Seit Anfang Woche läuft die Vernehmlassung zur Aufnahme von vier Deponiestandorten – Herznach, Hornussen, Bözen und Wegenstetten – in den Richtplan. In die Standort-Suche involviert war der Planungsverband Fricktal Regio. Dessen Präsident Christian Fricker spricht im Interview über Widerstand, Entschädigungen an die Gemeinden und Missverständnisse in den Verhandlungen.

Die Vernehmlassung hat begonnen – sind Sie froh?

Durchaus, denn jetzt sollte es endlich mehr Klarheit geben. Es ist wichtig, dass sich die Öffentlichkeit und die betroffene Bevölkerung zum Vorhaben äussern können.

Klar ist aber schon jetzt, dass es auch kritische Meinungen geben wird.

Wir alle haben mitbekommen, dass sich in Teilen der betroffenen Gebiete Widerstand regt. Die Betroffenen haben das gute Recht, Kritik zu äussern.

Was sagen Sie denn zu den Kritikpunkten – etwa, dass der Aushub gar nicht aus der Region kommt?

Detaillierte Zahlen kenne ich nicht. Aber eines ist klar: Das Fricktal ist eine wirtschaftlich aktive Region mit hoher Bautätigkeit. Da fällt Aushub an. Und es ist ökologisch unsinnig, diesen Aushub weit in der Gegend herumzufahren. Daher bietet sich eine regionale Lösung an.

Wie können die Kritiker davon überzeugt werden?

Ein mitentscheidender Punkt wird wohl sein, wie die betroffenen Gemeinden für die Aushubdeponie entschädigt werden. Das ist Verhandlungssache. Wer eine regionale Last tragen muss, soll auch angemessen dafür entschädigt werden.

Also unterstützen Sie beispielsweise den Antrag Bözens, im Gegenzug für die Deponie den Autobahnanschluss Effingen zu einem Vollanschluss auszubauen?

Für mich ist das ein zweischneidiges Schwert. Ein Vollanschluss bringt mittel- und längerfristig Mehrverkehr. Die Region wird attraktiver, auch für weiteres Gewerbe abseits einer Aushubdeponie. Dessen muss sich die Gemeinde bewusst sein. Aber es ist sicher richtig, diese Fragen jetzt zu diskutieren – und alle Karten auf den Tisch zu legen.

Wird der Planungsverband versuchen, Einfluss auf die Vernehmlassung zu nehmen?

Inhaltlich sicher nicht, nein. Wir haben ein Interesse daran, dass eine breite Meinungsäusserung stattfindet. In der Sache aber sind wir neutral. Da wurde der Planungsverband in der Vergangenheit auch missverstanden.

Inwiefern?

Unsere Aufgabe bestand darin, mit dem Kantonsvertreter sicherzustellen, dass die Standortevaluation richtig durchgeführt wird. Deshalb war der Planungsverband in die Suche nach den Standorten involviert. Er hat aber einen Auftrag der Gemeinden zu erfüllen – wir wollen und müssen uns stets an ihren Gesamtinteressen orientieren. Die Bemühungen, zwischen den Parteien zu vermitteln, wurden teilweise so ausgelegt, als hätten wir für eine Seite Partei ergriffen. Das ist aber nicht so. Das würde unserer koordinativen Rolle des Vermittlers widersprechen.

Behalten Sie die Rolle des Vermittlers?

Im Moment können und sollen wir nichts unternehmen. Mit dem Antrag für den Richtplaneintrag ist unser Auftrag im Moment erfüllt. Der Ball liegt jetzt fürs Erste beim Kanton, bei der Regierung und beim Grossen Rat. Anschliessend kommen im Falle eines Richtplaneintrages die Gemeinden zum Zuge. Selbstverständlich stehen wir wieder zur Verfügung, wenn unsere Rolle als Vermittler gefragt sein sollte.