Zuckerrüben
Die Stafette zwischen Feldmaus und Bahnratte

Die Zuckerrüben-Ernte hat im Fricktal begonnen. Der Verlad auf die Eisenbahnwagen in Stein und Möhlin im findet zwischen November und Dezember statt.

Walter Christen und Katja Landolt
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Ein Traktor ruckelt heran, bremst. Kaum steht er, poltern die ersten Zuckerrüben in den Anhänger. Der Bauer springt aus dem Fahrerhäuschen des Traktors. «Fünf Minuten, höchstens», sagt er. «Länger dauert es nicht, bis der Anhänger bis obenhin mit Zuckerrüben gefüllt ist.» In vielen Fricktaler Gemeinden beginnt in den nächsten Tagen der Traktorenverkehr zu den Verladestationen in Stein und Möhlin. Die Zuckerrüben-Ernte hat begonnen: Landwirte lagern die Ernte in riesigen Haufen auf den Feldern, bis sie die Rüben auf die Bahn bringen können.

«Bis der Verlad erfolgt, müssen wir die Rüben vor Frost und Feuchtigkeit schützen, indem wir sie zudecken», erklärt Landwirt und Stadtrat Beni Weiss aus Laufenburg der AZ. Eine andere Variante ist die, dass die Rüben so lange wie möglich noch im Boden bleiben und erst kurz vor dem Transport geerntet werden. «Ich hole meine Rüben, die ich auf einer Fläche von 3,5 Hektaren angesät habe, erst gegen Ende Oktober aus dem Boden. Denn wir vom oberen Fricktal müssen sie nach Stein bringen, während die Kollegen aus dem unteren Fricktal die Rüben am Bahnhof Möhlin verladen. Bis vor einigen Jahren bestand für uns auch in Frick eine Verlademöglichkeit. Jetzt wurde dies im Bahnhof Stein zentralisiert.» Dort kann vom 18. November an an bestimmten Tagen verladen werden bis zum 2. Dezember. «Es sind jedes Mal 18 bis 22 Eisenbahnwagen, die mit Zuckerrüben gefüllt werden. Das erfordert sowohl von der Bahn als auch von uns Rübenpflanzern eine grosse Logistik. Tausende Tonnen Rüben sind es, die mit der Bahn nach Frauenfeld in die Verarbeitung gebracht werden», erwähnte Beni Weiss.

Gefrässige Nager

Es ist ein Stafettenlauf zwischen Feldmaus und Bahnratte, den Verlademaschinen. Die Gefährte werden ihrer Bezeichnung eigentlich nicht gerecht; beide sind riesig. Die Feldmaus schaufelt die Rüben, die auf grossen Haufen auf den Feldern liegen, in sich hinein, rüttelt und schüttelt sie, damit der Dreck abfällt, und führt sie dann über ein Laufband in den Traktoranhänger. Die Bahnratte verfrachtet die Rüben am Bahnhof vom Traktoranhänger in den Bahnwagen.

Die az Aargauer Zeitung hatte gestern Donnerstag Gelegenheit, bei der Zuckerrübenernte auf einem Feld in Kaisten dabei zu sein, wo Landwirt Michael Schnetzler seine Rüben auf den von der Gemeinde gepachteten 120 Aren von einem Lohnunternehmer aus Möhlin aus dem Boden holen liess. Innerhalb von rund drei Stunden lagen die Rüben zu einem grossen Haufen aufgeschichtet am Rand des Feldes. Die rund 650000 Franken teure Erntemaschine holte dann auch noch auf einem kleineren Feld von Landwirt Schnetzler weitere Rüben.

Verlademaschine schon im Einsatz

Während sich also die Fricktaler Bauern mit dem Verlad der Zuckerrüben noch gedulden müssen, ist die Verlademaschine, die schon bald in Stein und Möhlin eingesetzt wird, an anderen Orten im Kanton bereits im Grosseinsatz, so etwa am Bahnhof Wildegg, wo die Traktoren mit ihren Ladewagen dicht gedrängt stehen. Einer nach dem andern zirkelt rückwärts an die Bahnratte heran und leert die Ernte auf das Förderband der Maschine. Diese leert geduldig tonnenweise Zuckerrüben in die 22 Bahnwagen, von denen jeder 50 Tonnen Rüben fasst. Das macht insgesamt rund 1100 Tonnen Rüben, die am Bahnhof Wildegg zusammenkommen. Verarbeitet werden sie in der Zuckerfabrik Frauenfeld.

«Wir hätten die Rüben noch gut ein bis zwei Wochen drinlassen können, dann wäre der Zuckergehalt noch gestiegen», sagte ein Landwirt aus Schinznach-Dorf. Aber die Zuckerfabrik gibt vor, wer seine Rüben wann abliefern muss. Gut am jetzigen Zeitpunkt ist aber das Wetter: warm und trocken. So sind die Rüben recht sauber. Verschmutzte Rüben geben nämlich einen Preisabzug. Der Preis für 100 Kilogramm Zuckerrüben liegt übrigens bei Fr.5.30. Das ist der Grundpreis. Dann gibt es Zuschläge oder Abzüge: Gewicht, Zuckergehalt, Ausbeute und Erdanhang beeinflussen den Preis.

Der Anbau ist kontingentiert

Bei der Zuckerrübenernte helfen alle Landwirte mit, die Rüben anbauen. Die Grösse des Rübenhaufens bestimmt, wie lange jemand bei der Ernte mithilft. Wie viele Rüben ein Landwirt anbauen darf, ist ebenfalls kontingentiert.