Zu vermieten: Rentner, rüstig, übernimmt allerlei Aufträge.

Auf dieser Grundidee fusst «Rent a Rentner», eine Internetplattform, auf der Rentner ihre Dienstleistungen anderen Rentnern anbieten. Was 2010 im zürcherischen Bachenbülach eher klein begann, überzieht inzwischen als «Miet mich»-Netzwerk fast die ganze Schweiz.

Aus dem Fricktal bieten aktuell 15 Rentnerinnen und Rentner ihre Erfahrungen, die sie oft ein Berufsleben lange gesammelt haben, anderen Ruheständlern gegen eine «Mietgebühr» an. Das Spektrum der Angebote ist dabei breit gefächert: Eine Rentnerin aus Eiken stellt sich unter anderem als Chauffeuse zur Verfügung, ein Sissler korrigiert Texte und liest, bei Bedarf, am Krankenbett aus der Zeitung vor; ein Wegenstetter hilft bei Renovierungen, ein Steiner beim Autovorführen.

Wer einen neuen Computer installieren will (oder muss), wird auf «Rent a Rentner» ebenso fündig wie einer, der jemanden für den Innenausbau sucht – oder auch nur dafür, ein Bild aufzuhängen oder ein Möbel zusammenzuschrauben. Dass Letzteres nicht immer ganz ohne ist, weiss jeder, der schon einmal ein «Lebst du schon, oder wohnst du noch?»-Möbel mit der mitgelieferten Anleitung zum Leben erweckt hat.

Dieter von Arx vermittelt Kultur

Einer, der fast von Anfang an dabei ist, ist Dieter von Arx aus Kaiseraugst. Sein Angebot: Der 70-Jährige vermittelt anderen Menschen Kultur. Er führt sie durch Ausstellungen oder begleitet sie ins Theater. Der Bühnenbildner, der an vielen grossen Häusern im In- und Ausland gearbeitet hat, will «das, was ich weiss, anderen weitergeben, solange ich das kann».

Ihm ist es wichtig, mit anderen Menschen in den Dialog zu treten, sie in eine neue Welt, seine Welt, zu entführen, mit ihnen abzutauchen in die Kultur, in sie einzutauchen, tiefer und tiefer – so dies der «Mieter» will und zulässt.

Von Arx gefiel die Idee einer Senioren-für-Senioren-Plattform vom ersten Moment an, als er davon im Radio hörte. Zum einen, weil die Rentner so eine neue Aufgabe erhalten, weil sie gebraucht bleiben, aktiv werden, und sei es auch «nur», um etwas zusammen zu unternehmen oder eine gute Zeit miteinander zu haben.

Zum anderen, weil er in seiner eigenen Familie erlebt hat: «Ältere Menschen sind gute Kommunikatoren. Sie können anderen viel mitgeben, ihnen einen Weg zeigen.» Dass er dieses Wegweiser-Sein nicht jungen Menschen, sondern Senioren anbietet, liegt auch daran, dass es für die jüngere Generation genügend Angebote gebe, nicht aber für «Meinesgleichen». Er will die Senioren herausfordern, sie animieren, hinzuzusehen und zuzuhören, sie «vergemeinschaften» auch, so sie dies wollen.

«Etwas ein Exot»

Von Arx zuzuhören, wie er von früher erzählt, von seiner Arbeit, von seiner Passion, dem Malen, von seinen Begegnungen mit einem Otto Stich, einem Volker Hesse oder einem Otto Frank, dem Vater von Anne Frank, lässt den Zuhörer eintauchen in die Vergangenheit, in eine Welt, die ebenso berührend wie dramatisch sein konnte.

Der gebürtige Basler, der in seinem Leben «sehr viel bekommen hat» und nun etwas davon zurückgeben will, schmunzelt, wie er in seinem kleinen Atelier im 10. Stock der Liebrüti-Überbauung von der grossen Welt im Kleinen erzählt. Dass er mit seinem Angebot auf der Rentner-Plattform «etwas ein Exot» ist, ist er sich bewusst. Er findet aber: «Auch das muss Platz haben.»

Von Arx wünscht sich ohnehin, dass das Angebot noch breiter wird, gerade auch aus der Nordwestschweiz, dass sich die Plattform mit anderen vernetzt – und dass auch noch vermehrt Intellektuelle und Künstler den virtuellen Marktplatz für sich respektive für andere entdecken. Gut fände er es zudem, wenn die Website in Fachgebiete gegliedert würde. Denn dann, so ist von Arx überzeugt, wäre die Einschaltquote gerade für spezielle Angebote wie das seinige einiges grösser.

Mehrere Kontakte

Bislang hatte von Arx mehrere Anfragen über «Rent a Rentner». Spannende Kontakte, die unter anderem in einer Führung durch das Kunsthaus in Zürich mündeten.

Distanzen spielen für von Arx keine Rolle. Auf der Website hat er als Tätigkeitsgebiet einen Radius von 200 Kilometern angegeben. «Ich bin ja mobil.» Ähnlich offen ist er, was sein Honorar betrifft. «Die Spesen müssen gedeckt sein, über alles Weitere kann man reden.» Ihm sei das Geben wichtig, weniger das Nehmen, «mein Ansatz richtet sich deshalb auch nach den finanziellen Möglichkeiten der Kunden».

Das Geben, es kreist bei Dieter von Arx stets um das Wort. Und so sagt er, ganz zum Schluss der Begegnung, einen Satz, der mehr ist als die neun Worte, die er enthält: «Wenn man pensioniert wird, ist noch lange nicht Schluss.»