Möhlin
Dieser Mann hat den coolsten Arbeitsplatz in der gesamten Schweiz

Markus Krüttli ist bei Frigosuisse, dem Spezialisten für Tiefkühllogistik, tätig. Minusgrade bei der Arbeit sind für ihn kein Problem. Wenn er aber Feierabend hat, bereiten ihm die Temperaturunterschiede doch Mühe.

Hans Christof Wagner
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Markus Krüttli zieht sich warm an.

Markus Krüttli zieht sich warm an.

Hans Christof Wagner

Markus Krüttli hat die Zwiebeltechnik perfektioniert. T-Shirt, Fleece-Pullover und Thermojacke – mit ein paar wenigen Handgriffen ist er für alle Temperaturbereiche gerüstet. Und diese haben ein weites Spektrum, von minus 45 bis plus vier Grad.

Damit hat der 46-Jährige aus Möhlin sicher den coolsten Arbeitsplatz in der gesamten Schweiz. Denn von der Frigosuisse aus wird das ganze Land mit Tiefkühlware versorgt.

Bis unter die Decke des Hochregallagers stapeln sich die Paletten mit Glace, Pizzaböden, Fisch, Fleisch, Meeresfrüchten und Backwaren übereinander. 35 000 Palettenplätze stehen zur Verfügung, bald sollen es 50 000 sein.

Dass alles richtig verstaut wird und im richtigen Lastwagen landet, dafür sorgt auch Markus Krüttli. Mitte der Achtzigerjahre machte er in Muttenz eine kaufmännische Lehre und schwitzte, wie so viele, im Sommer im Büro vor sich hin. Dann sattelte er 1989 um und wechselte ins ewige Eis, zur Bahnhof-Kühlhaus AG in Basel-Wolf, wie die Frigosuisse seinerzeit noch hiess.

Arbeiten bei Dauerfrost

«In den ersten Wochen war es schon ein Schock», erinnert er sich: «Minus 28 Grad ist schon heftig.» Inzwischen macht es ihm nichts mehr aus. Thermounterwäsche, gefütterte Schuhe, Handschuhe, Spezialjacke, Mütze und Schal machen das Arbeiten bei Dauerfrost möglich.

Seit 2007, seit der Basler Standort aufgegeben wurde, arbeitet Krüttli in Möhlin, wo er auch wohnt. Aus seiner Familie und aus dem Freundes- und Bekanntenkreis muss er sich schon viele Sprüche anhören.

Purer Neid schlägt ihm oft entgegen, gerade in sehr heissen Tagen. Aber er liebt es auch, andere, «normale Arbeitnehmer», aufzuziehen, wünscht ihnen, mit leichtem Sarkasmus in der Stimme, einen «coolen Sommertag». Er selbst kommt bei der Arbeit nicht ins Schwitzen, denn wärmer als vier Grad ist es in seinem Job nie, es sei denn, er wechselt mal ins Büro oder in den Pausenraum.

Im Minus-28-Grad-Bereich, oder gar in der Minus-45-Grad-Zone, wo Frischfleisch über zwei Tage schockgefrostet wird, hält er sich am Stück höchstens eine halbe Stunde auf. Vier von Krüttlis Kollegen leisten ihren Dienst fast ausschliesslich im Tiefkühlbereich. Sebastian Unger ist einer davon. Früher war er Dachdecker und litt in den Sommermonaten schwer unter der Hitze. Jetzt hat auch er einen deutlich cooleren Job.

Doch allen Neidern zum Trost: Er und auch Markus Krüttli müssen nach Ende ihrer Schicht ja auch wieder raus. Und beide wissen, dass einen der Temperaturunterschied schon umhauen kann. «Dann hast du nicht mehr viel vom Feierabend, da bist du abends nur noch platt.»

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