Simon Hürbin, 27, kann seine Anspannung nicht verhehlen: Bereits jetzt schaut der Präsident des STV Zuzgen mindestens einmal täglich auf die Wetter-App seines Smartphones. Denn am 13. Mai ist es so weit: Der STV Zuzgen richtet anlässlich seins 75-jährigen Bestehens den Fricktaler Cup aus, an dem rund 40 Turnvereine mit insgesamt 850 Athleten ihre Kräfte an den Geräten, in der Gymnastik und der Leichtathletik messen.

«Klar, wenn es an diesem Samstag kalt ist und regnet, werden wir einen Verlust schreiben», sagt Hürbin. Doch an diesem Tag ist der finanzielle Ausgang für den Turnverein nur eine Nebensache. Mit der Ausrichtung des Fricktaler Cups möchte man sein Jubiläum zelebrieren und stolz sein, etwas Grosses auf die Beine zu stellen: «Deswegen ist die Vorfreude auch grösser als die Anspannung», sagt Hürbin, der das Organisationskomitee präsidiert.

Hürbin ist in Zuzgen aufgewachsen und trat mit 13 Jahren in den Turnverein ein: «Niemals würde ich aus Zuzgen wegziehen. Hier sind meine Wurzeln. Das Dorf und der Turnverein haben mir viel gegeben», sagt er. Und genauso viel möchte er dem Dorf und dem Verein zurückgeben: «Klar, die Arbeit als Präsident im Turnverein und in den OKs nimmt viel Zeit in Anspruch. Es motiviert mich aber ungeheuer, wenn ich durch meine Arbeit zum kulturellen Leben im Dorf beitragen kann», sagt er.

Den Motor am Laufen halten

Hürbin tritt bei seiner Stelle in einem Notariatsbüro 20 Prozent kürzer, um den Turnverein als Motor des kulturellen Dorflebens am Laufen zu halten. «Entweder mache ich etwas ganz oder gar nicht», sagt er. So führt er im Dorf Volleyball-Turniere und Raclette-Essen durch, organisiert die Zuzger Theater-Bühne und versucht, die Interessen der Turnverein-Mitglieder unter einen Hut zu bringen. So auch beim jährlichen Ausflug: «Die jüngeren Mitglieder wollen Action, die älteren eher Entspannung. Da kann ich dann kein Wildwasserrafting anbieten, weil ich damit einige vergrämen würde», erklärt er.

Stolz darauf ist Hürbin, dass der Verein mittlerweile 45 aktive Mitglieder zählt und sich das Abschneiden des Vereins an den Turnerfesten stets verbessert hat. «Zwar turnt jeder für sich, leistet damit jedoch einen Beitrag für ein kollektives Erfolgserlebnis. Und darum geht es auch im Endeffekt: Um das Gefühl, zusammen etwas zu erreichen und zu erleben», erklärt Hürbin. Auch deshalb würde er nie einen Turner aufgrund seiner Leistungsfähigkeit zu Hause lassen. «Dies wäre für das Zusammengehörigkeitsgefühl kontraproduktiv», weiss Hürbin, der mit einem Schmunzeln nachschiebt: «Dennoch könnte sich der eine oder andere ruhig etwas häufiger in den Trainingsstunden blicken lassen.»

Etwas Respekt hatte Hürbin damals schon, als er seinen Vorgänger 2013 als Präsident nach 17-jähriger Amtszeit ablöste. An seine erste Vorstandssitzung als Präsident erinnerte er sich genau: «Die Ideen sprudelten nur so aus mir heraus. Um 22.30 Uhr sollte die Sitzung zu Ende sein. Ich habe aber überzogen – bis 1.30 Uhr», sagt er mit spitzbübischem Grinsen. Eine seiner Ideen war, für junge Turner ein Schnupperjahr im Vorstand anzubieten, um diesen einen Einblick in die dortige Arbeit zu verschaffen: «Dadurch konnten wir bereits zwei Vorstandsposten mit jungen Turnerinnen besetzen», sagt er.

Nun, nach vier Jahren als Präsident, steht Hürbin am Scheideweg. Er muss sich bald entscheiden, ob er die Prüfung zum Notar ablegen will: «Als Notar werde ich keine Zeit mehr haben, all diese Funktionen für den Verein und das Dorf auszuüben», sagt Hürbin. Doch wenn es einmal so weit kommt, ist für ihn eines klar: «Ich werde kleinere Rollen im Hintergrund übernehmen.» Denn er ist mit dem Turnverein und dem Dorf untrennbar verbunden.

Fricktaler Cup und Jubiläumsfeier: Samstag 13. Mai, Sportanlagen Zuzgen und Zeiningen.