Wegenstetten
Diese Kühe sind mit Hörnern glücklich

Der Gründelematthof in Wegenstetten lässt der Natur ihren Lauf: Die Kühe tragen Hörner. Damit macht die Bauernfamilie nun Werbung - und produziert «Glücksmilch» von gehörnten Kühen.

Corina Borer
Drucken
Teilen
Bauer Schreiber mit einer gehörnten Kuh

Bauer Schreiber mit einer gehörnten Kuh

Solothurner Zeitung

Eigentlich ein ganz gewöhnliches Bild: Ungestört grasen die Kühe auf ihrer grünen, saftigen Wiese. Doch anders als 90 Prozent der Schweizer Kühe haben diese Tiere ihre Hörner noch. Biobauer Stefan Schreiber findet: «Eine Kuh ohne Hörner ist wie ein Sportwagen ohne Spoiler. Das gehört einfach zu einer kompletten Kuh dazu, denn sie kommt so zur Welt.»

Jährlich werden in der Schweiz bei 200000 Kälbern die Hörner entfernt. Dies ist für die Tiere alles andere als angenehm. «Die Kälber sind zwar unter Narkose, doch liegen im Hornansatz viele Nerven und Blutbahnen, deshalb sind die Tiere an dieser Körperstelle sehr empfindlich. Bei älteren Tieren kann es zu starken Blutungen kommen, und der Heilungsprozess verläuft nicht immer ohne Komplikationen», betont Schreiber.

Das Thema um die Kuhhörner ist heiss diskutiert. Es berge eine grosse Verletzungsgefahr, sagen die einen. Das Horn gehöre zum Naturell der Kuh und sei wichtig für deren Sozialverhalten, sagen die anderen.

Kühe mit Hörnern können gefährlich sein

Dass Kühe mit Hörnern gefährlich sein können, musste Stefan Schreiber schon am eigenen Leib erfahren. «Ich habe mir einmal die Rippe gebrochen, bloss weil eine Kuh den Kopf geschüttelt hat. Man muss schon sehr aufpassen.» Dennoch lässt sich der Milchbauer davon nicht abschrecken.

Die Familie Schreiber verfolgt mit ihren original Simmentaler Milch- und Mutterkühen ein kombiniertes Zuchtziel: Milch und Fleisch. Die Kühe geben demnach etwas weniger Milch als die typische Milchkuh, haben aber eine bessere Bemuskelung. Stefan Schreibers 30 gehörnte Milchkühe geben etwa 600 Liter im Tag. Einen kleinen Teil davon verkauft die Familie unter dem Label der KAG Freiland, einer gemeinnützi-gen Nutztierschutzorganisation, im hofeigenen Bioladen als «Glücksmilch». Frei nach dem Motto: Kühe mit Hörnern sind glücklicher, und das spiegelt sich auch in der Milch wider. «Man sagt auch, Milch von gehörnten Kühen sei verträglicher. Einen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt es allerdings nicht», gibt Stefan Schreiber zu und schmunzelt.

Die glücklichen Kühe brauchen jedoch auch eine gute Infrastruktur. So muss der Stall besonders gross sein und die Kühe sollten täglich Zugang zu einer Weide haben. Damit kann verhindert werden, dass sich die Tiere mit ihren Hörnern gegenseitig verletzen. Dies ist jedoch teurer als eine normale Kuhhaltung. «Ausserdem sind Kühe mit Hörnern bei vielen Bauern verpönt, weil das in deren Augen altmodisch ist», so der Milchwirt. Ob altmodisch oder nicht, für die Familie Schreiber vom Gründelematthof gehören Kühe mit Hörnern zum Bio-Gedanken dazu.

Aktuelle Nachrichten