Vorwurf der Körperverletzung frei. Teilweise für schuldig befunden wurde sie der Widerhandlung gegen das Hundegesetz, weil sie ihren Hund nicht jederzeit unter ihrer Aufsicht und Kontrolle hatte. Hierfür wurde sie zu einer Busse von 100 Franken verurteilt.

Autor

Dennis Kalt

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