Fricktal

Dieser junge Fricktaler kämpft für den Erhalt des Berufsbildungszentrums

Guter Stand Rolf Schmid hat bereits 290 Unterschriften gesammelt – Ziel sind 1000.

Guter Stand Rolf Schmid hat bereits 290 Unterschriften gesammelt – Ziel sind 1000.

Die allfällige Schliessung des Berufsbildungszentrums stösst auf heftigen Widerstand. Auch Rolf Schmid wehrt sich dagegen. Der 23-jährige sammelt online Unterschriften für den Erhalt des Berufsbildungszentrums – 290 haben bereits unterschrieben

Die Fricktaler wehren sich gegen eine allfällige Schliessung des Berufsbildungszentrums Fricktal (BZF) in Rheinfelden – und sie tun dies getreu dem Motto: Doppelt hält besser. Auf der einen Seite hat der Kommunikationsprofi Christoph Grenacher über 260 Unternehmer hinter sich geschart, die seine Petition zum Erhalt des BZF unterschrieben haben (die az berichtete); Grenacher wird die Unterschriften morgen Donnerstag an Regierungsrat Alex Hürzeler übergeben.


Auf der anderen setzt sich der 23-jährige Rolf Schmid aus Mettauertal für das BZF ein. Der ausgebildete Kaufmann, der derzeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz den Studiengang «International Management» absolviert und Teilzeit auf dem Steueramt in Frick arbeitet, hat vor wenigen Tagen eine Online-Petition lanciert – aus einer Mischung von Ratlosigkeit und Wut heraus, wie er gegenüber der az sagt.


Ratlos macht ihn die «uferlose Sparwut» der Aargauer Regierung, bei der es «einmal mehr die Bildung trifft». Sparen bei der Bildung hält Schmid für den falschen Ansatz, «denn die Bildung ist das Kapital der Zukunft».

Die Wirtschaft sei auf gut ausgebildeten Nachwuchs angewiesen. «Der Standort Rheinfelden nimmt für die regionale Wirtschaft eine wichtige Position ein und gewährleistet kurze Distanzen zwischen Wohn-, Ausbildungs- und Schulort», sagt Schmid, der selber die Berufsschule in Brugg absolviert hatte, aber von vielen seiner Kollegen und seiner Zeit als Lehrlingsbetreuer in Laufenburg und Frick weiss: «Das BZF ist top.»


Wütend macht ihn, dass es einmal mehr das Fricktal treffen soll, eine Region notabene, die zu den wirtschaftlich prosperierendsten im Kanton gehört. Man habe in Aarau wohl das Gefühl: Mit denen kann man es ja machen, argwöhnt er.

Dass dies nicht der Fall ist, dass sich das Fricktal durchaus zu wehren weiss, zeigte sich vor rund eineinhalb Jahren, als der Kanton den Beitrag an den Tarifverbund Nordwestschweiz streichen wollte. Herbert Lützelschwab aus Zeiningen stand auf und sagte: «Das darf nicht sein.» Fast im Alleingang sammelte er 6546 Unterschriften. Die Fricktaler Grossräte stellten sich ebenfalls geschlossen hinter den TNW – und schafften es, dass der Streichungsantrag im Gremium chancenlos blieb.


Dies, so hoffen Grenacher wie Schmid, wird auch diesmal der Fall sein. Oder noch besser: Der Kanton verfolgt die beiden Standortvarianten, in der das BZF als Schule von der Bildfläche verschwindet, gar nicht erst weiter. Der Regierungsrat brütet derzeit über dem Standort- und Raumkonzept der Sekundarstufe II; nur in einer von drei Varianten bleibt Rheinfelden als eigenständige Schule erhalten.


Ziel sind 1000 Unterschriften


Es sei «höchste Zeit, dem Kanton aufzuzeigen, dass es für die Region auf der anderen Seite der Jurahöhen auch ein Berufsbildungszentrum braucht», ist Schmid überzeugt – und mit ihm bislang 290 Personen. So viele haben seine Online-Petition auf openpetition.eu bis gestern Abend unterschrieben.

Der Grossteil der Unterschriften stammt dabei aus dem Fricktal, aber auch aus dem Baselbiet und dem Raum Brugg bekommt Schmid Sukkurs.
Ziel von Schmid ist es, 1000 Unterschriften zusammenzubringen. Er ist guten Mutes, dass dies auch klappen wird. Das Format Open-Petition hat er gewählt, «weil hier alle unterschreiben können und weil sich der Zeitaufwand in Grenzen hält».

Für eine echte Unterschriftensammlung an Bahnhöfen und vor Einkaufszentren «würde mir schlicht die Zeit fehlen». Wenn jemand Zeit und Lust dazu habe, «dann freut mich das natürlich. Die Unterschriftsbögen stehen zum Download bereit». Ob virtuell oder real: «Wir wollen ein Zeichen setzen. Ein vierstelliges.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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