15 Jahre lang waren Filippo und Francesca (Namen geändert) ein Paar, wurden Eltern von zwei Kindern. Doch immer wieder kriselte es in der Ehe. Seit rund zwei Jahren leben die beiden getrennt. Am Dienstag trafen sie sich vor dem Bezirksgericht Laufenburg wieder – ohne sich allerdings zu Gesicht zu bekommen. Bei der Befragung von Francesca musste Filippo den Gerichtssaal verlassen.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Filippo der Vergewaltigung, der sexuellen Nötigung, wiederholter Drohungen, Tätlichkeiten und Beschimpfungen, des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage und des Fahrens in alkoholisiertem Zustand.

Mehrfach habe er sie zu Oralsex und Geschlechtsverkehr gezwungen, sagte Francesca aus. Ihr Mann habe sie jeweils im alkoholisierten Zustand beschimpft und bedrängt. «Ich stand unter psychischem Druck. Ich hatte und habe immer noch Angst», erklärte Francesca vor Gericht. Zur Illustration führte sie eine Whatsapp-Statusmeldung Filippos vom Wochenende an: «Am 5. Juli (der Tag der Gerichtsverhandlung, Anm. d. Red.) beginnt dein schlimmster Albtraum», hiess es da unter anderem.

«Ich war von ihm abhängig»

Letztlich habe sie sich jeweils unter Tränen gefügt. «Ich wusste, dass es nichts bringt, wenn ich mich wehre und ich wollte nicht, dass die Kinder aufwachen», so Francesca. Auf die Frage, weshalb sie ihren Mann nicht früher verlassen oder angezeigt habe, antwortete sie: «Ich war abhängig von ihm. Es war wie eine Sucht.»

Deshalb sei es auch nach der Trennung noch «zwei-, dreimal» zu sexuellen Kontakten gekommen. Und: «Wenn er trocken war, war es gut. Er hat mir dann Hoffnungen gemacht, dass alles besser wird. Mit Alkohol war er für mich wie ein Teufel.»

«Bin aus allen Wolken gefallen»

Filippo seinerseits gab die Beschimpfungen zu, betonte aber, dass diese gegenseitig gefallen seien. Auch die Drohungen gestand er. «Ich bin ein ‹Tubel› und bringe mich damit in Schwierigkeiten», so Filippo.

Die sexuelle Nötigung und die Vergewaltigung aber bestritt er vehement. «Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich die Anschuldigungen hörte. Es gab nie Gewalt», sagte er. Und: «Vor zwei Jahren wollte Francesca mir Spielsucht anhängen, jetzt ist sie noch einen Schritt weiter gegangen.»

Sein Anwalt kämpfte ebenfalls gegen den Vergewaltigungsvorwurf. Damit eine Vergewaltigung vorliege, brauche es «eine hohe Intensität des psychischen Drucks», strich der Verteidiger heraus. Dies sei nur mit der Angst vor dem Aufwachen der Kinder nicht gegeben. Filippo betonte auch, dass es nach der Trennung «noch mehr als 20 Mal» zu Sex gekommen sei. Auch das spreche gegen eine Vergewaltigung, so sein Anwalt.

Dementsprechend plädierte er «in dubio pro reo» für Freispruch in den Anklagepunkten Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Nötigung und Fahren in alkoholisiertem Zustand. Für die übrigen Anklagepunkte sei eine bedingte Verurteilung zu 360 Stunden gemeinnütziger Arbeit angemessen.

Die Staatsanwaltschaft dagegen forderte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren, davon ein Jahr unbedingt. Die Anwältin von Francesca forderte darüber hinaus eine Genugtuung in der Höhe von 15'000 Franken und die Übernahme der Therapiekosten ihrer Mandantin. Das Gericht unter dem Vorsitz von Beat Ackle sprach am Dienstag kein Urteil. Es wird später eröffnet.