Wittnau

«Die Zeit ist noch nicht reif»: Mobility-Auto der Gemeinde steht vor dem Aus

Die Nutzung des Autos des Carsharing-Anbieters Mobility läuft nicht so, wie gewünscht. (Symbolbild)

Die Nutzung des Autos des Carsharing-Anbieters Mobility läuft nicht so, wie gewünscht. (Symbolbild)

Das Carsharing-Angebot der Gemeinde Wittnau wird kaum genutzt. In diesem Jahr wurden erst knapp 900 Kilometer zurückgelegt.

Für den roten VW Golf, der seit Beginn des Jahres 2017 an der Wittnauer Schulstrasse steht, könnte es sich bald ausgerollt haben. Die Nutzung des Autos des Carsharing-Anbieters Mobility läuft nicht so, wie gewünscht, sagt Gemeindeammann Andreas von Mentlen. «Wenn sich die Nutzung in den nächsten drei Monaten nicht deutlich erhöht, werden wir den Vertrag mit Mobility per Ende 2018 auflösen», sagt er. Dies sei der frühestmögliche Zeitpunkt für eine Vertragskündigung – der Gemeinderat hat in den Verhandlungen mit Mobility die Mindestlaufzeit von drei auf zwei Jahre heruntergedrückt.

Die Nutzerzahlen des Carsharing-Angebotes sprechen Bände: Lediglich etwa zehn Einwohner aus Wittnau haben ein Jahresabonnement gelöst, das sie berechtigt, das Auto zu nutzen. Im Jahr 2017 wurden mit dem Auto 3914 Kilometer abgespult, vom 1. Januar 2018 bis dato lediglich 879 Kilometer. «Wir sind davon ausgegangen, dass die Nutzung des Angebotes mit der Zeit steigen würde. Das Gegenteil ist der Fall», sagt von Mentlen. Obwohl das Angebot ökologisch Sinn mache, wolle man kein Geld verbrennen.

So trägt die Gemeinde durch die Nutzung des Mobility-Autos eine Defizitgarantie von 14 000 Franken pro Jahr, die sich erst ab einer Laufleistung von jährlich 10 000 Kilometern verringert. Für das erste Jahr musste die Gemeinde jedoch nur ein Defizit von 6000 Franken tragen, weil laut von Mentlen zwei Organisationen der Gemeinde beim Projekt finanziell unter die Arme gegriffen haben.

Gemäss Mobility-Sprecher Patrick Eigenmann fehle in ländlichen Regionen, vor allem in Orten mit unter 5 000 Einwohnern – Wittnau hat rund 1100 Einwohner –, oft die Nachfrage, um Mobility-Fahrzeuge auszulasten. «Hier hat das Auto weiterhin einen hohen Stellenwert, weil es die nötige Alltagsmobilität sicherstellt», sagt er.

«Die Zeit ist noch nicht reif»

Dass das private Auto auf dem Land einen hohen Stellenwert hat, war auch dem Gemeinderat vor der Einführung des Angebotes bewusst: «Ökologische Aspekte spielten damals bei der Entscheidung mit. Zudem wollten wir als kleine Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen», sagt von Mentlen.

Auch, dass damals einige Einwohner das Carsharing-Angebot stark befürworteten – «schlussendlich machten sie von diesem aber kaum Gebrauch» –, spielte bei der Einführung des Angebotes eine Rolle. «Für Carsharing ist die Zeit auf dem Land anscheinend noch nicht reif», so von Mentlen. Dies, weil fast jeder sein eigenes Auto vor der Haustüre stehen habe und viele für ein Mobility-Auto ein wenig zu bequem seien.

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