Rheinfelden
Diese Brauerei liefert nicht nur Bier aus, sondern auch Energie für 1000 Einfamilienhäuser

Nach knapp fünfjähriger Bauzeit durfte der offizielle Abschluss eines ehrgeizigen Projekts in der Brauerei Feldschlösschen gefeiert werden, die dank ihrer Abwärme aus der Bierproduktion Hauptlieferant von Energie für Wärmekunden ist.

Heidi Rombach
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Interessierte Gäste am offiziellen Abschluss des Projekts «Wärmeverbund Rheinfelden-Mitte.

Interessierte Gäste am offiziellen Abschluss des Projekts «Wärmeverbund Rheinfelden-Mitte.

Heidi Rombach

Die seit Jahren zertifizierte Energiestadt Rheinfelden bewältigte mit dem «Wärmeverbund Mitte» einen weiteren bedeutenden Schritt in Richtung Schonung von Ressourcen.

Freitagabend durfte nach knapp fünfjähriger Bauzeit der offizielle Abschluss eines ehrgeizigen Projekts in der Brauerei Feldschlösschen gefeiert werden, die dank ihrer Abwärme aus der Bierproduktion Hauptlieferant der Energie für die Wärmekunden ist. Rund 20,5 Millionen Franken wurden in den Wärmeverbund investiert, von dem kommunale Liegenschaften, Altstadthäuser, das neue Salmenareal und das Quartier Schifflände profitieren.

3000 Tonnen weniger CO2

Marc Ritter, Verwaltungsrats-Präsident der Wärmeverbund Rheinfelden AG, die zu je 50 Prozent der Stadt Rheinfelden und den AEW gehören, verdeutlichte vor den geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft: «Heute werden rund zehn Gigawattstunden Wärmeenergie produziert, dieser Wert soll durch den Anschluss neuer Gebäude noch weiter anwachsen.»

Man könne den Wärmebedarf von über 1000 Einfamilienhäusern decken. Mit dem Verbund lasse sich ein CO2-Ausstoss von etwa 3000 Tonnen pro Jahr vermeiden, so Ritter, der ein «erfolgreich realisiertes Grossprojekt» sieht. Dass lange Verkehrseinschränkungen und Emissionen während der Bauphase von der Bevölkerung akzeptiert wurden, betrachtete er als positives Signal, in der städtischen Energieversorgung neue Wege zu beschreiten.

Anhand aktueller Zahlen verdeutlichte er die Leistungsfähigkeit des neuen Netzes. In der Heizperiode bis 31. März 2017 habe das Netz 9756 Megawattstunden geliefert.

Seit drei Winter läuft die Anlage

Die AEW hatten vor rund fünf Jahren den Auftrag erhalten, den Rheinfelder Wärmeverbund zu realisieren, es folgten Verträge mit Feldschlösschen als Energielieferant und Kreditbewilligung durch die Einwohnergemeinde. So konnte im Juni 2012 der Spatenstich für das Projekt erfolgen. Schon im März 2014 liess sich eine erste Inbetriebnahme durch den Anschluss der NAB realisieren. Dass zwischendurch mal Wermutstropfen durch eine Leckage eines Wärmetauschers flossen, wurde nicht verhehlt.

Marc Ritter: «Seit drei Wintern läuft die Anlage problemlos, Kinderkrankheiten sind ausgeräumt.» Erweiterungsabsichten bestünden bis 2020, um weitere private Immobilien oder Geschäftshäuser anzuschliessen. Jürg Frutiger, Projektleiter Wärme der AEW Energie AG, den Ritter als «wichtigsten Mann des Projektes» bezeichnete, erklärte den Versammelten den Ablauf der Anlage.

Die Energiezentrale wurde im Herzen der Brauerei Feldschlösschen erstellt. Gaby Gerber, Chefin Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung des grössten Bierbrauers der Schweiz, skizzierte die Anstrengungen des Unternehmens, umweltfreundlich zu produzieren. Und sich Ressourcen schonend in vielen Bereichen zu engagieren, wie im Wärmeverbund. Ihr Slogan «Wir brauen für ein besseres Heute und Morgen» beeindruckte auch die geladenen Gäste.

Rheinfelden hat führende Rolle

Stadtammann Franco Mazzi markierte den Begriff «Energiestadt» und deutete auf die regenerative Stromerzeugung: «Unsere Kraftwerke Neu-Rheinfelden und Ryburg-Schwörstadt produzieren 25 Prozent der Kraftwerksleistungen am Hochrhein für etwa 380 000 Haushalte.» Sein Blick zurück in die Geschichte: «Nicht immer war man in Rheinfelden offen für neue Energietechnologien, man wehrte sich gegen ein Öl-Kohlekraftwerk und später gegen ein AKW in Kaiseraugst.»

Dann sei ein Umdenken in Richtung erneuerbarer Energien erfolgt, beispielsweise mit dem Holzwärmeverbund Engerfeld. Oder: Augarten und Weiherfeld werden aus der Abwärme der Kläranlage versorgt. Die Industrieabwärme aus der Salzproduktion der Saline wird fürs Gesundheitszentrum Fricktal, Reha-Klinik, Sole Uno sowie die Schulanlage Robersten genutzt. «Mittlerweile dürfen wir behaupten, dass Rheinfelden eine führende Rolle in Sachen Wärmeverbund einnimmt», so Mazzi.

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