Etzgen und Mettau
Die Wanderung der Grasfrösche hat begonnen

Zum Überqueren der Talstrasse benötigen die Tiere einen ganz besonderen Verkehrsdienst.

Michael Hugentobler
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Die Grasfrösche im Mettauertal haben ein schweres Los. Jeden Frühling begeben sie sich auf eine Wanderung, kommen von der einen Talseite herunter und gehen zur anderen Seite laichen. Dazwischen liegt aber die stark befahrene Talstrasse.

«Ohne uns gäbe es eine Sauerei», sagt Ruedi Bölle. Der pensionierte Bölle arbeitet ehrenamtlich für den Naturschutzverein «Güch» in Etzgen und Mettau. Er leitet eine Art Verkehrsdienst für Frösche, damit die Tiere unbeschädigt die Strasse überqueren und sich auf der anderen Seite vermehren können.

Mit von der Partie ist auch Heinz Steinacher, ebenfalls ein freiwilliger Helfer. Steinacher hält einen alten Malerkübel in der Linken, mit der Rechten hebt er Frösche vom Boden auf. «Ehrlich gesagt kostete es mich am Anfang einige Überwindung, die Tiere anzufassen», sagt er, «aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.»

Frösche folgen ihrem Instinkt

Jeden Frühling stellt der Kanton einen Froschzaun zu beiden Seiten der Talstrasse auf. Dort werden die Tiere gestoppt und sammeln sich in kleinen Gruppen. Bölle und Steinacher legen sie in Kübel und tragen sie auf die andere Strassenseite.

Die Grasfrösche folgen so ihrem Instinkt, weiss Steinacher: «Die Tiere sind äusserst intelligent. Jedes Jahr kommen sie zum Weiher, paaren sich, laichen, und einige Tage später wandern sie wieder zurück.» Knapp 900 Frösche haben die beiden Naturschützer in den letzten Tagen schon über die Strasse getragen. Sie schätzen, dass diesen Frühling über tausend Tiere von ihrem Verkehrsdienst profitieren.

Kälte stoppt die Wanderung

Präsident des Naturschutzvereins «Güch» ist Anton Erdin. «Angefangen hat die Froschwanderung vor zwei Wochen», sagt Erdin. Sobald die Tage wärmer werden, machen sich die Tiere auf den Weg. Tritt aber eine kalte Nacht ein, kommt die Froschwanderung zu einem abrupten Ende. In Jahren, in denen früh milde Temperaturen herrschen, können bis zu 1700 Frösche zum Laichen erscheinen.

Ihre Zahl ist einerseits von den Temperaturen abhängig, andererseits vom Wasserstand des nahen Baches, den die Tiere ebenfalls überqueren müssen. «Ein hoher Wasserstand bedeutete in den letzten Jahren immer mehr Frösche», sagt Bölle.

Den Rückweg müssen die Tiere ebenfalls antreten. Dazu dient ein Rohr, das unter der Strasse durchführt. Da das Rohr nicht ebenerdig in den Bach mündet, hüpfen die Frösche ins Wasser hinunter. Zurück können sie nicht. Aber nächstem Jahr werden die Männer vom Naturschutzverein wieder bereitstehen und den Tieren über die Strasse helfen.