Anno 1951 wurde in der damaligen DDR der erste Fünfjahresplan in Kraft gesetzt. Schah Reza Palawi heiratete seine Soraya und die erste Antibabypille wurde entwickelt. In Laufenburg und Kaisten aber warf vor 61 Jahren ein Grundstückverkauf hohe Wellen. Es ging um diejenigen Landparzellen, auf denen mittlerweile die grosse Freiluftschaltanlage steht.



In Kaisten war die Landparzelle im Besitz der Ortsbürgergemeinde. Georg Winter, späterer langjähriger Kaister Gemeindeschreiber und bereits damals als Lehrling auf der Gemeinde tätig, erinnert sich noch gut, dass es damals zu einem Aufruhr kam. «In einem ersten Anlauf im Frühjahr 1951 bot das Kraftwerk drei Franken pro Quadratmeter. Es gab eine Riesenopposition und der Verkauf wurde abgelehnt.» Grund sei nicht zuletzt gewesen, dass den Laufenburger Grundbesitzern offenbar mehr Geld geboten worden war.

Nachgebessertes Angebot

Im Herbst dann, das Angebot war mittlerweile um 25 Rappen pro Quadratmeter aufgebessert worden, stimmten die Kaister Ortsbürger dem Verkauf von 480 Aren Landfläche zu. «Es handelte sich dabei um Industrieland, das im Zuge der Güterregulierung ausgeschieden worden war», weiss Georg Winter.

Doch auch im zweiten Anlauf ging der Verkauf nicht reibungslos über die Bühne. «Es meldeten sich damals zahlreiche Redner zu Wort», weiss der ehemalige Gemeindeschreiber aus den Protokollen. «Unter anderem forderten die Votanten, dass Kaister bei der Vergabe der Jobs berücksichtigt werden müssten oder dass der Firmensitz in Kaisten genommen werden müsse.»

Schaltanlage kaum thematisiert

Pläne zur Erweiterung der Schaltanlage - ein Häuschen und ein paar wenige Masten standen 1951 schon - sind gemäss Winter in den Protokollen nicht vermerkt. «Vielmehr traute man damals dem Kraftwerk eher zu, auf den Parzellen Industrie anzusiedeln als der Gemeinde.»

Lina Reimann, deren Vater Land auf dem Laufenburger Gemeindebann an das Kraftwerk verkaufte, erinnert sich, dass zumindest ansatzweise schon von einer Freiluftschaltanlage gesprochen wurde. Und auch sie erinnert sich an ein grosses Hin und Her vor dem Landverkauf.

«Die Verhandlungen zwischen dem Kraftwerk und meinem Vater zogen sich lange hin. Im Zuge der Gespräche wurde auch mit Expropriation gedroht.» Schliesslich habe ihr Vater nachgegeben und verkauft. Den genauen Verkaufspreis kann sie nicht mehr nennen. «Mein Vater hat immer gesagt, unter fünf Franken verkaufe er nicht. Was er schliesslich erhalten hat, weiss ich nicht», so Reimann. Akten, die den Verkauf belegen, konnte sie keine mehr finden.

Keine Akten auffindbar

Auch im Gemeindearchiv von Laufenburg und im Archiv der Energiedienst Holding AG ist über die damaligen Landkäufe nichts mehr zu finden. «Wir sind in der Zwischenzeit mehrfach umgezogen, und zudem sind die Grundstücke nicht mehr in unserem Besitz», entschuldigt sich Norbert Stucke von der Energiedienst Holding AG.

Tatsächlich gehören die betroffenen Landparzellen mittlerweile Axpo Trading AG. Laut Daniela Biedermann, Pressesprecherin der Axpo, sind aber auch dort derzeit keine Akten auffindbar. Sie erklärt dies wie folgt: «Die Grundstücke in Kaisten beziehungsweise Laufenburg wechselten seit dem Erwerb mehrmals zwischen den Gesellschaften EGL AG (seit 1. Oktober Axpo Trading AG) und EGL Grid AG. Zurzeit befinden sich die Grundstücke im Besitz der Axpo Trading AG. Wie die Besitzverhältnisse künftig aussehen werden, wird derzeit im Rahmen der abschliessenden Arbeiten der Restrukturierung bei Axpo erarbeitet.»

Übertragung ist vorgeschrieben

Ähnlich und doch etwas konkreter klingt es bei der Swissgrid. Gemäss dem Stromversorgungsgesetz müssen die Elektrizitätsunternehmen nämlich bis Ende Dezember 2012 das Übertragungsnetz auf gesamtschweizerischer Ebene auf die nationale Netzgesellschaft, also Swissgrid, übertragen. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom, die die Überführung im Namen des Bundes überwacht, geht davon aus, dass all diese Übertragungen fristgerecht stattfinden. Und so sagt auch Silvia Zuber, Pressesprecherin der Swissgrid: «Wir sind zuversichtlich, dass die Überführung des Schweizer Übertragungsnetzes auf dem Vertragsweg und termingerecht erfolgen wird.»

Als Gründe führt sie an, dass das für die Überführung relevante Verfahren mit der ElCom am 20. September eingestellt worden sei. «Offen sind nur noch Verfahren, die den Vollzug der Überführung nicht gefährden», so Zuber weiter. Mögliche Auswirkungen dieser Verfahren seien zudem vorsorglich in den Verträgen zur Überführung berücksichtigt worden. Diese habe Swissgrid gemeinsam mit den heutigen Eigentümern des Übertragungsnetzes erarbeitet und verhandelt. Zu den Auswirkungen gehört unter anderem eine allfällige Anpassung der Bewertung der Netze.

Gebäude geht nicht an Swissgrid


Im konkreten Fall in Laufenburg und Kaisten ist es so, dass die Schaltanlage übertragen werden muss. «Die genauen Eckpunkte der Überführung können wir bis zur beidseitigen Vertragsunterschrift und dem Eintrag im Handelsregister nicht bekannt geben», erklärt Silvia Zuber.

Das Gebäude der EGL Grid AG beziehungsweise der Axpo Trading AG werde jedoch nicht zu Swissgrid überführt. In diesem Gebäude bleibe Swissgrid Mieterin. «Des Weiteren besitzt der Verteilnetzbetreiber Energiedienst Holding AG einzelne Schaltfelder sowie Komponenten in der Schaltanlage, die auch nicht von Swissgrid übernommen werden», schliesst Silvia Zuber ihre Ausführungen.