Verkehr

Diskussion wieder entfacht: Heisst es bald «Nächste Ausfahrt: Möhlin?»

Die zusätzliche Autobahnausfahrt würde wohl zwischen Möhlin (Vordergrund) und Mumpf errichtet.

Die zusätzliche Autobahnausfahrt würde wohl zwischen Möhlin (Vordergrund) und Mumpf errichtet.

Eine zusätzliche Autobahnausfahrt im Fricktal oder ein «Dinoland» an der A3? Der Bund ist skeptisch.

Die Idee erlebt alle paar Jahre ein Revival: Ein zusätzlicher Autobahnanschluss zwischen Frick und Rheinfelden wäre doch ein Hit, schwärmen manche – und wenn man schon beim Wünschen ist: Eine Autobahnraststätte im Fricktal wäre auch nicht ohne, vielleicht eine Art «Dinoland», eine Erlebnisgaststätte im Dinosaurierlook. So sagte Fredy Böni, SVP-Grossrat und Gemeindeammann von Möhlin, im März zur az: «Zwischen Pratteln und Würenlos gibt es keine Verpflegungsmöglichkeit. Ich bin überzeugt, dass eine Raststätte wirtschaftlich funktionieren kann.»

Andere möchten lieber (oder zusätzlich) den Halbanschluss in Effingen ausgebaut sehen. So etwa die Gemeinde Bözen. Auf ihren Antrag hin wurde im kantonalen Richtplan-Entwurf die Ausbauforderung vermerkt. Der Hintergrund: Im Richtplan sollen vier zusätzliche Deponiestandorte für Aushubmaterial aufgenommen werden – eine davon liegt in Bözen, eine in Hornussen. Die Vernehmlassung läuft derzeit.

Die Frage ist: Sind die Autobahn-Projekte Vision oder Illusion? Dies will der Planungsverband Fricktal Regio bis spätestens Ende 2017 klären; eines seiner Legislaturziele ist es, zu prüfen, ob ein zusätzlicher Anschluss oder eine Raststätte möglich ist – und wenn ja: ob dies Sinn macht.

Ein entscheidendes Wörtchen mitzureden hat bei den drei Ideen der Bund. Die az hat beim Bundesamt für Strassen (Astra) nachgefragt. Die Antwort ist für alle drei Anliegen ein Ja mit einem grossen Aber. «Eine Autobahnausfahrt ist theoretisch zwischen Frick und Rheinfelden möglich», sagt Andreas Rüegger, Bereichsleiter Support. Aber: «Der Bund ist gegenüber neuen Autobahnschlüssen infolge der allfälligen räumlichen Zersiedlungswirkung kritisch eingestellt.» Und weiter: «Das Astra als zuständiges Bundesamt ist somit neuen Autobahnanschlüssen gegenüber grundsätzlich sehr zurückhaltend.» Rüegger gibt zudem zu bedenken, dass neue Anschlüsse unerwünschte Wirkungen auf das Strassennetz haben können. «Zudem ziehen neue Anschlüsse auch mehr Verkehr an, der dann wiederum vom untergeordneten Kantons- und Gemeindestrassennetz aufgenommen werden muss.»

So weit, so gut. Der Pessimist streicht bereits jetzt die Segel, Pardon: er nimmt die nächste Ausfahrt. Der Optimist hingegen fragt: Wer muss nun aktiv werden, damit eine zusätzliche Ausfahrt – zur Diskussion steht eine zwischen Mumpf und Möhlin – Realität wird? Das Astra könnte – aber will nicht, da es keine Notwendigkeit sieht. «Da es sich um ein Bedürfnis der Region respektive des Kantons handelt, bedarf es der Initiative des Kantons», sagt Rüegger. «Es obliegt dem Kanton, im Rahmen einer Studie die Zweckmässigkeit des Anschlusses zu begründen.» Ein neuer Anschluss müsste zudem zwingend im kantonalen Richtplan abgebildet sein – was er bislang nicht ist.

Eine Autobahnraststätte im Fricktal hingegen fand man einst im Richtplan und auf Höhe Oeschgen erkennt man bis heute die Aussparung. Vor gut zehn Jahren wurde die Raststätte jedoch aus dem Richtplan gestrichen. Ein weiterer Rastplatz zwischen Würenlos und Pratteln sei aus kantonaler Sicht nicht erforderlich, heisst es im Streichungspapier.

Eine Raststätte im Werkhof?

Just der Kanton aber müsste aktiv werden, denn die Raststätte würde nach Auskunft von Rüegger in seinem Eigentum stehen. «Der Kanton kann die Fläche zum Beispiel im Baurecht oder mittels Konzession an einen Betreiber weitergeben», so Rüegger. Ohne ein «Go» aus Bern geht es natürlich trotzdem nicht: Das Verkehrsdepartement muss dem Bau zustimmen.

Ha, denkt sich der Ober-Optimist, eine passende Immobilie besitzt der Kanton ja bereits: den ehemaligen A3-Werkhof bei der Autobahnausfahrt in Frick. Dieser wird ab November als Asylunterkunft zwischengenutzt, soll aber später zum Stützpunkt des kantonalen Katastrophen-Einsatzelementes (KKE) umfunktioniert werden. Zu gut Deutsch: zum Lager für Beaver-Schläuche und Zivilschutz-Gegenstände.

«Das kann es nicht sein», sagten die bürgerlichen Parteien in der Vernehmlassung und fordern, diesen Standort gewerblich zu nutzen. Die Unterstützung freut die Gemeinde Frick, die ebenfalls eine gewerbliche Nutzung präferiert. Verständlich, denn als KKE-Basis bringt der Werkhof kaum Wertschöpfung. «Das Gelände wäre ideal für Kleinfirmen und Start-ups», sagte Gemeindeammann Daniel Suter jüngst zur az. Oder für eine Raststätte? Dafür kann sich Suter «gar nicht erwärmen». Er zweifelt an der Wirtschaftlichkeit einer Raststätte.

Eine Raststätte «Dinoland» bleibt also Illusion. Oder Vision. Je nach Blickwinkel.

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