Fricktal
«Die Saat ist gelegt. Jetzt müssen wir dranbleiben»

Repla-Präsident Christian Fricker über den Standort Fricktal, die Herausforderungen – und weshalb die Region fette Jahre vor sich hat.

Thomas Wehrli
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Repla-Präsident Christian Fricker

Repla-Präsident Christian Fricker

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Christian Fricker, das Fricktal ist laut der NAB-Regionalstudie die drittbeste Wirtschaftsregion der Schweiz. Können wir uns zurücklehnen und die Wirtschaftsförderung bleiben lassen?

Christian Fricker: Nein, sicher nicht. Es ist wichtig, dass wir Standortförderung betreiben. Zum einen geht es darum, Gutes zu erhalten. Von zentralem Interesse sind dabei die Life-Sciences-Konzerne mit Hauptsitz in Basel. Zum anderen gilt es, innovative Firmen ins Fricktal zu holen und sie mit guten Startchancen zu ermuntern.

Die Wirtschaftsregion Fricktal hängt stark von der Life-Sciences-Branche ab. Zu stark?

Die Abhängigkeit ist in der Tat relativ gross. Doch sie ist nicht so stark, dass sie zum Klumpenrisiko werden könnte.

Wie würden Sie die Wirtschaftsregion Fricktal charakterisieren?

Als eine pulsierende, in sich ruhende Region mit wunderbarer Lebensqualität in jeder Hinsicht.

Was sind die Stärken?

Da gibt es etliche. Die florierende Wirtschaft etwa, die optimistische Aufbruchsstimmung und das attraktive Wohnen.

Das tönt selbstbewusst.

Das dürfen wir sein. Das Fricktal hat eine eigenständige Identität. Es ist eng mit den Metropolitanräumen Basel und Zürich und dem Rest des Kantons Aargau verbunden. Die Region ist verkehrstechnisch gut erschlossen, auch über ihre Grenzen hinaus. Wichtige Säulen des künftigen Wohlstandes in der Region sind der bereits erwähnte, gut verankerte Life-Sciences-Cluster, eine vielseitige und innovative Unternehmenslandschaft sowie die wirtschaftliche Nutzung der Landschaft und ihrer Produkte. Die Region bietet dazu beste Rahmenbedingungen. Sie ist ein attraktiver, international wettbewerbsfähiger Standort.

Wie wettbewerbsfähig ist das Fricktal heute?

Ausgesprochen wettbewerbsfähig, das belegt die neue NAB-Regionalstudie. Danach ist das Fricktal die am meisten boomende Wirtschaftsregion des Kantons. Wir haben pro Kopf das dritthöchste Brutto-Inlandprodukt aller 110 Wirtschaftsregionen der Schweiz. Und wir verfügen im Sisslerfeld über 200 Hektaren unüberbaute Industrie- und Gewerbezonen – mehr als jedes andere Aargauer Repla-Gebiet. Nach Aussagen von Landammann Stephan Attiger liegen sie am richtigen Ort, in einer für nationale und internationale Unternehmen attraktiven Region.

Also doch! Wir sind spitze – und können uns auf dem Erreichten ausruhen.

Das wäre kurzsichtig. Wir müssen den Standort im Gegenteil weiter stärken. Dazu hat der Planungsverband Fricktal Regio im letzten Jahr das Projekt «Aufbau Standortförderung Fricktal» gestartet. Wenn das Projekt gut anläuft, werden wir 2019 bei unseren 35 Mitgliedgemeinden eine feste Standortförderungsstelle beantragen.

Taten statt Worte, das tönt gut. Gibt es schon erste Ergebnisse?

So schnell geht es nicht. Wir sind erst in der Startphase. Die 20-Prozent-Stelle wurde an der Abgeordnetenversammlung im letzten September bewilligt und ist seit dem 1. Januar durch Judith Arpagaus besetzt. In diesem Jahr wollen wir die Projektplanung erstellen und zwei bis drei Massnahmen aus den strategischen Stossrichtungen «Stärkung des Life-Sciences-Clusters» und «Stärkung der KMU in der Region» konkretisieren. Und nach Möglichkeit umzusetzen beginnen.

Wie hat sich die Wirtschaftsförderung in den letzten Jahren verändert?

Sie hat an Stellenwert gewonnen. Es ist wichtig, in die Standortförderung zu investieren. Wir sind deshalb froh, dass Bund und Kanton unser Standortförderungsprojekt mit 154 000 Franken unterstützen. Ohne diese Hilfe hätten wir das Projekt nicht stemmen können.

Welche Rolle hat dabei der Vorstand von Fricktal Regio?

Er koordiniert und pflegt aktiv die Schnittstellen zu anderen Organisationen, etwa dem Wirtschaftsforum Fricktal, Aargau Services, der Industrie- und Handelskammer Gruppe Fricktal oder den Gewerbeverbänden. Diese Vernetzung müssen wir im Rahmen des Projekts noch stärker ausbauen. Uns ist es auch wichtig, die Standortförderungsmassnahmen der einzelnen Gemeinden tatkräftig zu unterstützen.

Macht eine lokale Wirtschaftsförderung überhaupt Sinn? Muss man nicht regional denken?

Doch, das ist so und geht im Fricktal mit seinen vielen ländlichen Gemeinden kaum anders. Einzelaktionen vergrössern die Ungleichheiten. Die Überzeugung, dass wir mit der Förderung der attraktiven Standorte der ganzen Region wirtschaftlich nützen, steht uns Pate.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Gemeinden?

Im kleinräumigen Fricktal gibt es nur einzelne, bei den Gemeinden angestellte Wirtschaftsförderer. Umso wichtiger ist es, die Aktivitäten regional anzugehen, sodass alle, auch abgelegene Dörfer, wirtschaftlich profitieren können. Dies passiert beispielsweise, indem Mitarbeitende der Firmen in den ruhigen, schönen Juradörfern Wohnsitz nehmen und dort Steuern zahlen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Unternehmen, Gemeinden und kantonalen Institutionen?

Sie funktioniert sehr gut, man geht aufeinander zu und hält Kontakt.

Wo besteht Verbesserungspotenzial?

Die Saat ist gelegt. Wir müssen sie nun nach bestem Wissen und Gewissen pflegen, müssen dranbleiben.

Wie sieht Ihre Wirtschafts-Prognose für das Fricktal aus?

Gut, sehr gut sogar! Die rege Bautätigkeit – auch von Grosskonzernen – zeigt, dass sie an eine Zukunft in der Schweiz und im Fricktal glauben. Die Welle von Auslagerungen in Billiglohnländer hat ihren Höhepunkt überschritten, es ist eine Rückwärtsbewegung auszumachen. Investoren schätzen die politische Verlässlichkeit, den Arbeitswillen der Mitarbeitenden, das Reservoir an hochqualifizierten Menschen, die hier wohnen und arbeiten wollen. Und sie schätzen die unkomplizierten Behörden, die ihnen keine unnötigen administrativen Hindernisse in den Weg legen.

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