Gansingen
Die Zigeunersippe hat den Steinbruch Röt in Gansingen verlassen

Nach acht geplanten und zwei Zusatzvorstellungen mit je 400 Besucher hat die Zigeunersippe den Steinbruch verlassen: Am Mittwoch verschwinden die letzten Bauten vom Freilichttheater sMarei.

Susanne Hörth
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Loderndes Feuer im Steinbruch Röt
8 Bilder
Am Mittwochabend ist von all diesen Bauten nichts mehr zu sehen
Auch die Wege zur Theaterdurchführungsort müssen abgebaut werden
Die Zigeunersippe hat den Steinbruch Röt in Gansingen verlassen
OK-Präsident Thomas Leu mit Helferin beim Abbau
Der Schauplatz wird wieder zum bewirtschafteten Steinbruch
Die sMarei-Hexenbesen haben ausgedient
Die Theaterleute brauchen beim Abbau auch Pausen

Loderndes Feuer im Steinbruch Röt

Manuerl Hörth

Das Freileichtspektakel «sMarei» im Steinbruch Röt in Gansingen ist rein optisch Vergangenheit, Fast. Denn heute Mittwoch wird noch die 400 Personen fassende Freilichtbühne abgebaut. Danach steht der Steinbruch dem Besitzer André Obrist wieder zur 100-prozentigen Bewirtschaftung zur Verfügung.

Noch am Samstagabend begeisterten die Laienschauspieler der Theatervereine Gansingen und Hottwil mit der tragisch schönen Geschichte vom Bauernmädchen Marei und dem Zigeunermann Jubbiten ihr Publikum. Am Sonntag standen sie mit vielen weiteren Helfern schon wieder im Einsatz.

«Wir haben mit einem Gewalteinsatz aller verfügbaren Kräfte fast alles abgeräumt», so OK-Präsident Thomas Leu. Rückblickend auf das Abenteuer Freilichttheater im Steinbruch sagt er: «Es war ein Wagnis, aber ein kalkulierbares. Ich wusste von Anfang an, dass auf die beteiligten Leute Verlass ist.» Die beiden Vereine seien es gewohnt, für das Theater alles zu geben.

Das Fazit von Leu lautet: «Es lohnt sich, unmögliches Scheinendes zu wollen, gemeinsam anzupacken und zielstrebig zu erreichen. Im Mettauertal ist das möglich. Hier wohnen viele tolle Leute.»

«Kein Abenteuer»

Ähnlich tönt es von Thomas Senn, Drehbuchautor. «Ein Abenteuer oder ein Wagnis war das Ganze für mich eigentlich nie, sofern die Spielleiter die Akteure entsprechend motivieren könnten, die Sache mit Eifer und Respekt vor der Natur anzupacken.»

Dass sie dem hochgesteckten Ziel sehr nahe gekommen seien, sei unter anderem ein Verdienst von Chorleiter Urs Erdin und der Choreografin Katharina Schmid. Beide hätten sehr hohe Anforderungen an die Akteure gestellt. Sehr positiv äussert sich Senn zu der bestens funktionierenden Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern beider Theatervereine.

Er sagt: «Besonders gut fand ich jeweils die Anregungen, die von der Spielerseite kamen. Jeder Akteur hatte auf seinem Posten oft eigene, nur ihn, für sie betreffende Probleme zu bewältigen, die von der Spielleitung nur andeutungsweise vorgegeben werden konnten. Hier wurden die Spieler selber kreativ. So konnte man im Lauf der Vorführungen dauernd leichte Veränderungen feststellen, die dem Ganzen gut taten.»

Dem Lob von Thomas Leu und Thomas Senn an alle «sMarei»-Beteiligten schliesst sich Regisseur Robi Oeschger in jeder Hinsicht an. Er weiss aber auch, dass die aufwendige Inszenierung viele Akteure an die Grenzen des Zumutbaren hat stossen lassen. Jeder Einzelne habe neben Beruf, Schule und Familie Grosses geleistet.

«Einige von uns lernten sogar Singen und Tanzen, Klettern und Abseilen, übten sich im Umgang mit Scheren und Messer schleifen und vielem mehr», erklärt Oeschger. Er ist überzeugt, der grosse Aufwand habe sich gelohnt. Die vielen Komplimente, der stürmische Applaus, die persönlichen Kontakte und Freundschaften sei unbezahlbar und würden ganz sicher allen Beteiligten tiefe Eindrücke hinterlassen.

4 Jahre und 10 Aufführungen

2008 hat der Gansinger Musiker Urs Erdin anhand einer Gansinger Sage sein Komponistendiplom gemacht. Thomas Senn schrieb das dazugehörende Drehbuch und passte Handlungen des Stückes dem speziellen Spielort, dem Steinbruch Röt an. Seither sind unzählige Stunden, Tage und Wochen mit Vorbereitungen, Planungen, Proben, Bereitstellen der Infrastrukturen (aufwendige Bauten, Licht- und Tontechnik und vielem mehr) vergangen.

Nach acht geplanten und zwei Zusatzvorstellungen mit je 400 Besucher hat die Zigeunersippe nun den Steinbruch verlassen, im Dorf kehrt Ruhe ein und die Hexen überlassen das Bestimmen des Heute und Morgen wieder den Gemeindeverantwortlichen. OK-Präsident Thomas Leu bringt es mit der Aussage von Seher-Darsteller Beda Denkinger auf den Punkt: «sMarei war eine Sage, wurde lebendig und ist nun Geschichte.»

Eine Geschichte, die bei allen Beteiligten wie auch den 4000 Zuschauern noch lange in Erinnerung bleiben wird.