ASE-Skandal
Dieses beschauliche Dorf im Fricktal ist das Epizentrum der Begierde

Hellikon ist das Dorf, von wo aus die mutmasslichen ASE-Anlagebetrüger ihr Unwesen trieben. Auch einige Helliker sollen auf die Masche der Betrüger hereingefallen sein, munkelt man im Dorf.

Daniel Fuchs
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Hellikon: Von hier aus haben die mutmasslichen Betrüger operiert

Hellikon: Von hier aus haben die mutmasslichen Betrüger operiert

Sanft ziehen sich die Hügel über das Fricktaler Dorf Hellikon. Der Hochnebel hängt schwer über dem Aargauer Dorf, von wo aus die mutmasslichen ASE-Anlagebetrüger ihr Unwesen trieben. Erst vor kurzem rückte das Dorf schon einmal ins mediale Rampenlicht: Tiefe Löcher, sogenannte Geotope, hatten sich auf einem Feld an einem der Hügel aufgetan. Alteingesessene kennen das Phänomen von früher, viele von ihnen würden die Löcher am liebsten zuschütten und vergessen. Doch beschloss die Gemeinde, die Löcher an die Umweltorganisation Pro Natura zu verkaufen.

Einige Kunden kommen aus Hellikon

In der Zwischenzeit klafft auch in manch einem Helliker Haushalt ein Loch, ein finanzielles aber. Dies, nachdem die Renditeversprechen des Anlagekonstrukts der ASE Investment AG geplatzt sind. Der ehemalige ASE-Verwaltungsratspräsident ist in der Gemeinde wohnhaft. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren, er ist aber auf freiem Fuss. Es gilt die Unschuldsvermutung. So kommen denn viele der geschädigten ASE-Kunden aus der Region, darunter einige aus Hellikon. «Dort drüben befindet sich das Epizentrum des ASE-Erdbebens», erklärt René Vonarburg, Hellikons ehrenamtlicher Dorfgärtner, der gerade eine Blumenrabatte vor dem Gemeindehaus pflegt. Er zeigt auf das Wohnquartier, wo auch der Mann wohnt, dessen Wohnung zur eigentlichen Schaltzentrale im ASE-Skandal umfunktioniert wurde.

Vonarburg – wenn er nicht gerade für die Gemeinde Blumen und Sträucher pflegt, arbeitet er in der Chemiebranche – weiss über einen Fall aus seiner Nachbarschaft Bescheid: Diese Leute hätten gutgläubig Geld bei ASE-Investment angelegt. Später hätten die fetten Gewinne als Erbe an die Kinder fliessen sollen. «Nun ist das Geld weg, die Kinder gehen leer aus», sagt Vonarburg schulterzuckend. Die Leute stünden damit nicht vor dem Aus. Schmerzen aber müsse es doch. Vonarburg versteht es nicht: «Wie kann man nur so naiv sein und bei einer versprochenen Rendite von 13 Prozent glauben, es handle sich um eine seriöse Anlage?» Ihm jedenfalls würde so etwas nicht passieren. «So hohe Renditen – das kann doch nicht sein!», erklärt er und kümmert sich weiter um die Rabatte.

«Mehr Geld zieht faule Eier an»

Im Dorf herrscht Ruhe. Die Menschen schlafen zwar in Hellikon, arbeiten aber woanders. Die paar Bauern bewirtschaften ihre Felder, ein paar Senioren und die Frau Gemeindeammann Kathrin Hasler sind an einer Beerdigung. Als Kathrin Hasler vom Friedhof kommt, will sie nichts über den ASE-Skandal und die geschädigten Bürger sagen.

Die Rentner aber sind gesprächig: Eine ältere Dame nimmt kein Blatt vor den Mund, will dafür ihren Namen nicht in der Zeitung lesen: «Ein Leben lang schuften und sparen – und dann kommt ein solcher Strolch. Es ist schrecklich, dass es Leute gibt, die darauf hereingefallen sind», sagt sie.

Selber vom ASE-Betrug will niemand betroffen sein. Armin Waldmeier etwa würde hellhörig, verspräche ihm einer einen unrealistisch hohen Zins. Der bodenständige Mann ist Rentner, war früher Landwirt und sass im Gemeinderat. Nun führt sein Sohn den Hof. Waldmeier sehnt frühere Zeiten herbei: Damals habe man noch mit dem Geld umgehen können. «Doch kommt mehr Geld ins Spiel, dann zieht das auch die faulen Eier an», warnt Waldmeier. Der ehemalige Helliker Vize-Gemeindeammann kennt die Helliker gut, wie er sagt. Über das Wesen seiner Mitbürger sagt er: «Die Helliker sind eigentlich Nein-Sager. Ich verstehe nicht, wie sich einige trotzdem zu solch abenteuerlichen Finanzanlagen überreden lassen konnten.» Offenbar hätten sich ein paar Anleger von der Aussicht auf hohe Renditen blenden, sich von der Gier treiben lassen.

Die Gier – wer wüsste nicht besser darüber Bescheid als die Geistlichkeit? Pfarrer Alexander Pasalidi betreut die Pfarrei Wegenstetten-Hellikon vom Nachbardorf Wegenstetten aus. Haben sich Anlage-Opfer ihm anvertraut? Der Pastor will nichts von betroffenen Hellikern gehört haben.