Frick
Dieser Koch serviert Mehlwürmer auf dem Teller

Der talentierter Jungkoch Michel Bucher erklärt, weshalb auf seinem Menüplan in Zukunft Mehlwürmer stehen könnten. Dies wäre unter anderem umweltfreundlicher als grosse Nutztiere.

Nadine Böni
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Kochen ist die grosse Leidenschaft von Michel Bucher. Der talentierte Jungkoch tischt dabei auch schon mal ein Menü mit Mehlwürmern auf.

Kochen ist die grosse Leidenschaft von Michel Bucher. Der talentierte Jungkoch tischt dabei auch schon mal ein Menü mit Mehlwürmern auf.

Zur Verfügung gestellt

Andere schüttelt es nur schon beim blossen Gedanken daran. Michel Bucher kommen sofort die Ideen. Ideen, was er mit Insekten alles kochen könnte, sollten sie in der Schweiz dereinst als Lebensmittel verkauft werden.

Der 22-Jährige aus Frick ist gelernter Koch, absolviert gerade die Ausbildung zum Chefkoch mit Fachausweis. An der Schule ist er einer der Jüngsten. «Aber das stört mich nicht», sagt er und zuckt mit den Schultern.

Das Kochen ist seine grosse Leidenschaft. Schon als Kind habe er erzählt, dass er Koch werden wolle. «Dabei bleibe ich», sagt Bucher und lässt keinen Zweifel daran, dass er glücklich ist mit seiner Berufswahl.

Trotz Arbeitszeiten, die ihm manchmal den Ausgang mit Freunden vermiesen, und einem Lohn, bei dem am Ende des Monats nicht mehr viel übrig bleibt. «Wer es wirklich will, der macht es und denkt nicht nur ans Geld», sagt Bucher.

Es kostet Überwindung

Auf seiner Homepage hat der junge Koch Fotos von seinen Kreationen hochgeladen. Elemente der Molekularküche sind darin zu erkennen – und vielleicht auch bald Insekten. Denn seit die Schweizer Politik im Frühjahr darüber diskutierte, bestimmte Insekten in die Lebensmittelverordnung aufzunehmen, beschäftigt sich auch Michel Bucher mit dem Thema.

An den Umwelttagen in Basel traf er sich mit einem Mitgründer des Ostschweizer Start-ups «Essento», einem der stärksten Verfechter der Insekten-Küche in der Schweiz. «Das Thema hat mich einfach gleich interessiert», erzählt Bucher.

Kurz darauf kochte er sein erstes Insektengericht. Und er gibt zu, dass er erst einmal gezögert habe. «Aber ich lebe nach der Devise, dass man alles zuerst einmal probiert haben sollte, bevor man sagt, dass man es nicht mag», sagt Bucher. Also biss er in die Mehlwürmer, merkte, dass sie «irgendwie nussig» schmecken und überwand seinen Ekel.

Wenige Wochen später bestellte er im Internet bei einem Händler für Tiernahrung selber Mehlwürmer, kreierte damit ein Gericht mit geschmortem Sellerie, gerösteten Urkarotten, Pumpernickelerde und verschiedenen Kräutern.

Auf seinem iPhone hat er Fotos davon gespeichert, die er gerne zeigt. Er selber wirft auch einen Blick darauf und grinst. «Optisch sprechen mich die Würmer auch nicht so an. Aber das kommt vielleicht mit der Zeit», sagt er. Bis dahin wird er die Insekten einfach so verarbeiten, dass sie nicht mehr erkennbar sind.

Argumente für Insekten-Küche

Viel Zeit, das glaubt Bucher, werde es brauchen, bis die Insekten-Küche in der Schweiz ein breites Publikum anspricht. «Noch verbinden viele Menschen Insekten, vor allem Würmer, mit Dreck. Dabei können sie unter hygienischen Bedingungen produziert werden», sagt Bucher.

Und Argumente für die Insekten-Küche gäbe es genug: «Sie sind gute Protein-Lieferanten, haben eine hohe biologische Wertigkeit und sind in ihrer Produktion weniger belastend für die Umwelt als grosse Nutztiere», so Bucher.

Tatsächlich werben verschiedene Organisationen damit, dass 10 Kilogramm Futter zu 9 Kilogramm essbaren Insekten umgewandelt würden. Die gleiche Menge Futter ergäbe hingegen nur 1 Kilogramm Rindfleisch (Zahlen: www.insectable.de).

Erst mal abwarten

Bestimmte Insekten werden in der Schweiz wohl Mitte 2016 in die Lebensmittelverordnung aufgenommen. Praktisch gleichzeitig wird Michel Bucher seine Ausbildung abschliessen. «Ich bin guter Dinge, dass ich das schaffe», sagt der junge Koch.

Was danach kommt, ist noch offen. Bucher lässt das alles auf sich zukommen. Sicher ist: Er wird die Diskussionen um die Insekten-Küche weiter verfolgen, ab und zu damit experimentieren. «Ein komplettes Insekten-Menü wird es bei mir an einem Anlass wohl nie geben. Aber gegen ein Gericht spricht nichts», sagt er.