Frick
Die römische Siedlung von Frick ist jetzt definitiv belegt

Helle Begeisterung im Gänsacker-Grabungsteam der Kantonsarchäologie: Der römische Vicus von Frick kann eindeutig belegt werden. Grabungsleiter David Wälchli spricht denn auch von einem «echt archäologischen Filetstück.»

Werner Hostettler
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Römische Funde in Frick
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David Wälchli im Sondiergraben.
Römischer Riesenhausschlüssel.
Münze aus dem 3. Jahrhundert nach Christi

Römische Funde in Frick

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Ziel der seit Mitte August 2012 laufenden Sondierungen im unteren Gänsacker (die az Aargauer Zeitung berichtete) ist, die genauere Ausdehnung sowie den Umfang der in absehbarer Zeit folgenden Grabung zu definieren. David Wälchli, Ueken, Grabungstechniker und zugleich Grabungsleiter, stellte Mittwochmorgen an einer Medieninformation fest: «Wir sind mit dem in diesen ersten sechs Wochen erzielten Resultat unserer Sondierungen ausserordentlich zufrieden.

Allein schon deshalb, weil nun anhand der zahlreichen Funde der römische Vicus von Frick definitiv belegt werden kann. Endgültig bestätigt ist zudem die von den Römern bei den Gebäuden verwendete Ständerbauweise.» David Wälchli weist aber auch auf die Knochenarbeit hin, die das erfahrene Team leistet: «Etwa 80 Prozent der Tätigkeit im Sondiergraben besteht aus Schaufeln und Pickeln, es ist also reinste Schwerstarbeit.» Aus rein wirtschaftlichen Gründen und weil zudem die Zeit drängt, kommt zwischendurch auch mal ein Kleinbagger zum Einsatz.

Viele faszinierende Funde

Belohnt für ihren Projekt bezogenen Einsatz werden die erfahrenen Männer mit den faszinierenden Funden, die sie nach und nach ans Tageslicht befördern. David Wälchli: «Es sind dies durchwegs Zeugen einer klassischen römischen Dorfsiedlung und sie bestätigen auch auf eindrückliche Weise die immer nach der Strasse hin orientierten Ständerbaustrukturen» Es könne zudem mit ziemlicher Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Häuser mit einer Schindelbedachung bedeckt waren.

Was ebenfalls belegt werden kann sind die grossen Plätze innerhalb des Vicus von Frick. Aus der mit faszinierenden Funden prall gefüllten «Gänsacker-Wundertüte» pickte David Wälchli einige Rosinen heraus, wie etwa eine Bronzemünze aus der Zeit von Caligula Gajus, römischer Kaiser von 38 bis 41, ein imposanter Hausschlüssel zu einem römischen Gebäude, eine eiserne Lanze aus dem 3. Jahrhundert oder auch ein Glanztonbecher, in dem Knöchelchen entdeckt wurden, die darauf schliessen lassen könnten, dass es sich beim Fundort um ein Kindergrab handelt. Auch wurde, nebst zahlreichen weiteren Münzen, eine Geldbörse mit sieben Münzen gefunden. Alle Funde werden nun in den Spezialräumen der Kantonsarchäologie nicht nur fein säuberlich gereinigt und sortiert, sondern auch archäologisch relevant dokumentiert.

Grabung in absehbarer Zeit

Nebst den bereits erwähnten Zeugen der römischen Siedlung im Kreuzungsbereich Hauptstrasse/Gänsacker wurde bereits auch eine Feuerstelle zum Teil freigelegt, diese soll später ausgegraben werden. Im Arealbereich, auf dem derzeit das erste Mehrfamilienhaus der neuen Überbauung «im Baumgarten» gebaut wird, wurden zudem laut David Wälchli zwei römische und Richtung Süden orientierte Ausfallstrassen entdeckt.

Für ihn hat das Resultat der bisherigen Gänsacker-Sondierungen einen besonderen Aspekt: «Ich bin nun schon seit 25 Jahren dabei und habe gerade auch hier in Frick gemeinsam mit den Teams schon verschiedene aufschlussreiche Funde zu Tage befördert. Angefangen habe ich als einer der freiwilligen Bodenforscher, die schon recht früh Schwung hinein brachten.» Im Gänsacker wird noch bis Mitte Oktober sondiert, dann werden die Gräben wieder zugeschüttet. Wann mit der grossräumig geplanten Grabung begonnen wird, steht noch nicht definitiv fest. Eines aber ist für David Wälchli heute schon klar: «Es deutet alles darauf hin, dass in diesem Bereich noch eine Vielzahl von Zeugen verborgen sind, welche die Strukturen des Vicus von Frick noch wesentlich stärker zu belegen vermögen.»