Herznach

Die Poststelle soll bleiben – mit Kooperation statt Kampf

Bis in wenigen Wochen soll der Entscheid fallen, wie es mit der Poststelle in Herznach weitergeht.

Bis in wenigen Wochen soll der Entscheid fallen, wie es mit der Poststelle in Herznach weitergeht.

Ein verärgerter Herznacher fordert mehr Engagement für den Erhalt der Poststelle – der Gemeinderat setzt auf Zusammenarbeit.

Max Sterchi ärgert sich. Und diesem Ärger macht er in einem Brief an die AZ Luft. «Setzt sich der Gemeinderat Herznach für den Erhalt der Poststelle ein?», fragt Sterchi bereits im Titel seines Schreibens. Hintergrund von Sterchis Ärger ist die Reaktion des Gemeinderats auf die Petition «Unsere Post muss bleiben», für die Julia Hoppe und Brigitta Hächler im vergangenen Jahr 793 Unterschriften gesammelt haben.

Die Petition war die Reaktion auf die Ankündigung der Post, dass die Poststelle Herznach überprüft und künftig möglicherweise als Agentur weitergeführt wird. Die Petitionäre verlangen vom Gemeinderat, sich mit seinen politischen Einflussmöglichkeiten gegen die Schliessung der Post einzusetzen.

Der Gemeinderat schrieb Ende 2017 in einer Stellungnahme, das Signal der fast 800 Unterschriften gelte es ernst zu nehmen. Weiter teilte er mit, dass er der Post die Petition «zur weiteren Bearbeitung weitergeleitet» habe.

Und: Der Gemeinderat habe der Post mitgeteilt, dass er die vorgesehene Aufhebung der Poststelle bedauere und den Regierungsrat über die eigene Stellungnahme informiert. Daneben äusserte der Gemeinderat aber auch Verständnis für die Post, «da die Poststelle offensichtlich defizitär arbeitet».

Diese Reaktion ist aus der Sicht von Max Sterchi zu wenig kämpferisch. «Wars das?», fragt er im Leserbrief und betont: «Jedermann ist wohl klar, dass sich das Management der Post so nicht beeindrucken lässt.» Und deshalb doppelt Sterchi im Gespräch mit der AZ nach und fordert ein «engagierteres Auftreten» und «pointiertere Äusserungen» des Gemeinderats.

Dazu dürfte es allerdings nicht kommen. «Vielleicht könnten wir mit mehr Kampfgeist und Konfrontation erreichen, dass die Poststelle ein, zwei Jahre erhalten bleibt», sagt Gemeindeammann Thomas Treyer. «Doch dann gingen die Diskussionen von vorne los.» Denn realistisch gesehen stehe man auf verlorenem Posten. Schon viele grössere Gemeinden als Herznach hätten ihre Poststellen ebenfalls verloren.

Entscheid in den nächsten Wochen

Deshalb habe sich der Gemeinderat bewusst für eine kooperative Haltung entschieden, so Treyer. «So können wir versuchen, das Beste für Herznach herauszuholen.» Die angedachte Postagentur bringe sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich, ist der Ammann überzeugt.

Doch nicht nur das mangelnde Engagement ist Max Sterchi ein Dorn im Auge. Er kritisiert – nicht zuletzt mit Blick auf die Postauto-Affäre – auch die mangelnde Transparenz bei der Informationspolitik von Post und Gemeinde.

«Die Post hat einzig kommuniziert, dass die Poststelle ein Verlustgeschäft sei, aber keine Zahlen genannt.» Der Gemeinderat habe in den Gesprächen zwar Zahlen angefordert, aber keine detaillierten Aufschlüsselungen erhalten, sagt Thomas Treyer. «Aber wir erhielten Einblicke und haben gesehen, dass die Poststelle nicht mehr rentabel ist.»

Wie Post-Sprecher Markus Flückiger sagt, kommuniziert die Post keine Angaben zu einzelnen Poststellen. Summarisch sagt er: «Das Defizit im Postnetz betrug in der ganzen Schweiz im Jahr 2016 knapp 200 Millionen Franken.»

Für die Gemeinde Herznach sei noch kein definitiver Entscheid gefallen. «Wir lassen die Petition in unsere Überlegungen einfliessen», so Flückiger. Man wolle weiterhin mit einem guten Angebot vor Ort bleiben. Für die Post stehe aber «eine Alternativlösung im Vordergrund». Die Post rechnet damit, «dass wir in wenigen Wochen einen Entscheid haben, wie das künftige Postangebot in Herznach aussehen wird».

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