Hochrhein
Diese Muschel ist kaum zu stoppen – sie gehört zur häufigsten Art im Rhein

Die asiatische Körbchenmuschel verdrängt die einheimischen Arten und gehört heute zur häufigsten im Rhein – sie kennt keine natürlichen Feinde. Sollen wir sie essen, damit es weniger davon gibt?

Susanne Hörth
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Eine der in Kaisten gefundenen Körbchenmuschel. SH

Eine der in Kaisten gefundenen Körbchenmuschel. SH

Susanne Hörth

Wieso in die Ferne schweifen, wenn Strandfeeling pur doch direkt vor der Haustüre liegt? Das Rheinufer in Kaisten bietet fast alles, was des Urlaubers Herz erfreut: Wasser, lauschige Plätze, Sand und Muscheln. Ja, wirklich Muscheln. Zum Teil liegen sie vereinzelt, teilweise aber zu Hauf zwischen den Steinen im und ausserhalb des Wassers. Nicht nur in Kaisten, sondern flussauf- und abwärts. Insbesondere eine Muschelart hat sich in den letzten Jahren invasiv ausgebreitet. «Ja, hierbei handelt es sich um eine asiatische Körbchenmuschel», bestätigt David Bittner, Bereichsleiter Fischerei der kantonalen Abteilung Wald, Jagd und Fischerei. Ihm liegt ein Foto vor, das eine der Muscheln zeigt, die in Kaisten im seichten Flusswasser gelegen hat.

Diese Art ist hier nicht heimisch. Die grob gerippte Körbchenmuschel stammt ursprünglich aus Asien. Bei den Chinesen als Nahrungsmittel beliebt. Vor rund 100 Jahren gelangten die Muscheln im Ballastwasser grosser Frachtschiffe nach Nordafrika. Zu Beginn der 1980er-Jahre wurde sie dann auch in Europa entdeckt. Vom Rheindelta gelangten sie in den Hochrhein und von dort in den Bodensee, schreibt Wikipedia. Das wird auch in zahlreichen wissenschaftlichen Berichten zu der invasiven Körbchenmuschel bestätigt. Kam sie noch vor wenigen Jahren hier gar nicht vor, so gehört sie heute zur häufigsten Muschelart im Rhein.

Wohlfühlort Rheingrund

Pro Quadratmeter Rheingrund gibt es heute bereits Tausende der bis zu drei Zentimeter grossen Wasserlebewesen. Weil sie keine natürlichen Feinde kennt, sich fast in jedem Gewässer ernähren kann, sind der Vermehrung dieser Muscheln kaum Grenzen gesetzt. Als Zwitter befruchtet sie sich selbst, produziert täglich mehrere hundert Larven. Zudem passt sie sich sehr gut ihrer Lebensumgebung an und verdrängt die einheimischen Arten.

Die invasiven Muscheln verändert nicht nur das Ökosystem. Sie verstopfen Wasserleitungen, unter anderem Kühlwasserleitungen von Atomkraftwerken. Deren Betreiber müssen viel Geld aufwenden, um die Muscheln zu entfernen. Ihre Zahl mit dem Verzehr zu reduzieren empfiehlt sich nicht. Die Körbchenmuschel nimmt ihre Nahrung aus dem vorbeiströmenden Wasser auf. Damit auch eine hohe Menge an Giftstoffen. Also besser nicht essen.

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