Umzugspläne
Die Rega prüft einen neuen Helikopter-Stützpunkt im Fricktal

Heute unterhält die Rettungsflugwacht eine grosse Basis auf dem Euro-Airport in Basel. Doch es laufen Abklärungen für einen Ersatzstandort. Im Fokus steht das private Flugfeld Schupfart, das derzeit primär dem Flugsport und der Ausbildung dient.

Bojan Stula
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Rega in Schupfart

Rega in Schupfart

Roland Schmid
Der Flughafen Fricktal-Schupfart: Geht es nach den Absichten der Rega, sollen hier bald Rettungshelikopter starten und landen. (Archiv)

Der Flughafen Fricktal-Schupfart: Geht es nach den Absichten der Rega, sollen hier bald Rettungshelikopter starten und landen. (Archiv)

Aargauer Zeitung

Von keiner anderen Basis starten so viele Rettungsflüge wie von «Rega 2», dem Stützpunkt der Schweizerischen Rettungsflugwacht auf dem Euro-Airport.

Rund 1100 Einsätze pro Jahr unternimmt die Rega von ihrer Basler Basis aus, rund zwei Drittel der Flüge führen in den süddeutschen Raum. Doch die Tage des Rega-Stützpunktes auf dem trinationalen Flughafen könnten gezählt sein.

Wie die az aus verschiedenen Quellen erfahren hat, laufen derzeit Abklärungen nach einem Ersatzstandort. Im Fokus des Interesses steht das private Flugfeld Fricktal-Schupfart, das derzeit im Wesentlichen dem Flugsport und der Flugausbildung dient.

Fricktaler Sportpiloten sorgen sich

Einer der Hauptgründe für die Suche der Rega nach einem Ersatzstandort: Die 2002 im Nordteil des Euro-Airports eröffnete Basis steht auf französischem Hoheitsgebiet.

Den Boden für den damals neu erstellten Hangar gab Frankreich den Schweizer Rettungsfliegern aber nur im Baurecht ab.

Angesichts des Tauziehens um die Besteuerung von Schweizer Betrieben auf dem Euro-Airport und der zeitlichen Begrenzung des Baurechtsvertrags würde eine Basis auf Schweizer Boden eine erhöhte, langfristige Planungssicherheit bieten. Zudem liegt Schupfart einige Flugminuten näher am Einsatzgebiet im Mittelland, ohne dass die Flugrouten in den süddeutschen Raum wesentlich ungünstiger wären.

Noch lässt sich die Rega nicht allzu tief in die Karten blicken, wenn es um diese Umzugspläne geht. «Wir können derzeit nicht abschätzen, ob daraus ein konkretes Projekt resultieren wird», sagt Rega-Sprecher Philipp Keller.

Gleichzeitig bestätigt er, dass «bezüglich Fricktal-Schupfart erste Kontakte mit dem Flugplatz und der Gemeinde stattgefunden haben». Die Rega habe Interesse daran, «die Gespräche zu vertiefen und weitere Abklärungen zu treffen», da sie ständig nach Möglichkeiten suche, «ihr Basendispositiv für die Zukunft zu sichern».

An der Generalversammlung des Aero-Clubs Fricktal (AeC) von übermorgen Donnerstag sollen die Mitglieder erstmals über die Absichten der Rega informiert werden. Das ungewöhnliche Traktandum hat sich aber längst unter den Sportpiloten und Hobbyfliegern der Region herumgesprochen – und sorgt für entsprechende Ängste. Noch ist es kein halbes Jahr her, dass der AeC nach mehreren vergeblichen Anläufen den umstrittenen Flughafen-Pachtvertrag mit der Gemeinde um 25 Jahre verlängern konnte.

Dabei musste er aber auf die gewünschte Ausweitung der Flugzeiten ebenso verzichten, wie er die fluglärmsensible Bevölkerung mit einem Spezialfonds für lärmmindernde Massnahmen besänftigte. Kommen nun auf dem eigenen Flugplatz jährlich über 1000 Rettungsflüge mit dem lauten Rega-Helikopter hinzu, so lauten die Befürchtungen, könnten die lokalen Flugvereine bei künftigen Lärmdebatten eher zu Abstrichen gezwungen werden als die politisch einflussreiche Rettungsflugwacht.

Für Hubschrauber geeignet

Der Schupfarter Gemeindeammann Bernhard Horlacher möchte die Absichten der Rega noch nicht kommentieren, ehe er den genauen Inhalt der Pläne kennt. «Der Gemeinderat wurde erst Ende März im Rahmen einer Sitzung der Flughafenkommission darüber informiert, dass Schupfart ein Ersatzstandort für den Rega-Stützpunkt Basel werden könnte», erklärt Horlacher. Inwiefern es nach der AeC-GV zu weiterführenden Gesprächen zwischen der Gemeinde und der Rega kommen wird, kann der Gemeindeammann darum noch nicht sagen.

Ebenso offen bleibt zum jetzigen frühen Zeitpunkt, ob die Sorgen der Sportpiloten berechtigt sind, dass sie den Zuzug der Rega mit einer Einschränkung der eigenen Flugmöglichkeiten büssen müssten. Wie eine allfällige Aufteilung der bewilligten Flugbewegungen zwischen Rega und Privatfliegern künftig aussehen könnte, mag das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) nicht vorhersagen.

Grundsätzlich dürfen jetzt schon in Schupfart Hubschrauber starten und landen. «Falls die Rega in Schupfart eine neue Basis eröffnen will, muss indes der Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL) des Flugplatzes geändert und das Betriebsreglement angepasst werden», stellt Urs Holderegger, Mediensprecher des Bazl, fest.

Der Erteilung der Betriebsbewilligung würde ein komplexes Prüfungsverfahren vorausgehen, das unter vielen anderen Abklärungen auch neue Lärmberechnungen oder allenfalls neue Bewegungszahlen enthielte. Denn mit der Rega würde sich der bisherige Flottenmix auf dem Flughafen entscheidend verändern: Neben den Sport- und Segelflugzeugen käme ein moderner Rettungshubschrauber hinzu, was eine Neuberechnung der erlaubten Flugbewegungen nach sich zöge.

Der aktuelle SIL sieht für Schupfart ein Maximum von 30'000 Flugbewegungen im Jahr vor. In den Jahren 2009 bis 2012 waren es im Schnitt 13'900.

Luft nach oben für zusätzliche Rettungsflüge wäre in Schupfart also grundsätzlich vorhanden, wenngleich wegen des verstärkten Fluglärms umgehend mit Widerstand aus den umliegenden Dörfern, namentlich aus Schupfart selbst und Wegenstetten, gerechnet werden müsste.

«Kann Jahre dauern»

Obschon im Verlauf solcher Verfahren Stellungnahmen aller Betroffenen eingeholt werden, also auch jene des Schupfarter Gemeinderats, hat der Bund das letzte Wort beim Bewilligungsentscheid. Eine offizielle Anfrage der Rega liegt dem Bazl aber noch nicht vor, wie Holderegger auf Anfrage bestätigt.

Über die zeitliche Dauer des Bewilligungsverfahrens kann er darum keine Angaben machen. Klar sei nur: «Gibt es Einsprachen beim Bundesverwaltungsgericht und einen allfälligen Weiterzug ans Bundesgericht, kann das ganze Verfahren leicht Jahre dauern.»

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