Die Sonne ist gerade über dem Zeiningerberg aufgegangen und strahlt jetzt durch die grünen Blätter der Reben am steilen Hang. Zwischen den Rebstöcken sind rund ein Dutzend Helfer dabei, Trauben zu lesen. Die «Wümmet» – oder das «Herbsten», wie man hier im unteren Fricktal sagt – hat diese Woche begonnen. Im Rebberg der Familie Jeck ist es der Riesling Silvaner, der bereits lesereif ist. Wohl ab der kommenden Woche können auch andere Sorten abgelesen werden.

«Wir sind einige Tage früher dran als in anderen Jahren», sagt Winzer Daniel Jeck. Allerdings ist es kein Rekord: Durch die Trockenheit habe das Wachstum und die Reifung der Trauben etwas länger gedauert, erklärt Jeck, ausgebildeter Weintechnologe sowie Meisterlandwirt. Wie für die meisten Pflanzen war der diesjährige Sommer auch für die Rebstöcke etwas stressig. Die jüngeren Rebstöcke mussten gar gewässert werden. «Insgesamt aber hatte die Trockenheit und Hitze einen positiven Einfluss», betont Jeck.

Der Hitze aus dem Weg gehen

Das zeigt ein Blick an die Rebstöcke. Jeck greift eine Weintraube, zwackt sie mit der Rebschere vom Stock und hält die Beeren ins Sonnenlicht. «Sie haben einen wunderbaren Gelbstich und leicht braune Bäckchen – ein Zeichen für den guten Reifegrad», sagt er. Jeck rechnet mit einer «hervorragenden Qualität» des Jahrgangs 2018. Vorausgesetzt, es geht nichts mehr schief. Hagel oder lang anhaltende Regenfälle könnten für Schäden und Fäulnis sorgen. Deshalb beobachtet Jeck die Wetterprognosen genauestens. «Wir sind immer froh, wenn die Trauben im Keller sind und nichts mehr passieren kann», sagt er mit einem Lachen.

Die sonnigen Tage sind ihm deshalb im Moment mehr als recht – auch wenn es im Rebberg dann anstrengend werden kann. Da kriegen die Helfer am eigenen Leib zu spüren, weshalb der Hang hier ein gutes Weinbaugebiet ist. Ein Thema ist deshalb in diesen Tagen auch der Sonnenschutz. Daniel Jeck hat sich mit Sonnencreme eingeschmiert, viele der Helfer haben Hüte oder Mützen auf dem Kopf. Ausserdem haben sie an diesem Mittwoch extra früher angefangen, weil es morgens noch kühl ist und die Sonne nicht direkt zwischen die Rebstöcke scheint. «So können wir die ganz heissen Stunden umgehen», sagt Käthi Jeck, Mutter von Daniel und ebenfalls im Betrieb der Familie tätig.

Insektenfrass wird entfernt

Für sie ist die Weinlese das «Dessert» nach dem anstrengenden Jahr. «Man pflegt das ganze Jahr die Reben und achtet darauf, dass es ihnen gut geht. Deshalb ist es schön, zu sehen, wie sich die Trauben entwickelt haben.» In diesem Jahr ist das augenfällig, es sind an den Trauben kaum Makel auszumachen. Wichtig sei, dass nur die schönen Trauben in den Eimern landen, erklärt Jeck.

Durch Fäulnis oder Insekten beschädigte Stellen könnten den Geschmack und die Farbe des Weines beeinträchtigen. Daniel Jeck instruiert seine Helfer jeweils vor Lesebeginn entsprechend. Aber: «Viele sind langjährige Helfer und wissen bereits, auf was es zu achten gilt.» Und in diesem Jahr ist es sowieso ein bisschen einfacher: «Fäulnis gibt es aufgrund der Trockenheit kaum. Nur etwas Wespenfrass haben wir», sagt der Winzer. Der aber ist mit der Rebschere schnell entfernt.

Die Helfer sind allesamt freiwillig hier. «Es sind Freunde, Bekannte, Familie», sagt Jeck. Viele kennen sich seit Jahren, sehen sich allerdings meist nur während den Wochen des «Herbstens». Geredet wird dann zwischen den Rebstöcken über alles – an diesem Morgen etwa über Jagdverbote, Eishockey-Schiedsrichter, Bauzonen und natürlich die Familie und das Leben. Gemeinsam wird «Zmittag» und «Zvieri» gegessen. Die Helfer geniessen die Ruhe hier oben am Rebberg, die Natur, draussen zu sein.

Grosse Erntemenge erwartet

«Die Stimmung unter den Helfern ist gut, sie machen das gerne», sagt Jeck. Das trifft ebenso auf ihn zu. Denn nicht nur die Qualität der Trauben stimmt, sondern auch die Quantität. «Wir mussten vor der Reifung sogar einige Trauben entfernen, um die Rebstöcke zu entlasten», sagt Jeck. Die grosse Erntemenge, fügt er an, «tut gut». Gerade nach dem letzten Jahr mit dem Frühjahrsfrost, als der Winzer beinahe einen Totalausfall zu beklagen hatte.