Wittnau
Dieser Border Collie mag keine Schafe – dafür liebt er das Frisbee-Spielen

Thomas Wehrli
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Finn legt sich in den Sand, fixiert Marianne Preiswerk, wartet auf das Kommando. «Hopp», ruft die 42-Jährige und berührt mit dem blauen Frisbee ihre linke Schulter.

Der fünfjährige Border Collie sprintet los, springt auf ihren Rücken, stösst sich ab, fliegt durch die Luft – und fängt das Frisbee im Flug.

Kaum gelandet, wendet er elegant, kommt zu Preiswerk zurück, legt das Frisbee ab – und sprintet bereits der nächsten Scheibe nach, die Preiswerk ins andere Ende des Paddocks schleudert. Auch diese fängt er sicher.

Hundefrisbee nennt sich diese Sportart – und macht beiden, Finn wie Preiswerk, sichtlich Spass.

«Ein Border Collie braucht viel Bewegung und Beschäftigung», erklärt Preiswerk. Sie habe sich deshalb, als Finn gut einjährig war, nach einer Aufgabe für ihn umgesehen.

Naheliegend war, ihn mit Schafen arbeiten zu lassen; denn das SchafeHüten liegt der Rasse im Blut. Preiswerk lacht. «Dafür hatte Finn aber kein Gehör. Er macht um Schafe einen grossen Bogen.»

Auch beim Treibball-Spielen hatte Finn seine eigene Technik: Statt den Ball, wie vorgesehen, ins Tor zu befördern, zerbiss er ihn lieber.

Ganz nach Finn’s Gusto war dann der dritte Anlauf: das Frisbee-Spielen. Seit der Rüde eineinhalb Jahre alt ist, trainiert Preiswerk mehrmals wöchentlich mit ihm und nimmt auch an Turnieren teil. Am nächsten Wochenende macht die «Swiss Discdog Challenge», die aus vier Events besteht, in Frick Halt. Organisiert wird der Fricker Anlass von «Fricky Discdog», einem Zusammenschluss von Fricktaler Hundefrisbee-Spielern, den Preiswerk im Januar ins Leben gerufen hat. «Aktuell sind wir zu viert», sagt sie. «Verstärkung ist jederzeit willkommen.» Trainiert wird in Wittnau, auf dem Pferdepaddock der Familie.

Beim Hundefrisbee ist der Mensch ebenso gefordert wie der Hund. «Die Wurftechnik ist das A und O», sagt Preiswerk. Wenn Finn eine Scheibe nicht fangen könne, dann liege das fast immer daran, dass sie sie schlecht geworfen habe. In der Kür, wo sie mit Finn zwei Minuten lang zu Musik verschiedene Würfe und Tricks zeigt, seien zudem Kreativität und Koordination gefragt. «Mensch und Hund müssen sich blind verstehen», sagt Preiswerk.

Seit 20 Jahren bei der Kapo

Das tun Finn und sie. Chancen auf einen Sieg in Frick malt sich Preiswerk dennoch nicht aus. «Es ist mein zweiter Wettkampf nach einer längeren Verletzungspause.» Sie hatte sich das Kreuzband gerissen. Um mit den besten Spielern der Schweiz mithalten zu können, müsste sie zudem deutlich mehr Zeit ins Training investieren. «Das ist mit Kindern und Beruf nicht möglich», sagt Preiswerk. «Ich bin im Leben eben ein Stück weiter als die jüngeren Spieler.»

Im Leben ist Preiswerk Polizistin. Seit 20 Jahren arbeitet sie bei der Kantonspolizei Basel, ihr Partner bei der Kapo Zürich. «Wir suchten vor drei Jahren einen Wohnort in der Mitte», erzählt Preiswerk. Sie gaben auf einer Immobilienplattform «Frick» und «Umkreis 5 Kilometer» ein – und landeten in Wittnau. «Hier gefällt es uns super», sagt sie. Die Landschaft sei wunderschön, die Leute freundlich. «Wir wurden vom ersten Tag an gut aufgenommen.»

Wir, das sind sie, ihre beiden Kinder und ihr Partner. Seine drei Kinder sind erwachsen und leben nicht in Wittnau. Wir, das ist aber auch eine stattliche Anzahl Tiere. Zwei Pferde gehören dazu, ein Pony, Finn, Apachee, eine Parson Terrier Hündin, und Ina, eine Border Collie Hündin. Apachee ist die Clownin der Familie. «Sie bringt uns immer zum Lachen und fordert eine derartige Präsenz, dass man alle trüben Gedanken sofort vergisst.»

Ina stammt aus Italien. Sie verlor bei einem Autounfall ein Bein. «Als wir sie im Internet bei einer Auffangstation sahen, wussten wir gleich: Ina hat eine Chance verdient.» Sie holten sie – und haben den Schritt nie bereut. «Ina ist eine tolle Hündin», sagt Preiswerk. «Dass ihr ein Bein fehlt, schränkt sie kaum ein.» Ina beweist es, sprintet Apachee nach, macht kehrt, kommt zurück – und sagt dem Eindringling, als der der Journalist gilt, lautstark die Meinung.

Preiswerk schmunzelt, sagt Ina, es sei gut, was diese angesichts der «Bedrohlichkeit» des Fremdlings nicht so recht glauben mag. Preiswerk streichelt die Hündin. «Hunde bringen dem Menschen ein bedingungsloses Vertrauen entgegen», sagt sie dann. «Man darf sie nie enttäuschen.»

Swiss Discdog Challenge, 23. und 24. Juli ab 9 Uhr, Sportplatz Ebnet, Frick