Mobilfunk
5G-Ausbau im Eiltempo: Anlagen im Fricktal haben sich seit Mai 2019 mehr als verzehnfacht

Die Funksenderkarte des Bundesamts für Kommunikation zeigt: Mittlerweile gibt es im Fricktal knapp 50 5G-Antennenstandorte – dies trotz teilweise massiven Widerstands aus der Bevölkerung. Zumeist hat dieser keinen Erfolg. Doch es gibt Ausnahmen.

Dennis Kalt
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Der Ausbau der Infrastruktur der 5G-Technologie wird seit wenigen Jahren rasant vorangetrieben.

Der Ausbau der Infrastruktur der 5G-Technologie wird seit wenigen Jahren rasant vorangetrieben.

Symbolbild: Martial Trezzini / Keystone

Der Ausbau der 5G-Technologie schreitet im Eiltempo voran. Waren im Mai 2019 gerade einmal vier Mobilfunkanlagen im Fricktal auf 5G umgerüstet, finden sich gut zweieinhalb Jahre später knapp 50 solcher 5G-Antennenstandorte im Fricktal wieder. Dies zeigt die Funksenderkarte des Bundesamts für Kommunikation (Bakom).

Fricktaler Spitzenreiter ist die Stadt Rheinfelden mit neun Standorten, gefolgt von Möhlin mit sechs, dessen Gemeindeschreiber Marius Fricker sagt:

«Die digitale Transformation, bereits heute in aller Munde, benötigt nebst dem Willen und den Softwaretools ebenfalls eine gut ausgebaute Infrastruktur – und dazu gehört auch 5G.»

Doch die rasante Verbreitung der neuen Technologie verlief nicht ohne Widerstand. Diesen gab es zuhauf in Form von Einsprachen und Petitionen gegen diverse Baugesuche der Mobilfunkanbieter – zumeist wegen Bedenken hinsichtlich der Strahlung; zumeist aber auch ohne Erfolg.

Hellikon bleibt standhaft – mit Erfolg

Eine der wenigen Ausnahmen des erfolgreichen Widerstandes liefert die Gemeinde Hellikon. Seit September 2020 ist ein Baugesuch der Swisscom für den Ausbau auf den 5G-Standard mit neuen Frequenzen im Gebiet Eich sistiert. Gemeindeschreiber Edoardo Carrico sagt:

«Der Widerstand aus der Bevölkerung war massiv und ihre geäusserten Ängste real.»

Rund 150 Einwendungen sind 2019 gegen ein entsprechendes Baugesuch eingegangen, zudem haben über 700 Personen eine Petition gegen den Ausbau unterzeichnet. «Swisscom hat keine Beschwerde gegen den Entscheid eingelegt», sagt Carrico. «Solange keine Klarheit besteht, bleibt das Gesuch sistiert.»

Damit spielt er auf die Vollzugshilfe des Bundesamtes für Umwelt an, die zwar seit Februar 2021 umweltrechtliche Vorgaben macht, wie die adaptiven Antennen zu betreiben sind, jedoch gemäss Carrico noch nicht genügend Rechtssicherheit für eine Entscheidung schaffe.

«Wir werden nichts bewilligen, was wir eventuell zwei Wochen später wieder rückgängig machen müssen.»

Sistiert hatte im November 2020 auch der Gemeinderat Gipf-Oberfrick zwei Baugesuche für 5G-Mobilfunkanlagen. Gegen die Entscheide des Gemeinderats haben Swisscom und Sunrise beim Regierungsrat Beschwerde geführt.

Noch vor einem Entscheid des Regierungsrats über diese Beschwerden hatte dessen Rechtsdienst den Gemeinderat Gipf-Oberfrick über die damals neuen Vollzugshilfen für adaptive Antennen informiert und darum ersucht, die Sistierung der Baugesuche aufzuheben. In der Folge kam der Gemeinderat der Aufforderung des Rechtsdienstes nach.

Hinsichtlich des Vorhabens der Swisscom und von Sunrise für einen Antennentausch und eine 5G-Erweiterung der Anlage auf dem Dach des Meliofeedturms habe man die Bearbeitung wieder aufgenommen, so Gemeindeschreiber Urs Treier. Derzeit beurteile, respektive nehme der Kanton Stellung zu einer Sammeleinwendung gegen das Gesuch von Sunrise und Swisscom.

Ebenso aufgenommen wurde die Bearbeitung des Gesuchs von Swisscom für den Bau einer 5G-Mobilfunkanlage an der Landstrasse 92. Aber: «Swisscom hat hier ein neues Standortdatenblatt noch nicht eingereicht», sagt Treier.

168 Einwendungen blieben ohne Erfolg

Ohne Erfolg blieb der massive Widerstand der Bevölkerung in Obermumpf gegen eine 5G-Antenne der Swisscom eingangs Dorf. 168 Einwendungen und eine Petition mit über 800 Unterschriften gingen gegen das Baugesuch ein. Im August 2021 erteilte der Gemeinderat die Baubewilligung. «Eine Ablehnung oder Sistierung aus politischen Gründen ist nicht möglich», erklärte Gemeindeschreiber Marco Treier damals.

Jüngst hinzugekommen als 5G-Standort ist das Hochhaus an der Langacherstrasse 12 in Stein. Ein entsprechendes Baugesuch hat der Gemeinderat vor wenigen Tagen bewilligt. Roland Gröflin, Leiter Bau und Planung, sagt:

«Dem Kanton und der Gemeinde bleibt kein Raum für umweltrechtliche Regelungen bei Mobilfunkanlagen.»

So entscheide der Bundesgesetzgeber in diesem Bereich abschliessend.

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