Wölflinswil
Dieser Fricktaler ist fasziniert von Burgen und der Unterwelt – und schrieb ein Buch darüber

Reinhard Brühwiler hat zwei Wanderführer zu Burgen sowie zu Höhlen und Stollen verfasst. Ein Jahr lang recherchierte Reinhard Brühwiler dafür, reiste durch die ganze Schweiz und wanderte von Schlossberg zu Burghügel.

Fabrice Müller
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Reinhard Brühwiler aus Wölflinswil lädt in seinen zwei Wanderführern zu spannenden Ausflügen auf Burgen und in die Unterwelt ein. Fab

Reinhard Brühwiler aus Wölflinswil lädt in seinen zwei Wanderführern zu spannenden Ausflügen auf Burgen und in die Unterwelt ein. Fab

Wer sich ihr von Gipf-Oberfrick her nähert, kann nur erahnen, was sich dort oben auf dem Berg, hinter den hohen Bäumen des Waldes verbirgt. Erst auf den letzten hundert Metern etwa, die wir nach dem Waldhaus von Gipf-Oberfrick aus in Angriff nehmen, rücken die ersten Überreste von ihr in unser Blickfeld.

Mächtig hoch muss ihr Bergfried gewesen sein. Dick ihre Mauern. Und weitreichend die Aussicht von hier oben. Doch die Burg Tierstein (beziehungsweise Alt-Tierstein) hat ihre besten Tage längst hinter sich.

Trotzdem fasziniert der Anblick ihrer Mauern. Es scheint, als erzählten sie vom einstigen Leben der Ritter, die hier oben lebten. «Die Alltagsrealität auf den Burgen war meist eine ganz andere als das gängige Klischee.

Die wenigsten Burgherren residierten auf prunkvollen Schlössern. Die meisten führten ein einfaches Leben in spartanisch eingerichteten Burgen ohne Komfort», erzählt Reinhard Brühwiler aus Wölflinswil, der 2012 für den Werd Verlag den Wanderführer «Auf zu Burgen und Schlössern« verfasst hat.

Auf den Spuren der Ritter

Auf 22 Burgen und Schlösser aus der ganzen Schweiz ging der heute 73-jährige darin ein. Darunter auch auf das Schloss Lenzburg sowie die Ruine Schenkenberg bei Thalheim, die Reinhard Brühwiler als «die Schönste unter den Ruinen» bezeichnet. Mit der Ruine Schenkenberg könne es keine der zerfallenen Burgen im Dornröschenschlaf aufnehmen.

«Jeder Burgenbesuch ist eine Zeitreise ins geheimnisvolle Mittelalter. Auf Schritt und Tritt werden wir daran erinnert, wie sich das Leben in den alten Mauern vor hunderten von Jahren abspielte», beschreibt der Burgenfan seine Faszination für Ruinen und Schlösser. Ein Jahr lang recherchierte Reinhard Brühwiler für sein Burgen- und Schlösserbuch, reiste durch die ganze Schweiz und wanderte von Schlossberg zu Burghügel.

Geheimnisvolle Unterwelt

Hunderte von Burgen und Schlössern gibt es in der Schweiz. Eine Auswahl mit 22 Objekten zu treffen, war nicht ganz einfach. «Mir war es wichtig, Schlösser und Burgen vorzustellen, die besonders auch für Kinder interessant sind und noch etwas zu bieten haben – zum Beispiel einen Turm, den man besteigen kann», sagt Brühwiler. Deshalb finde man die Ruine Alt-Tierstein nicht in seinem Buch. Jede Burg wird in Zusammenhang mit einer Wanderroute vorgestellt.

Eine zweite Leidenschaft des Wölflinswilers gilt der Unterwelt, genauer gesagt den Stollen und Höhlen der Schweiz. Diesem Thema widmete er sein erstes Buch, das bereits 2008 ebenfalls im Werd Verlag erschienen ist.

Das Buch führt seine Leserinnen und Leser unter die Oberfläche der Schweiz, hinab in den geheimnisvollen, unbekannten Kontinent unter der Erde: ins sagenumwobene Reich der Feen, ins verwirrende Stollenlabyrinth alter Bergwerke, in die tiefen Kavernen einst streng geheimer Festungen und hinter die düsteren Gemäuer unheimlicher Grottenburgen. 24 Wanderungen werden vorgestellt.

«Höhlen und Stollen haben mich schon immer fasziniert. Es ist, als betrete man eine andere Welt, wo man auf sich selbst gestellt ist. Alles ist unheimlich und geheimnisvoll», sagt Brühwiler und schwärmt von den riesigen Tropfsteinhöhlen beispielsweise im Jura oder den kilometerlangen Stollen einstiger Bergwerke. «Ich möchte mit dem Buch aufzeigen, dass es noch viele Sachen in der Schweiz zu entdecken gibt, die man mit den üblichen Wanderführern nicht finden würde.»

Viele der Bilder, die in seinen Büchern gezeigt werden, schoss Reinhard Brühwiler selber. Von der Tropfstein-Märchenwelt im Lorenztobel etwa, den Meyerschen Stollen unter der Stadt Aarau oder vom verwunschenen Badehotel im Onsernonetal, wo offenbar einst Faschisten auf Partisanen geschossen haben.

Wie kam Reinhard Brühwiler auf die Idee, sich als Buchautor zu betätigen? «Ich habe als Marketingverantwortlicher während 27 Jahren für den WWF gearbeitet. Als ich mit 63 pensioniert wurde, suchte ich nach Möglichkeiten, wo ich mit Kopf und Beinen etwas realisieren konnte.»

Es sei ihm ein Anliegen, die Natur zu erhalten und auf ihre Schönheiten aufmerksam zu machen. Was gebe es Schöneres, als die Natur im Rahmen einer spannenden Wanderung zu erleben? «Ich wollte Wanderungen vorstellen, die abseits der bekannten Pfade durch die Schweiz führen», sagt der Buchautor.

Ein weiteres Buchprojekt gebe es zwar nicht, obwohl er einst noch die Idee hatte, einen Wanderführer auf den Spuren von historischen Persönlichkeiten zu verfassen – vom Geburtshaus bis zum Friedhof.