Fricktal
Die Sorge ums «Büsi» wächst – auch wegen Diagnosen aus dem Internet

Wenn es um die Gesundheit der treuen Gefährten geht, sind ähnliche Tendenzen zu erkennen wie beim Menschen selbst. Tierbesitzer gehen immer häufiger zum Tierarzt, weil sie Notfälle oft nicht mehr richtig einschätzen können.

Marco Sartori
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Bagatelle oder ernsthafte Erkrankung? Viele Tierbesitzer bringen ihre Tiere heute früher zum Tierarzt. Chris Iseli/Archiv

Bagatelle oder ernsthafte Erkrankung? Viele Tierbesitzer bringen ihre Tiere heute früher zum Tierarzt. Chris Iseli/Archiv

Chris Iseli

Wie das Herrchen, so der Hund, die Katze, das Meerschweinchen und der Kanarienvogel. Wenn es um die Gesundheit der treuen Gefährten geht, sind ähnliche Tendenzen zu erkennen wie beim Menschen selbst: «Bobochen» sollen vom Tierarzt als Notfälle behandelt werden. «Die Leute neigen dazu, zu übertreiben. Sie können Notfälle oft nicht mehr richtig einschätzen», sagt Tierarzt Dominik Baltzer von der Tierarztpraxis im Salmenpark in Rheinfelden.

Zwischen der notwendigen Fürsorge und der Überfürsorge liegt ein schmaler Grat. Die Anzeichen ernsthafter Krankheiten und Verletzungen von Bagatellen zu trennen, erfordert Fachkunde. Kleintierchirurg Daniel Zulauf sagt: «Auch Haustiere halten etwas aus. Aber wie bei Kleinkindern muss man stärker auf die nonverbalen Signale achten. In diesem Sinn sind sie besonders von uns abhängig.»

Zulauf arbeitet in der Kleintierklinik am Sonnenberg in Möhlin und ist täglich mit Tieren in Not konfrontiert. Wie gross die Not ist, lässt sich aber nicht immer so genau deuten – besonders Laien würden sich damit schwertun. Deshalb rät er, generell eine Tierarztpraxis zu kontaktieren, wenn man die Symptome nicht selber einordnen kann. «Manchmal reicht auch schon ein einfaches Telefonat, um zwischen Bagatellen und Notfällen zu unterscheiden», sagt Isidor Bürgi, leitender Tierarzt in der Fricker Praxis Trivet. «Unsicherheiten sind jedoch immer abzuklären.»

Je eher, desto besser

Laut Bürgi haben Tierarztbesuche aufgrund von Bagatellen nicht zugenommen, denn «eine Bagatelle erkennt man erst, wenn man sich das Problem genau angeschaut hat und etwas Ernsthaftes ausschliessen kann». Hinter vermeintlichen Bagatellen können sich nämlich auch gefährliche Erkrankungen verbergen, die bei einer frühen Erkennung schneller, einfacher und vor allem auch kostengünstiger behandelt werden können.

Er schreibt die wachsenden Besucherzahlen der zunehmenden Sensibilisierung der Tierhalter zu. Diese Entwicklung bewerten alle befragten Veterinäre aus dem Fricktal als positiv. «Der Mensch macht heute mehr für das Tier als noch vor 20 Jahren und das ist gut so», sagt Baltzer.

Ein anderes Phänomen, das direkt mit der Sensibilisierung zusammenhängt, ist, dass sich immer mehr Tierhalter zuerst im Internet informieren. «Ich denke, rund 40 Prozent schauen vor dem ersten Arztbesuch ins Internet», sagt Isidor Bürgi. Dies mache die Arbeit nicht immer einfacher. Auch Baltzer kennt diesen Trend. Er steht ihm eher kritisch gegenüber und sagt: «Wegen Google muss ich mehr erklären.»

Falsche Tipps von Dr. Google

Prekär wird es, wenn sich Tierbesitzer falsche Informationen holen und selbst Behandlungen starten. Insbesondere in Internet-Foren findet man eine Vielzahl an ungeprüften Ratschlägen. Diese reichen von leichten Hausmitteln bis zu Medikationen, die für den Menschen entwickelt wurden. «In einzelnen Fällen reagieren die Tiere auf dieselben Wirkstoffe wie wir Menschen. Dann hat man Glück», sagt Isidor Bürgi. Oft sei dies aber nicht der Fall. Als Beispiel fügt Bürgi den Wirkstoff Aspirin an, der für Menschen schmerzlindernd ist, für Katzen allerdings tödlich sein kann.

«Die Google-Suche kann Fluch und Segen sein.» Barbara Senn ist Tierärztin und leitet eine Praxis in Oeschgen. Einerseits machen ihr die wachsenden Erwartungen der Tierhalter zu schaffen. Viele «wüssten» schon im Voraus, was dem Tier fehlt und wie es «am besten» behandelt wird. Das sei oftmals hinderlich. Andererseits wirke sich das Vorwissen oft aber auch zielführend auf eine Diagnose aus, da die Tierhalter genauer beobachten und sie als Tierärztin präzisere Fragen stellen könne.

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