Fricktal
Diese tierischen Einwanderer sind unerwünscht

Exotische Gänse, Fische und Krebse: Wieso sie kommen, bleiben und Schaden anrichten.

Rael Probst
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Unerwünschte tierische Einwanderer
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Die Rostgans ist ein Steppenvogel aus Asien und Nordafrika.
Zwei Arten von Schwarzmeergrundeln.
Ein asiatischer Marderhund auf Streifzug.
Der Signalkrebs ist Träger der Krebspest.

Unerwünschte tierische Einwanderer

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Ein Spaziergang am Rheinufer, Gänse, Fische und Krebse beobachten und sich an der Natur erfreuen. Dass die niedlichen Tierchen im und um den Fluss aber nicht immer so harmlos sind, wie sie aussehen, daran denkt niemand beim Vorbeispazieren. Nilgänse, Rostgänse und Graugänse, alle sind Vögel, alle sind schön anzusehen. Aber das Auge täuscht. «Die Probleme mit der Nilgans sind vor allem im Aargau verbreitet, denn die nordafrikanischen Gänse kommen über Deutschland in die Schweiz», sagt Erwin Osterwalder, Fachspezialist Jagd beim Kanton.

In der Schweiz gibt es zwischen drei und zehn Nilgans-Brutpaare. Es ist von einer rasanten Ausbreitung der Art die Rede: vor allem entlang des Rheins und dessen Nebenflüssen. Das Problem mit den Nilgänsen und den Rostgänsen aus asiatischem Raum sei, dass diese mit den einheimischen Wasservögeln um Nahrung und Lebensraum konkurrieren und zudem sehr aggressiv sind während der Brutzeit. Die Gänse sind Gefangenschaftsflüchtlinge, wurden also ursprünglich in der Schweiz oder in Nachbarländern als Ziervögel gehalten und sind dann ausgesetzt worden oder konnten ausbrechen.

Aggressivität und Krankheiten

Auch für die Einwanderung der Schwarzmeergrundel ist der Mensch verantwortlich. Mit dem Rhein-Main-Donau-Kanal ist der Fisch in die Schweiz gekommen. Mit Binnenschiffen und deren Ballastwasser. «Zurzeit gibt es zwei Arten der Schwarzmeergrundel im Rhein. Die Fische kommen ursprünglich, wie der Name sagt, aus dem Schwarzen Meer», sagt der Umweltingenieur des Kantons, Christian Tesini. Die Schwarzmeergrundel wird rund 20 Zentimeter gross und verdrängt mit ihrer invasionsartigen Vermehrung einheimische Arten. Als Laichräuber unterwegs, beeinträchtigt sie die Fortpflanzung von Schweizer Fischen wie der Forelle und der Äsche. Basel-Stadt hat bereits ein Merkblatt zum Umgang mit dem Fisch hervorgebracht. «Wichtig ist, dass Fischer die Schwarzmeergrundeln töten, sobald sie eine angeln. Wir müssen ihrer Verbreitung entgegenwirken», bestätigt auch Tesini. Erkennen würde man die Fische an der Bauchflosse, die sich zu einer Art Saugnapf gewandelt hat.

Auch für die Schweizer Krebswelt sieht es momentan gefährlich aus, denn mit den nordamerikanischen Kamberkrebsen und Signalkrebsen ist auch die Krebspest in die Schweiz gekommen. Die exotischen Krebsarten kommen vor allem in kleineren Nebenflüssen wie dem Sisslerbach, dem Etzgerbach oder dem Sulzerbach sowie in Seen vor. Die beiden fremdartigen Krebsarten kamen schon im 19. Jahrhundert nach Europa, als die Krebse als Delikatesse importiert wurden und dann teilweise ausgesetzt wurden. Nun hat ihre Zahl in der Schweiz aber erschreckend zugenommen. Gefährlich sind die Tiere, weil sie Träger einer Krankheit sind, gegen die sie selbst immun sind, die aber für Schweizer Krebse tödlich ist: die Krebspest. Für andere Tierarten, die im und um Gewässer leben, sowie für den Mensch ist die Krankheit ungefährlich.

Als Neozoen und somit Eindringling in den Lebensraum heimischer Arten gelten auch der Waschbär und der Marderhund. Beide sind durch die Pelzgewinnungsindustrie nach Europa gekommen. Jäger dürfen die Tiere das ganze Jahr über schiessen, die Vermehrung der Zuwanderer soll gering gehalten werden. «Dieses Jahr haben wir etwa drei Nachweise, dass ein Waschbär im Aargau gesichtet wurde. Keine Nachweise gingen 2016 für den Marderhund ein. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie im Aargau unterwegs sind. Die Nachweise bei Waschbären und Marderhunden ist jedes Jahr gering», sagt Osterwalder. Ob Waschbär oder Marderhund oder Fisch, in jedem Fall heisst es: handeln. Den Fisch nicht zurück ins Wasser werfen und Waschbären melden.