Frick
Die Polizei jagt nächtens Einbrecher mit dem Helikopter – und hält dies für verhältnismässig

Mit einem Helikopter ging die Polizei letzte Woche in der Donnerstagnacht auf Einbrecherjagd.

Thomas Wehrli
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Ein Super-Puma der Schweizer Armee unterstützte die Polizei in der Nacht aufFreitag bei der Fahndung nach Einbrechern. key

Ein Super-Puma der Schweizer Armee unterstützte die Polizei in der Nacht aufFreitag bei der Fahndung nach Einbrechern. key

KEYSTONE

Die Nacht auf Freitag hat es für viele Fricker in sich. Oder besser: über sich. Zweieinhalb Stunden kreist ein Super-Puma der Schweizer Armee über dem Dorf und unterstützt die Polizei bei der Suche nach Personen, die ins Recycling-Center in Frick eingedrungen sind. Der Lärm ist in einigen Quartieren ohrenbetäubend und lässt nicht wenige an ein Weiterschlafen nicht denken.

Ihre Gedanken drehen sich derweil um eine Frage: Was ist da los? Zudem macht sich Verunsicherung breit. Auf Facebook suchen Einwohner nach Informationen. «Muss man sich Sorgen machen?», fragt eine Userin. «Leise ist es nicht und ein wenig flau im Magen ist mir schon.» Ihre Frage verhallt im Nirwana des Netzes, denn eine Antwort weiss niemand – und auch das Facebook- und das Twitter-Profil der Kantonspolizei bleiben stumm.

Am nächsten Morgen lüftet die Kantonspolizei den Schleier: Die Polizei fahndete zwischen 21 und 2 Uhr nach «mindestens zwei Personen», die ins Recycling-Center eingedrungen waren. Die Polizei vermutete die Täter in einem Waldstück und forderte deshalb den mit Nachtsichtgeräten ausgestatteten Super-Puma bei der Armee an. Dieser ist in Alpnach OW stationiert, steht rund um die Uhr in Bereitschaft und kann von den Polizeikorps zur Unterstützung aufgeboten werden; die Kosten trägt der Bund.

Die Täter brachen in das Recycling-Center in Frick ein. Diese Bilder vom Februar 2014 zeigen, wie es dort aussieht.
13 Bilder
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Insgesamt waren neben dem Helikopter, der ab 23.30 Uhr über Frick kreiste, in und um Frick zehn Patrouillen und zwei Polizeihunde im Einsatz (die az berichtete). Fassen konnte die Polizei die Täter trotz des Grossaufgebotes nicht. Es gebe keine neuen Erkenntnisse zur Täterschaft, sagt Polizeisprecher Bernhard Graser am Montag auf Anfrage. Die Polizei geht davon aus, dass es die Einbrecher auf Bargeld und Buntmetalle abgesehen hatten.

Zurück bleiben zwei Fragen: War der Einsatz eines Helikopters für die Jagd nach Kupfer-Dieben verhältnismässig? Und: Hätte man die Bevölkerung nicht via soziale Medien aktuell informieren und damit beruhigen können?

Für Klagen Verständnis

Bernhard Graser ist sich bewusst, dass nächtliche Helikoptereinsätze mit einer erheblichen Lärmbelästigung und einer Verunsicherung verbunden sind. «Für entsprechende Klagen haben wir absolutes Verständnis», sagt er. «Umso mehr müssen wir bei der Lagebeurteilung immer genau abwägen, ob ein Helikoptereinsatz bei der Fahndung nach Straftätern erfolgversprechend und verhältnismässig ist.» Dazu müssen verschiedene Faktoren erfüllt sein, bei einer Fahndung nach einem Straftäter «muss sicher eine schwere Straftat zur Diskussion stehen» und der Einsatz von Nachtsichtgeräten muss sich lohnen. Sprich: Die Täter müssen sich im Gelände oder in einem Waldstück, wie in Frick «aus triftigen Gründen» vermutet, aufhalten. Ob ein Helikopter zum Einsatz kommt, entscheidet dann der Polizeikommandant oder der Pikett-Offizier.

Wer den Vorfall in Frick als Bagatelle und den Einsatz als unverhältnismässig abtut, macht es sich für Graser zu einfach – auch wenn am Schluss nur ein Hausfriedensbruch als Straftat übrig bleibt. Zum einen müsse die Lagebeurteilung schnell vorgenommen werden. Zum anderen «haben wir es bei Recycling-Centern erfahrungsgemäss mit bestens organisierten Profi-Einbrechern aus dem Ausland zu tun».

Der Fricker Gemeindeammann Daniel Suter kann und will nicht beurteilen, ob der Einsatz verhältnismässig war oder nicht. Ihm ist es allerdings lieber, wenn die Polizei einmal zu viel oder auch mit mehr Mitteln als vielleicht nötig interveniert als umgekehrt. «Ich habe Mühe, wenn man im Nachhinein hingeht und sagt: Dieser Einsatz war jetzt aber zu heftig.»

Beruhigung per Facebook-Post?

Bleibt die zweite Frage: Hätte die Kantonspolizei die Bevölkerung mit einem kurzen Tweet oder einem Facebook-Post à la «Aktuell: Helikoptereinsatz in Frick wegen Einbruch in Recycling-Center» nicht beruhigen können? Können schon, sagt Graser, nur sei dies auch eine Frage der Ressourcen. «Als kleinstes Polizeikorps im Verhältnis zur Wohnbevölkerung fehlen uns die Mittel, um ausserhalb von Grossereignissen einen solchen Service zu gewährleisten», so Graser.

Bei einer akuten Gefährdung der Bevölkerung – etwa eine Terrorlage oder ein schweres Unwetter – bespiele man aber natürlich sämtliche Informationskanäle. «Von Einbrechern geht in aller Regel jedoch keine Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit aus», so Graser. «Daher erfolgte keine aktive Information noch während der Nacht.»

Einen gewissen Gradmesser, ob man aktuell reagiert und den Medienverantwortlichen, der in der Nacht auf Pikett ist, aufbietet und aktuell informiert, bildet auch die Zahl der Anrufe und Nachfragen, die bei der Einsatzzentrale eingehen. Diese waren im Fall von Frick nicht sehr hoch.

Der Polizeisprecher stellt zudem infrage, ob aktuell das Bedürfnis nach einer 24-Stunden-Information per Twitter oder Facebook so gross ist, dass es den erheblichen Zusatzaufwand rechtfertigen würde. Man sei aber natürlich offen für neue Medien. Nur eben: «Oft überschreitet das Wünschbare jedoch unsere Kapazitäten und kann daher nicht erfüllt werden.» Eine erfolgreiche Fahndung hätte am Freitag auch Graser lieber vermeldet – «quasi als Entschädigung für den nächtlichen Lärm».