«Drei Sachen», sagt Max Horlacher, 86, zu Beginn des Gesprächs, «drei Sachen sind mir wichtig.» Er macht eine Pause, fügt dann mit Nachdruck an: «Ultrawichtig.» Es sind drei Träume seines Lebens. Drei Träume, die er erfüllen konnte: einen Military-Reitwettkampf zu bestreiten – und ein Flugzeug und ein Auto zu bauen.

Der schweizweit bekannte Tüftler, Designer und Elektroauto-Pionier hat seine Geschichte bestimmt schon mehr als einmal erzählt. Und trotzdem tut er es noch immer lebendig, mit Humor und geschmückt mit einigen Anekdoten. Jener etwa, wie er reiten lernen durfte, weil er mit einem bekannten Arzt befreundet war und dieser erkannt hatte, wie gut Horlacher mit Pferden umgehen konnte. Später nahm Horlacher an Military-Wettkämpfen teil und entwarf einen Parcours in Aachen. Es ist dies einer der erfüllten Träume Horlachers.

Ein anderer Traum begann, da war Max Horlacher noch keine fünf Jahre alt. An einem Flugtag in Möhlin, irgendwann in den 1930er-Jahren, sah er sie: Holzkonstruktionen, sogenannte «Zöglinge», ähnlich einem Besenstiel mit Flügeln, auf denen sich waghalsige Piloten von einer Art überdimensionaler Steinschleuder in die Luft befördern liessen. Wenige Meter hoch, einige Meter weit gingen die Flüge nur. Aber: Max war fasziniert.

Ein Flugzeug wie ein Velo

Der Traum vom Fliegen erfüllte er sich rund 50 Jahre später. Er baute ein Flugzeug aus faserverstärktem Kunststoff. Horlacher hatte in Möhlin mittlerweile seine eigene Firma gegründet; belieferte unter anderem den Eisenbahnbauer Schindler mit Kunststoffteilen, stellte Stühle und Fassadenteile her – die orangene Verkleidung der Raststätte in Pratteln etwa. Das muskelbetriebene Leichtbauflugzeug wog 46 Kilo und konnte sich mit einem veloähnlichen Tretmechanismus in die Luft erheben.

Horlacher erinnert sich an einen Testflug im Winter 1983. Im Cockpit sass ein Pilot, er selbst legte sich auf die eiskalte Startpiste, um es ja nicht zu verpassen, sollte der Flieger tatsächlich – wenn auch nur einige Zentimeter – abheben. Er hätte gar nicht so genau hinschauen brauchen: Das Flugzeug flog. Über einen Meter hoch, einige hundert Meter weit. «Nicht fliegen und 600 Meter weit fliegen sind zweierlei», sagt Horlacher. Der Traum war erfüllt – und führte gleich zum nächsten.

Der Gefallen des Ammanns

Kaspar Villiger, später Bundesrat, hatte das Flugzeug von Horlacher an einer Ausstellung gesehen und beauftragte den Tüftler mit dem Bau eines Fahrzeugs für das Sonnenenergie-Rennen «Tour de Sol». Horlacher erfüllte den Auftrag – mit Erfolg.

Er schmunzelt. Nicht etwa , weil er bei der Tour danach über Jahre die Nase vorne hatte, sondern, weil er sich eben an eine weitere Anekdote erinnerte: «Der damalige Gemeindeammann Franz Metzger hatte während eines langen Abends am Stammtisch versprochen, mir zu helfen, wenn Not am Mann ist», erzählt Horlacher. Der Ammann hielt Wort und organisierte ihm in aller Eile eine Bewilligung für die Solaranlage auf dem Dach seiner Firma – eine Voraussetzung für die Teilnahme an der Tour.

Über ein Dutzend Prototypen entstanden in der Folge in Horlachers Firma. Die meist eierförmigen Fahrzeuge sind mit ein Grund, weshalb Max Horlacher heute weltweit als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Elektroautos gilt. Sogar der damalige US-Präsident Bill Clinton liess es sich nicht nehmen, einmal eines der eierförmigen Horlacher-Fahrzeug zu testen. Noch heute verfolgt Horlacher die technischen Entwicklungen auf dem Gebiet genau, ärgert sich manchmal über die Engstirnigkeit einiger Politiker. «Ich habe mich nie vor unorthodoxen Ansätzen gefürchtet», sagt er. Es war wohl das Rezept, seine Träume zu erfüllen.