Ihr neues Wahlkampf-Sujet, ein von Würmern befallener Apfel, beschert der SVP derzeit viel Aufmerksamkeit – und noch mehr Kritik. Gerade auch, weil das Wurm-Sujet schon von den Nazis gebraucht wurde. Die Würmer, das zeigen die farbigen Ringe um ihre Körper, stehen für die EU sowie die anderen Parteien. Sie alle zerfressen die Schweiz, so die Message der Volkspartei, und zerstören damit Demokratie, Unabhängigkeit und Sicherheit.

Für Roger Fricker muss Kampagne plakativ sein

Hinter die Kampagne stellt sich Roger Fricker, Gemeindeammann von Oberhof und ehemaliger Grossrat. «Wenn man in der Öffentlichkeit wahrgenommen und gehört werden will, muss man plakativ sein», ist er überzeugt. Die Kampagne zeige klar, wo der Schuh drücke. Dass man nun primär über das Sujet und nicht über die Botschaften dahinter rede, ärgert ihn. «Es ist hinterlistig von den anderen Parteien, vor den Wahlen nicht über die Inhalte reden zu wollen.»

Ob das Sujet an Nazi-Propaganda erinnert, kann Fricker nicht beurteilen. Wenn es Ähnlichkeiten habe, «hätte man gescheiter ein anderes Sujet gewählt», findet er. Was ihn jedoch ärgert, ist die «Nazikeule», wie er es nennt, die der SVP hier einmal mehr entgegenschwappe. «Die Vorwürfe werden dadurch nicht wahrer.» Ihn stört auch, dass die Medien die SVP immer mit rechten Vorwürfen eindecken und Aufarbeitung verlangen, von der SP jedoch keine Rechenschaft über ihre langjährigen Sympathien mit kommunistischen Regimes erwarten.

Sujet «schlicht unnötig und niveaulos»

Gänzlich anders als Fricker beurteilt Grossrat Daniel Vulliamy aus Rheinfelden die Kampagne. Als er das Sujet zum ersten Mal sah, «schüttelte ich nur den Kopf. Ich weiss nicht, was sich die Strategen dabei gedacht haben.» Die SVP als grösste Partei hat seiner Ansicht nach andere und bessere Möglichkeiten, ihre Botschaften zu transportieren.

Vulliamy wird noch deutlicher: Dieses Sujet «lehne ich als Mitglied der SVP ebenso wie als Grossrat entschieden ab». So gehe man in der Demokratie auch nicht mit anderen Parteien um. Zudem trage das Sujet nichts dazu bei, dass die SVP aus den negativen Schlagzeilen komme. Gerade dies hält der Rheinfelder aber für eine vordringliche Aufgabe. «Die SVP hat mehrere Baustellen, und da braucht es nicht noch so eine Kampagne.»

Für Vulliamy ist das Sujet «schlicht unnötig und niveaulos». Man sei damit wieder auf einer Stufe angelangt, auf der die Partei schon einmal war. «Leider», fügt Vulliamy an.

Etwas dezenter fällt die Kritik bei Grossrat Christoph Riner aus Zeihen aus. «Ich selber hätte für den Inhalt, den das Plakat vermitteln will, ein anderes Sujet gewählt.» Auch sei es «ungeschickt und ungut», wenn das Sujet Ähnlichkeiten mit Nazi-Propaganda habe.

Christoph Riner kommt es auf die Inhalte an

Man müsse nun aber auch nicht wochenlang über das Sujet diskutieren, findet Riner, es gehe schliesslich um die Inhalte – und hinter die kann sich der Zeiher stellen. Schliesslich seien Plakate auch dazu da, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. «Das zumindest gelingt diesem Plakat ja auch.»

Ähnlich sieht es Grossrätin Désirée Stutz aus Möhlin. «Der Inhalt ist gut, aber man hätte ihn mit einem anderen Sujet umsetzen sollen.» Sie hätte es «wohl anders gemacht». Die Botschaft jedoch, dass die anderen Parteien die Schweiz verkaufen, teilt sie. Wenn man das EU-Rahmenabkommen so unterschreibe, wie es vorliege, bedeute dies, dass man die direkte Demokratie letztlich aufgebe, ist die Juristin überzeugt. Als «provokativ» bezeichnet Grossrätin Tanja Primault-Suter aus Gipf-Oberfrick das Plakat. «Als Wahlkampfsujet polarisiert es und regt zum Diskutieren an», findet sie. Themen wie das EU-Rahmenabkommen seien für die Zukunft der Schweiz zentral und es sei deshalb wichtig, dass sich die Menschen damit beschäftigen. Sie hofft, dass das Plakat auch Menschen, die sonst nicht sehr politisch unterwegs sind, zum Nachdenken anregt.