Zwölf Pferde, zwei Hunde und zwei Katzen leben auf der Queensranch in Stein. Seit 16 Jahren bietet Renée Schüpbach-Schäfer dort Coachings für Firmen und Privatpersonen an. Die Arbeit mit Pferden sei emotionaler und direkter als ein normales Coaching, so Renée Schüpbach-Schäfer. Bei ihr wird nur anfangs auf dem Sofa diskutiert.

Dann geht es in der Reithalle weiter, wo im direkten Kontakt mit dem Pferd – reiten muss man dafür nicht können – sichtbar und fühlbar gemacht werde, so Schüpbach-Schäfer, was im Menschen drin sei. Denn: «Ein Pferd interessiert es nicht, ob der oberste Chef einer Firma vor ihm steht oder ein normaler Mitarbeiter. Wenn dieser Mensch mit Druck oder Drohungen versucht, Kontakt zum Tier aufzubauen, wird sich das Pferd umdrehen und gehen», erzählt die ausgebildete Erwachsenenbildnerin ein Beispiel aus der Praxis. Und wem es gelingt, Kontakt mit dem Pferd aufzunehmen, könne diese Erfahrung auch für die Mensch-zu-MenschBegegnung nutzen.

Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem Menschen gecoacht wurden, möchte Renée Schüpbach-Schäfer nun das Pferd mehr in den Mittelpunkt stellen. Zu ihren Kunden gehören nicht nur Unternehmen, sondern auch viele Pferdehalter. «Familienaufstellung für Pferde», nennt sich das Angebot, das seit Anfang Jahr neu auf der Homepage steht. Familienaufstellung ist eine Methode, um Konflikte und Gefühle sichtbar und somit auch lösbar zu machen. Was beim Menschen funktioniere, gehe auch mit Pferden, sagt Renée Schüpbach-Schäfer.

Mit oder ohne Pferd

Familienaufstellung mit Pferden führt Schüpbach-Schäfer mit oder ohne Pferd durch. «Wenn der Anfahrtsweg sehr weit ist, ist der Nutzen für das Pferd wahrscheinlich grösser, wenn einfach nur der Mensch kommt, anstatt das Pferd stundenlang über die Strassen zu transportieren.» Ist das Pferd dabei, geht es in die Reithalle.

Schüpbach-Schäfer bittet Pferd und Besitzer, sich aufzustellen und mit Gegenständen wie zum Beispiel Bürsten oder Decken andere in die Problemstellung involvierte Personen oder Tiere darzustellen. «Meistens sieht man dann schon anhand der Blickrichtung und Distanz, wie die Beziehung zwischen den verschiedenen Personen und Tieren ist und wo man ansetzen könnte.»

Renée Schüpbach-Schäfer stellt sich dann auf den Platz des Pferdes und erklärt, wie sie sich dort fühlt. Manchmal komme ganz Erstaunliches ans Licht. «Es stellt sich heraus, dass sich das Pferd so, wie die Situation ist, schlicht nicht wohlfühlen kann und deshalb zum Beispiel immer nervös ist oder schlecht frisst.» Manchmal reiche schon eine kleine Veränderung im Alltag, wie zum Beispiel ein anderer Boxennachbar oder eine andere Tagesplanung, um viel zu bewirken.

Keine Abhängigkeiten schaffen

Wunder kann auch die Queensranch keine vollbringen, aber: «Sobald Konflikte laut ausgesprochen werden, passiert meist schon ein Teil der Heilung und jede kleine Verbesserung für das Pferd ist etwas Gutes.»

Wichtig für Schüpbach-Schäfer ist, dass sie mit dem Familienaufstellen für Pferde keine Abhängigkeiten schafft. «Es ist nicht nötig, dass man dann einmal wöchentlich mit dem Pferd zu mir kommt. Ich möchte den Reitern das Werkzeug mitgeben, wie sie allfällige Probleme selber erkennen und lösen können.»

Wie geht Renée Schüpbach-Schäfer mit Kritik um? «Ich bin grundsätzlich offen und tolerant. Jeder soll an das glauben oder es so machen, wie er es für richtig empfindet. Da gibt es kein richtig oder falsch. In der Regel spreche ich Menschen an, die offen sind für meine Vorgehensweise bei Pferdeproblemen.»

In den Business-Seminaren «Persönlichkeitsentwicklung mit Pferden», komme es immer wieder vor, dass Mitarbeiter von ihrem Chef geschickt werden und dementsprechend nicht «freiwillig» da sind. «Ich zwinge niemanden meine Ideen auf oder fordere zum Mitmachen auf. Wenn jemand sich nicht darauf einlassen will, akzeptiere ich das.» Es passiere allerdings oft, dass sie nach dem Seminar die Rückmeldung erhalte, dass auch die Skeptiker etwas Positives für sich mitnehmen konnten.

Renée Schüpbach-Schäfer ist überzeugt, dass die «Familienaufstellung für Pferde» rege in Anspruch genommen werden wird und eine Nachfrage da ist. Sie selbst baut diese Methode schon länger in ihre Coachings ein und konnte damit laut eigener Aussage auch ihre Beziehung zu ihrem eigenen Pferd Ryh, das sie vor acht Jahren gekauft hat, erfolgreich festigen und ein grosses Vertrauensverhältnis schaffen.