Mettauertal
Die Scheu vor dem Tod

Im Rahmen des Leitbildes Alterspolitik referierte Erik Hartenburg zum Thema Sterben

Ingrid Arndt
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Referent Erik Hartenburg. ari

Referent Erik Hartenburg. ari

Sterben und Tod – das sind Dinge, die im Alltag verständlicherweise gerne ausgeklammert werden. Doch irgendwann wird jeder damit konfrontiert. Zu diesem Thema referierte der Facharzt, Notfall- und Palliativmediziner Erik Hartenburg mit eigener Praxis in Mettau im Versammlungsraum der Turnhalle. Das Interesse für die Informationsveranstaltung am Donnerstag war enorm, entsprechend viele Leute waren gekommen.

Organisiert hatten den Abend die Gemeinderäte Mettauertal, Schwaderloch und Gansingen im Rahmen des Leitbildes Alterspolitik, Kanton Aargau, unter Leitung von Nicole Schneider.

Angst vor der Ungewissheit

«Wir wollen versuchen, die Scheu zu nehmen, darüber zu sprechen, Angst vor der Ungewissheit abzubauen, Wege aufzeigen, wie ein würdevoller, ethischer Umgang mit dem Tod auch in den eigenen vier Wänden möglich ist», sagte dazu Erik Hartenburg. Und weiter: «Im Laufe unseres Lebens werden wir relativ selten damit direkt konfrontiert, dies erklärt oftmals auch das Unbehagen.»

Treffend äusserte sich in seinem Buch der Arzt Domenico Borasio zum Thema Sterbebegleitung. Er betonte, dass neben einer guten medizinischen Betreuung vor allem die Kommunikation zwischen allen Beteiligten, der Dialog mit nahestehenden Menschen in Hinblick auf die eigene Endlichkeit besonders wichtig sei. Doch das geschehe eher selten oder oftmals sehr spät.

Sich dafür schon in guten Tagen Zeit zu nehmen, ist sein Credo. Erik Hartenburg begann dieses schwierige Thema mit Untersuchungen zu Wunschvorstellungen vieler Menschen zum Tod, dass dieser möglichst schnell kommen soll und in den eigenen vier Wänden. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Einen schnellen Tod erfahren nur etwa fünf Prozent und zu Hause stirbt nur etwa ein Viertel. Hartenburg erklärte weiter die verschiedenen Sterbephasen, die Veränderungen, die damit einhergehen können wie Bewusstlosigkeit oder Rasselatmung und dass dies Symptome sind, die den begleitenden Angehörigen keine Angst machen müssen.

Schmerzen und Angst nehmen

Ganz wichtig in der finalen Phase sei, mithilfe ärztlicher Betreuung Schmerzen und Angst zu nehmen, die letzten Momente würdevoll zu gestalten, durch Palliativmedizin sowie psychosomatische und spirituelle Zuwendung das Sterben zu erleichtern. Darüber hinaus ging Referent Hartenburg ein auf die Vorsorgeplanung nicht erst am Lebensende, auf Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, die klar und eindeutig regeln, was passieren soll, wenn der Betreffende nicht mehr seinen eigenen Willen artikulieren kann.

Auch der Tod durch Suizid wurde von Hartenburg nicht ausgeklammert. Mehr Männer als Frauen entschliessen sich dazu und überwiegend über
50-Jährige. Wichtig sei, im Vorfeld auf Alarmzeichen wie zum Beispiel sozialen Rückzug zu achten.

Am Ende der Veranstaltung ging Hartenburg ein auf die Vielfalt der Bestattungen, die sich natürlich aus Kultur und Religionshintergrund ergeben. Lebhafte Gespräche nach dem Vortrag zeigten, wie sehr das Thema bewegt.

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