Fricktal
Die Wildsäue zerstören die Jagd- und Bauern-Idylle

Weil der Kanton einige Jäger wegen Wildschweinschäden zur Kasse bitten will, um sich und betroffene Landwirte finanziell zu entlasten, entbrannte ein Sturm der Entrüstung.

Peter Rombach
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Im unteren Fricktal, insbesondere im Gemeindebann von Olsberg, richten Wildschweine grosse Schäden an.

Im unteren Fricktal, insbesondere im Gemeindebann von Olsberg, richten Wildschweine grosse Schäden an.

Rolf Jenni

Der Vorwurf, die Waidmänner hätten in jüngster Vergangenheit nicht genug Sauen geschossen, wird energisch zurückgewiesen. Die Jagdgesellschaft für die Reviere Olsberg Nord und Rheinfelden West versteht die Welt nicht mehr und löste sich spontan auf, nachdem Aarau eine rote Karte gezeigt hatte.

Dass die Wildschweinpopulation in den vergangenen Jahren im Fricktal stark angewachsen ist, davon können Landwirte vor allem in der Region um Rheinfelden ein Lied singen. Allein in den genannten Revieren sollen sich laut Expertenschätzungen gegen 500 Schwarzkittel tummeln. Dass die Jäger eifrig schiessen, um den Bestand zu dezimieren, bestätigen sogar Aussenstehende.

Hansruedi Meier aus Rheinfelden, ein leidenschaftlicher Wildbeobachter und als Freund der Jäger bei vielen Ansitzen dabei, spricht gegenüber der Aargauer Zeitung von «ungerechtfertigten Vorwürfen und Beschuldigungen» seitens der Jagdverwaltung des Kantons und nennt explizit Thomas Stucki. «Bei 162 Abschüssen inklusive Fallwild in 14 Monaten im Revier Berg kann nicht von faulen Jägern gesprochen werden.»

Meier attestiert ihnen «waidmännisches Verhalten» und verweist auf «stundenlange Einsatzbereitschaft» bei Wind und Wetter, um Wild und Revier zu hegen und zu pflegen. «Die sind alle ihren jagdlichen Pflichten nachgekommen.» Hansruedi Meier bezweifelt, dass das kantonale Vorgehen gegenüber der Jagdgesellschaft «fair und der Situation angemessen war».

In der Diskussion dieser Tage flammte immer wieder der Konflikt zwischen Jägern und Landwirtschaft auf, wobei den Bauern deutlich vorgeworfen wird, sie würden ihre Kulturen nicht ausreichend gegen Wildschweine schützen und ihnen mit Maisanbau geradezu den Tisch fürstlich decken.

Nach vorliegenden Informationen soll es auch darum gehen, die Jagdgesellschaft Berg auszubooten, um die beiden Reviere seitens des Kantons anderweitig verpachten zu können. Die Waidmänner jedenfalls weigern sich, im jetzigen Stadium irgendwelche Erklärungen öffentlich abzugeben, weil sie Intrigen wittern.

«Wir haben seit vielen Jahren ein sehr gutes Verhältnis zur Jagdgesellschaft und ihren Mitgliedern», versichert der Rheinfelder Landwirt Oskar Roduner und hält es für notwendig, dass die Landwirtschaft selbst auch Schutzmassnahmen ergreift. «Der Kanton will nicht zahlen, obwohl die Wildsauschäden minimiert werden konnten.»

Dass es zur Eskalation kam, versteht er nicht. Roduner vermutet eher «Opposition einiger Berufskollegen». Nach wie vor hält er aus seiner Erfahrung heraus einen Dialog zwischen Jägern und Bauern für notwendig, um die Wildsauproblematik auch im Revier Berg noch besser zu beherrschen.

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