Innovative Bauern
Diese Biobauern wissen, wie die Trauben richtig süss werden

2005 begannen drei Biobauernfamilien im Schenkenbergertal, alte Reblagen zu reaktivieren und neue Reben zu pflanzen. Das Resultat: Biologische Tafeltrauben, die man sonst im Aargau so schnell nicht wieder findet.

Barabara Vogt
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Die Kulisse an diesem Nachmittag ist perfekt: Der Rebbau von Vincenzo Di Giovanna in Kaisten hängt voller blauer und weisser Trauben. Mitten in der Reblage steht ein Tisch mit Sauser und Kuchen darauf. Doch die Hauptakteure sind die süssen Früchte, von denen die Besucher nur allzu gerne kosten.

Vor sieben Jahren fanden sich die Bauernfamilien Stadler und Brechbühl vom Hof Kasteln in Oberflachs und Jegge vom Berghof in Kaisten sowie Vincenzo Di Giovanna aus Kaisten mit der Idee, gemeinsame Bio-Tafeltrauben für den regionalen Markt zu produzieren. «Wir suchten alle nach neuen Betriebszweigen», sagt Bruno Stadler. Auch wollten die Biobetriebe ein Produkt auf den Markt bringen, das es im Aargau, ja in der deutschen Schweiz, bisher noch nicht gab. «Frisches Qualitätsprodukt, kurze Transportwege und regionale Nischenprodukte werden für den Kunden immer wichtiger.»

Von August bis November gibts frische Bio-Trauben

Mit Herzblut pflegen die drei Landwirte ihre anspruchsvollen Kulturen und probieren immer wieder neue Züchtungen aus. Es vergeht beinahe kein Tag, den sie nicht in ihren Rebbergen verbringen, und während der Ernte sind alle Hände Verwandter und Bekannter gefragt. «Wir freuen uns immer auf die ersten Trauben, am Schluss mögen wir sie nicht mehr sehen», witzelt Stefan Jegge.

Die Sortenvielfalt in den drei Rebhügeln ist gross. Dadurch können die Bauern von Mitte August bis Anfang November frische Bio-Trauben anbieten: Muscat Bleu schmeckt durch ihr süsses-fruchtiges Aroma, Osella hat knackige Beeren, Fanny begeistert mit einem milden Aroma und Solaris ist als frühe Süsse bekannt.

Bis zu 11 Tonnen Trauben ernten die drei Betriebe pro Saison. Die Bio-Partner Schweiz AG aus Seon ist Hauptabnehmerin der Tafeltrauben. Auch in Dorfläden und bei Marktfahrern werden die süssen Früchte angeboten. Mit Erfolg. Dies mache der Kontakt zu den Kunden aus, sind die drei Unternehmer überzeugt. Regelmässig führen sie Degustationen durch oder laden zu Tagen der offenen Türen.

Bei Vincenzo Di Giovanna, der italienische Wurzeln hat, führt dies zu lustigen Begebenheiten: «Mich fragen die Leute immer wieder, ob ich die Trauben aus Italien mitgebracht habe. Doch die Besten kommen aus dem Aargau.»