Murg (D)
Die zwei deutschen Soldaten gehen auf eine 50-Meter-Reise

Das 20 Tonnen schwere Kriegerdenkmal im deutschen Murg, das an den Ersten Weltkrieg erinnert, wurde am Donnerstag versetzt. Nach 76 Jahren blicken die zwei Soldaten vom neuen Standort aus in eine andere Richtung.

Michael Gottstein (Badische Zeitung)
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Mit vereinten Kräften zum neuen Sockel.
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Die zwei deutschen Soldaten gehen auf eine 50-Meter-Reise
Gut eingepackt: Die beiden Soldaten werden für die Reise mit zwei Dutzend Balken und sechs Spanngurten stabilisiert.

Mit vereinten Kräften zum neuen Sockel.

Winfried Dietsche/Südkurier

Es ist vollbracht: Die beiden Soldaten des Murger Kriegerdenkmals haben ihre 50 Meter lange Reise heil überstanden und stehen nun, um 90 Grad gedreht, auf dem neuen Sockel nordwestlich der Murgtalschule. Ein Kamerad blickt auf den alten Standort, der andere gen Osten auf den im Bau befindlichen Sport- und Spieleparcours.

Die Versetzung des 1938 von dem Freiburger Bildhauer Hugo Knittel errichteten Denkmals war bis zuletzt von Unwägbarkeiten überschattet, weshalb der Restaurator und Steinmetz Johannes Abel gestand, einige unruhige Nächte verbracht zu haben, nachdem ihm Stefan Kammerer vom Bauhof zur geglückten Arbeit gratuliert hatte. Man wusste nämlich wenig über das Innenleben der aus sechs Formteilen zusammengefügten Kolosse.

Mit dem Tieflander transportiert

Am Donnerstag befestigten die drei Mitarbeiter der Firma Abel zwei T-Träger an den äussersten, über den Sockel herausragenden Rändern der Betonplatte. Als Kranführer Bernhard Lütte von der Firma Zimmermann das 20 Tonnen schwere Denkmal anhob, wurde es spannend, denn man wusste nicht genau, ob die Erbauer die Platte zur Erhöhung der Biegungssteifigkeit mit Eisen verstärkt hatten. Glücklicherweise hielt die Platte dem gewaltigen Druck stand, und so konnten die Fachleute dicke Holzbalken unterlegen.

Das Denkmal wurde wieder abgesetzt und die T-Träger nach innen, genau an die markierten Stellen, verschoben. Am neuen Sockel waren nämlich die Rillen für die T-Träger ausgespart worden, und da mussten die Träger zentimetergenau sitzen. Anschliessend hob der Kran das Denkmal auf einen Tieflader, der seine Fracht zum neuen Standort fuhr. Mit Seilen bugsierten die Experten das Monument in die richtige Position, und der Kranführer senkte sie Zentimeter für Zentimeter ab. Mit letzten Feinarbeiten sorgten die Restauratoren dafür, dass das Denkmal auch völlig gerade auf dem neuen Sockel zu stehen kam.

Die Versetzung wurde von Radio und Fernsehen aufgezeichnet, und da das Wetter einigermassen schön war, kamen auch einige Zuschauer, aber von einem Massenauflauf konnte nicht die Rede sein. Das änderte sich, als während der grossen Pause die Schüler an den Bauzaun stürmten. Offenbar haben sie ein recht entspanntes Verhältnis zur 30-er-Jahre-Ästhetik, denn auf die Frage, wem denn das Denkmal gefalle, schnellten alle Finger der Fünft- und Sechstklässler in die Höhe. Die elfjährige Duygu nimmt gar keinen Anstoss an dem von manchen Kritikern bemängelten martialischen Ausdruck, und in der Grösse sieht sie einen Vorteil: «Man kann darauf herumklettern.»

Da das Denkmal an einigen Stellen mit Flechten überwachsen ist, muss es gereinigt werden. Die verwitterten Namenstafeln werden erhalten. Zusätzlich wird eine neue Tafel angebracht, auf der die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs aufgeführt sind.