Fricktal
Die Wahlen sind vorbei – aber nur für die nächsten 98 Tage

Seit Sonntag sind alle 162 Gemeinderatssitze im Fricktal besetzt. Eine Bestandesaufnahme – vor den ersten Rücktritten.

Thomas Wehrli
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Die Wahlen sind vorbei – für 98 Tage
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Neu gewählt: Olivier Mohler, Obermumpf.
Neu gewählt: Peter Schenk, Schwaderloch.
Tritt zurück: Rosmarie Bühler, Hornussen.

Die Wahlen sind vorbei – für 98 Tage

André Albrecht

Es ist geschafft: Am Wochenende konnten die beiden letzten vakanten Sitze in den Fricktaler Gemeinderäten besetzt werden. Olivier Mohler und Peter Schenk heissen die neuen Ratsmitglieder in Obermumpf und Schwaderloch. Damit sind sämtliche Sitze in den 32 Fricktaler Exekutiven besetzt – zumindest für einige wenige Wochen.

Denn der erste Rücktritt in der noch jungen, vierjährigen Amtsperiode ist bereits Tatsache: Rosmarie Bühler aus Hornussen räumt ihren Gemeinderatssitz aufgrund von «persönlichen Differenzen im Gemeinderat», sobald ein Ersatz gewählt ist. Das wird frühestens am 10. Juni, dem Tag der Ersatzwahl, der Fall sein.

Konkret begründet Bühler ihre Demission nur wenige Wochen nach Beginn der Legislaturperiode mit dem Graben zwischen ihr und anderen Ratsmitgliedern hinsichtlich der «ethischen und moralischen Vorstellungen, wie Geschäfte behandelt und Beschlüsse gefasst werden», wie sie bei ihrer Rücktrittsankündigung Ende Januar gegenüber der AZ sagte.

Damit verbleiben 98 Tage, in denen die Exekutiven vollzählig und in «Startbesetzung» tagen können – immer unter der Voraussetzung, dass bis zum 10. Juni kein Gemeinderat per sofort zurücktritt. Dies ist, das lehrt die Erfahrung, alles andere als selbstverständlich. Deshalb nutzt die AZ die Gunst der Noch-Nicht-Rücktritts-Stunde und bringt die Exekutive in Zahlen.

2 Tage.

Die beiden Amtsjüngsten, Olivier Mohler und Peter Schenk, sind seit Sonntag im Amt. Er wolle etwas für das Dorf machen, in dem er wohnt, begründet Schenk sein Engagement. «Ich will mitbestimmen, wie die Zukunft aussieht.»

Statt die Faust im Sack zu machen, wenn etwas nicht gut läuft, will er «lieber aktiv dazu beitragen, dass es gar nicht erst so weit kommt». Eine permanente Herausforderung für die kleineren Dörfer seien die Finanzen, so Schenk. «Es geht darum, die Zukunft zu sichern.» Ob diese Zukunft im Alleingang möglich ist, «ist eine Frage, die es zu klären gilt». Mohler war gestern telefonisch nicht erreichbar.

31 Fünfer-Gremien – und Mettauertal.

Insgesamt sind in den 32 Fricktaler Gemeinden 162 Gemeinderäte im Amt. 162? Doch, doch, die Zahl ist korrekt. Sie kommt so zustande: In 31 Gemeinden sitzen, wie im Aargau üblich, je fünf Gemeinderäte um den Ratstisch.

Macht summa summarum 155 Ratsmitglieder. Eine Gemeinde aber, Mettauertal, schert aus der Fünfer-Reihe aus. Hier wird zu siebt über Sein und Werden diskutiert. Diese höhere Kopfdichte ist der Fusion geschuldet; 2010 taten sich fünf Gemeinden im Mettauertal zu einer zusammen. Rechtlich ist dies kein Problem.

«Der Gemeinderat besteht aus Gemeindeammann, Vizeammann und weiteren 3, 5 oder 7 in der Gemeinde wohnhaften Mitgliedern», heisst es im Gemeindegesetz.

34 Neue.

Von den 162 Gemeinderäten sind Anfang Jahr 34 in ihre erste Amtsperiode gestartet. Damit liegt die Newbie-Quote bei 20,99 Prozent. Umgekehrt formuliert: Fast vier Fünftel der Bisherigen traten im letzten Herbst wieder an.

1 Abwahl.

In Zeiningen traten neben den drei Bisherigen Gisela Taufer, Ralf Wunderlin und Peter Frick drei Neue zu den Wahlen an. Es war deshalb klar: Für einen wird es nicht reichen. Die Überraschung war am Wahltag dann aber doch gross, dass mit Peter Frick ein Bisheriger über die Klinge springen musste.

Besonders bitter für den GLP-Mann, der 16 Jahre im Gemeinderat sass: Er erhielt nur eine einzige Stimme weniger als Alfred Studer, der neu ins Gremium einzog. Frick hat sich somit quasi selber abgewählt; er gab Studer seine Stimme, wie er der AZ damals sagte.

42 Frauen.

Auf 42 der 162 Gemeinderatssesseln sitzen Frauen. Damit liegt der Frauenanteil bei lediglich 25,93 Prozent – just gleich hoch, wie er zu Beginn der Legislaturperiode 2014/17 lag. Durch Rücktritte während der letzten Amtsperiode stieg der Frauenanteil bis Ende 2017 auf 27,78 Prozent.

Nun allerdings droht er, findet sich in Hornussen keine Kandidatin, vorerst weiter zu sinken. Wird in Hornussen als Ersatz von Rosmarie Bühler ein Mann gewählt, sinkt der Frauenanteil auf 25,31 Prozent.

8 neue Gemeindeammänner.

Jede vierte Fricktaler Gemeinde wird seit Anfang Jahr von einem neuen Gemeindeammann geführt: Stefan Grunder hat das Zepter in Eiken übernommen, Arpad Major in Kaisten, Bruno Tüscher in Münchwilen, Beat Käser in Stein, Andreas von Mentlen in Wittnau, Barbara Fricker in Wölflinswil, Gisela Taufer in Zeiningen und Daniel Hollinger in Zuzgen.

Der Frauenanteil bei den Gemeindeammännern liegt bei 18,75 Prozent; nur gerade 6 der 32 Kommunen werden von einer Frau geführt. In neun Gemeinden (28,13 Prozent) heisst es zudem: Frau Vizeammann. Beide Führungsämter sind nur gerade in einer Gemeinde in Frauenhänden: in Kaiseraugst. Als Gemeindepräsidentin amtet hier Sibylle Lüthi, als Vizepräsidentin agiert Françoise Moser.

1 Frauenmehrheit.

Nur gerade in einer Gemeinde, Wittnau, stellen die Frauen die Mehrheit der Gemeinderäte. Hier sitzen mit Anne-Marie Hänggi, Gertrud Häseli und Emily Oertelt drei Frauen in der Exekutive.

4 Grossräte.

4 der 162 Gemeinderäte politisieren gleichzeitig im Grossrat: Gertrud Häseli (Grüne, Wittnau). Kathrin Hasler (SVP, Hellikon), Franco Mazzi (FDP, Rheinfelden), Daniel Suter (FDP, Frick).

19 Amtsjahre.

Am längsten als Gemeindeammann amtet Roger Fricker. Der stets auf alle Seiten freundlich winkende Postautochauffeur, der für die SVP auch viele Jahre im Grossrat sass, leitet Oberhof seit 19 Jahren. Ebenfalls zu den Ammann-Sauriern zählen Peter Weber (Mettauertal) mit 13 Amtsjahren sowie Franco Mazzi (Rheinfelden) und Fredy Böni (Möhlin) mit je elf Dienstjahren.

Die drei haben zudem etwas gemeinsam: Sie zog oder zieht es nach Aarau. Mazzi ist aktiver Grossrat; Weber, ein Liberaler wie Mazzi, wäre gerne ins Kantonsparlament eingezogen, unterlag aber bei den Grossratswahlen gegen seinen Parteikollegen Daniel Suter; und Fredy Böni, Gemeindeammann von Möhlin, sass 20 Jahre lang für die SVP im Grossrat.