Es hat sich ausgeschlemmt: Heute am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Nach christlichem Brauch soll sich der Mensch nach der «sündigen» Fasnacht 40 Tage in Enthaltsamkeit üben und auf überflüssigen Genuss verzichten. Die AZ hat vier Geistliche befragt, wie sie es mit der Fastenzeit halten.

«Ich werde während der Fastenzeit auf Alkohol verzichten – mit Ausnahme der Sonntage», sagt Christian Edringer, christkatholischer Pfarrer in Möhlin. So gehörten die Sonntage als «Herrentage» nicht zur 40-tägigen Fastenzeit. Schwer fällt ihm dieser Enthalt nicht wirklich. «Nur, wenn ich mit meiner Frau abends zusammensitze oder es bei einem Anlass einen Apéro gibt, muss ich auf das Glas Weisswein bewusst verzichten.» Dafür schmecke der Wein nach einer Weile der Abstinenz umso besser.

Verzicht auf Tabak und Alkohol

Auch einige Mitglieder der Gemeinde verzichteten in der Fastenzeit auf Genussmittel wie Tabak oder Alkohol. «Das Aussetzen von Gewohnheiten, wie beispielsweise der Zigarette nach dem Essen, hilft einem, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen und allenfalls etwas zu ändern», sagt Edringer, der über die nächsten Wochen täglich eine Kerze neben einer Bibel anzündet, aus der er 15 Minuten im Stehen liest, bevor er sich an den Schreibtisch sitzt und sich an die Arbeit macht. «Das ist mein morgendliches Gebet», sagt er.

Diakon Thomas Frey, Leiter des Pastoralraums Laufenburg, sagt: «Bei mir kommt nichts Opulentes auf den Tisch.» Er und seine Frau wechseln sich mit dem Kochen ab. So wird in der Fastenzeit statt des Bratens vermehrt Gemüse und leicht verdauliche Kost aufgetischt. «Die Umstellung ist nicht schwer. Verhungern wird sicher keiner», so Frey.

Ein Priester schont die Umwelt

Der römisch-katholische Priester Hermann Kolly von der Pfarrei St. Nikolaus Herznach-Ueken wird wie auch die vergangen Jahre versuchen, die Umwelt zu schonen. «Ich werde während der Fastenzeit weniger Autofahren», sagt Kolly. So fährt er beispielsweise die neuen Programme für die Gottesdienste erst zu den Kirchen aus, wenn er im entsprechenden Ort einen Termin wahrnehmen oder eine Erledigung machen muss. «So spare ich mir schon eine Fahrt.» Dass es für ihn dieses Jahr etwas schwieriger sein dürfte, Kilometer einzusparen, kann Kolly nicht ganz verhehlen. «Ich muss zügeln», sagt er.

Darüber hinaus nimmt sich Kolly vor, weniger Papier zu verbrauchen. «Das, was man auch am Bildschirm lesen kann, muss man ja nicht unbedingt Drucken.» Einige der Gemeindemitglieder verzichteten während der Fastenzeit auf den Alkoholkonsum, weiss Kolly. «Dies sind vornehmlich Männer.»

«Ich schränke mich nicht ein»

In vielen reformierten Kirchgemeinden sei die Zeit vor Ostern im Sinne des Fastens und des Verzichtens weniger üblich, sagt Marc Zöllner, Pfarrer der Reformierten Kirchgemeinde Stein und Umgebung. So sagt er denn auch: «Ich schränke mich in diesem Jahr in der Fastenzeit nicht ein.» Auch, dass sich Gemeindemitglieder einschränken, ist ihm nicht bekannt. Dennoch findet in Wallbach unter Leitung von Zöllner ein ökumenischer Fastengottesdienst statt. «Im Anschluss gibt es ein einfaches Fastenmahl mit Brot, Wurst und Käse», sagt Zöllner.