Was haben Wurstwaren, Brücken, Hochzeitskleider oder Illusionsbilder mit Stricken zu tun? Sehr viel. All jene, die bis jetzt der Ansicht waren, Lisme sei ein alter Zopf und etwas für Omas, werden spätestens beim Schauen, Staunen, Schmunzeln von Yvonne Zollinger Kurzfilm «total verstrickt» eines besseren belehrt.

Ein grosses Publikum liess sich am Samstagmorgen die Gelegenheit nicht entgehen, um sich im Kino Monti in Frick so ganz und gar dem Strickvergnügen in Form eines ebenso unterhaltsamen wie kurzweiligen Filmes hinzugeben. Die in Schwaderloch lebende Journalistin Yvonne Zollinger hat eine Ausbildung zur Dokumentarfilmerin gemacht (az berichtete.). Für die Abschlussarbeit galt es, ein spezielles Thema filmisch umzusetzen. «Ich bin eine verrückte Strickerin», so die Filmerin über ihr gewähltes Thema an der Premiere von «total verstrickt».

Bei der Suche nach den Protagonisten entwickelte sich eine ganz spezielle Eigendynamik. Jeder kannte da noch jemanden, der noch etwas Aussergewöhnlicheres mit Stricknadeln und Wolle umsetzt. Für Yvonne Zollinger bedeutete dies einerseits viel Reisen, gleichzeitig aber auch die nicht einfache Qual der Wahl, aus dem umfangreichen Filmmaterial eine rund 20-minütige Dokumentation zusammenzuschneiden. Dass ihr das bestens gelungen ist, machten die begeisterten Stimmen an der Premiere deutlich.

Stricken rund um die Welt

In «total verstrickt» begleitet die Fricktalerin unter anderem ein Gruppe Strickerinnen und Stricker, die in Schottland innert weniger Stunden die Wolle direkt vom Schaf zu einem Pullover verarbeiteten. Da wäre auch die junge Valerie Glarner, die an der Kanti nicht nur ihre Mitschüler von ihrem grossen Hobby Stricken überzeugen konnte, sondern auch gleich als Maturarbeit ihr Strickkönnen unter Beweis stellte. Das gestrickte Hochzeitskleid brachte ihr dann auch die Bestnote, eine 6, ein. Ein Stück Salami, ein Schweinskopf oder gar ein mit Zitronen gefüllter Fisch gefälligst? Bei Dominique Kähler ist all dies und noch viel mehr erhältlich. Die Delikatessen sind nicht zum Verzehr geeignet, sind sie doch allesamt aus Wolle und Garn. Ganze Bauwerke einstricken, dass das geht, zeigten eine Gruppe Stricker aus Basel. Sie strickten kurzerhand die Wettsteinbrücke ein.

An der Premiere ihres Filmes dankte Yvonne Zollinger mehrfach ihren Protagonisten für die spontane Bereitschaft, mitzumachen. Im Kino Monti war unter den Gästen auch die jüngste Mitwirkende Valerie Glarner. Sie hatte ihre Prüfungsarbeit, das mittlerweile vielfach bewunderte Hochzeitskleid gleich mitgebracht. Ebenfalls anwesend war Dominique Kähler. Ihre gestrickten Fleischwaren sind begehrt, sind zurzeit an verschiedenen Ausstellungen mit den Augen zu geniessen.

Yvonne Zollinger hat es verstanden, in kurzen Filmsequenzen dem Stricken den Mief zu nehmen, dem dieses Handwerk immer wieder angehängt wird. Wer weiss, viellicht hat der eine oder andere nach dem Genuss von «total verstrickt» selbst Lust, zu Stricknadel und Wolle zu greifen. Aber Vorsicht: Stricken hat grosses Suchtpotenzial. «Ich bin süchtig nach Lismen», so Yvonne Zollinger. Mit dem Filmen ist nun eine weitere Sucht hinzugekommen. Weitere Filme von der Fricktalerin werden garantiert folgen.