Gipf-Oberfrick
«Die Verlierer sind jene Familien, die auf Tagesstrukturen angewiesen sind»

Mit nur 6 Stimmen Unterschied wurde die Erweiterung der Tagesstrukturen abgelehnt: Es ging um die Einführung eines Vierstundenblocks für die erste bis fünfte Klasse.

Susanne Hörth
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Mit nur 6 Stimmen Unterschied wurde die Erweiterung der Tagesstrukturen in Gipf-Oberfrick abgelehnt (Symbolbild)

Mit nur 6 Stimmen Unterschied wurde die Erweiterung der Tagesstrukturen in Gipf-Oberfrick abgelehnt (Symbolbild)

Keystone

Das Gipf-Oberfricker Stimmvolk hat entschieden, wenn auch mit einem hauchdünnen Unterschied: am sonntäglichen Urnengang sagten 475 Nein zur Erweiterung der Tagesstrukturen. Konkret ging es um die Einführung eines Vierstundenblocks für die erste bis fünfte Klasse und der Ausbau der familienergänzenden Kinderbetreuung mit jährlichen Folgekosten von 135000 Franken. Mit nur 6 Stimmen weniger, also mit 469, wurde somit die gemeinderätliche Vorlage verworfen. Die Stimmbeteiligung betrug 41 Prozent.

Die Verlierer

Sehr enttäuscht über den Abstimmungsausgang zeigt sich Schulgemeinderat Jos Bovens. «Eine Chance zu verpassen, ist immer schade. Die Verlierer sind die Familien, die auf diese Tagesstrukturen angewiesen sind und die Schule, die jetzt weniger Spielraum haben wird bei der Unterrichtsentwicklung.»

Bovens bedauert, dass so viel Geschirr zerschlagen worden ist. «Einerseits, weil das Referendum das Dorf und damit auch die Schule bezüglich dem Thema Tagestrukturen gespaltet hat, andererseits, weil jetzt die Fortsetzung fehlt.» Ende Jahr endet in Gipf-Oberfrick die Pilotphase beim momentanen Hortangebot. Der gemeinderätliche Antrag hat grundsätzlich auf diesem Pilotprojekt basiert.

Sammelsurium an Gründen

In erster Linie habe das Referendumskomitee gegen den geplanten 4-Stunden-Block opponiert, so Jos Bovens. Er führt aus, dass eine ablehnende Haltung auch beispielsweise beim Finanzierungsbedarf vorhanden sei.

Dieser sei falsch, die Mehrkosten dadurch zu hoch, töne es von der Gegnerschaft. Weil sie grundsätzlich gegen familienergänzende Betreuung seien, hätten andere Stimmberechtigte ein Nein in die Urne gelegt. Andere wiederum sei die Vorlage zu wenig weit gegangen, von dieser Seite aus wurde eine grössere Abdeckung der Betreuungszeiten gefordert. «Es ist ein Sammelsurium von Beweggründen gegen einen Antrag, der grundsätzlich auf dem momentanen Pilotprojekt basiert.

Deshalb ist es keine Option für den Gemeinderat, einfach weiterzumachen wie bis anhin.» Jetzt gelte es, die Scherben zusammenzuwischen. «Dazu werden wir auch das Referendumskomitee in die Verantwortung nehmen. Man kann meiner Meinung nach nicht einen Antrag bachab schicken, Erneuerungen verhindern und danach einfach davonlaufen und die Sache als erledigt betrachten. Wir werden diesbezüglich natürlich das Gespräch suchen», so Bovens.

Das Referendumskomitee

Das Referendumskomitee für freiwilligen Hort/gegen obligatorische Blockzeiten zeigt sich am Sonntagnachmittag sehr erfreut über den Ausgang des Abstimmungskampfs. «Der Entscheid ist gegen die Empfehlung von Gemeinderat und Schulpflege zustande gekommen und bedeutet, dass die Stimmberechtigten von Gipf-Oberfrick weiterhin auf das bestehende freiwillige und günstigere Tagesstruktur-Angebot setzen und nicht zu obligatorischen Blockzeiten wechseln wollen.»

Klarer Auftrag an Gemeinderat

Erfreut zeigt sich das Komitee auch darüber, dass dank dem Referendum eine breite Diskussion im Dorf geführt worden ist. Sowohl der Abstimmungskampf, wie auch das sehr knappe Resultat würden zeigen, dass in Gipf-Oberfrick das bestehende gute Tagesstruktur-Angebot weiterhin gewünscht wird.

«Der Auftrag an die Exekutive ist deshalb klar: Sie ist aufgefordert, mit einem breit abgestützten Antrag an die Gemeindeversammlung das aktuelle Tagesstruktur-Angebot rechtlich korrekt bewilligen zu lassen», so das Komitee.