Die Bäckerei-Konditorei Kunz aus Frick ist weitherum bekannt für ihre süssen Versuchungen. Derzeit ist ihr Inhaber, Markus Kunz, allerdings eher sauer. Der Grund dafür ist der Hammerstätteweg, der direkt bei seiner Gipf-Oberfricker Filiale in die Landstrasse mündet.

Die Strasse ist heute nur wenig befahren. Doch dies wird sich ändern: Entlang der Strasse werden in den nächsten Jahren mehrere Mehrfamilienhäuser entstehen, die über den Hammerstätteweg erschlossen werden. Mit bis zu 40 Fahrzeugen pro Stunde ist im Endausbau bei dannzumal rund 180 Wohneinheiten zu rechnen. Dass der Verkehr über den Hammerstätteweg zu- und abgeleitet wird, verstehen nicht alle Anwohner (AZ vom Samstag).

Die Kritik der Anwohner kann Markus Kunz nachvollziehen. Auch er hält die Ausfahrt in die Landstrasse «für nicht unproblematisch». Was ihn aber viel mehr umtreibt, ist die Tatsache, dass die Gemeinde nach dem Ausbau der Strasse die Sichtzone durchsetzen will. Diese besteht schon seit vielen Jahren, wurde aber aus Goodwill bislang nicht konsequent durchgesetzt. Ändert die Gemeinde ihre Praxis, sind die drei Parkplätze, die Kunz direkt vor dem Laden hat, zumindest teilweise gefährdet, denn diese liegen in der Sichtzone. Ohne die drei Parkplätze, das sagt Kunz frei heraus, geht es nicht. «Wenn sich etwas an den drei Parkplätzen ändert, dann mache ich den Laden noch am selben Tag dicht.» Denn die drei Parkplätze seien «überlebensnotwendig».

Zwar hat er auch noch Parkplätze hinter dem Haus, doch diese werden kaum genutzt. «Wer nicht vor dem Haus halten kann, fährt weiter», sagt Kunz. Diese Erfahrung musste er bei der Filiale in Eiken machen, deren Frequenz tiefer sei als erwartet. «Das liegt hauptsächlich daran, dass die Parkplätze einige Meter vom Laden entfernt sind», ist er überzeugt.

Die Gemeinde will Fragen zur Umsetzung der Sichtzone aktuell nicht beantworten. Man wolle die Situation im direkten Gespräch mit Markus Kunz und dem Inhaber der Liegenschaft erörtern, sagt Gemeindeschreiber Urs Treier. «Wie viele Fahrzeuge unter Einhaltung der Sichtzone noch parkiert werden können, kann nicht vom Bürotisch aus entschieden werden.»

Für Kunz derweil ist klar: Wenn auch nur einer der drei Parkplätze wegfällt, wird es kritisch. Fallen zwei weg, ist er weg. «Wenn die Behörden nicht mehr Interesse daran haben, dass das Gewerbe im Dorf bleibt, würde ich am liebsten ganz auf den Standort Gipf-Oberfrick verzichten», sagt er. Dies lasse er aber aus zwei Gründen bleiben: Erstens fühle er sich den Kunden gegenüber verpflichtet und zweitens trage er eine Verantwortung für die vier Mitarbeiterinnen der Filiale. Will heissen: «Wird die Sichtzone konsequent umgesetzt, schaue ich mich nach einer Alternative um.» Den «Hirschen», der seit längerem leer steht, sähe er allenfalls als Option. «Hier stellt sich zumindest die Parkplatzfrage nicht. Davon hat es zur Genüge.»

Ein Glarner für das Fricktal

Markus Kunz hat generell Mühe mit dem Wachstumsfanatismus, dem viele Fricktaler Gemeinden verfallen sind. «Das Gewerbe wird vielerorts auf dem Altar neuer Steuerzahler und zusätzlicher finanzieller Ressourcen geopfert», klagt er. Gleichzeitig sinke mit jedem Laden, der zugehe, aber die Attraktivität der Dörfer. «Schlafgemeinden sind die Folge.» Kunz schüttelt den Kopf. «Sehen Sie sich um», sagt er. «Die Gemeinde-Exekutiven haben je länger, je weniger Zivilcourage. Sie kuschen vor den Bauherren ebenso wie vor dem Kanton – aus Angst vor juristischen Folgen.»

Der ehemalige CVP-Grossrat, der vor einigen Jahren aus der Partei ausgetreten ist und bei vielen Themen die Ansichten der SVP teilt, ist überzeugt: «Den Fricktaler Gemeinden würde ein Gemeinderat ‹Glarner› guttun, der sich getraute, gegen die Aargauer Windmühlen zu kämpfen.»

Wie sein Kampf um die drei Parkplätze ausgeht, wird sich weisen. Gegen Ende Jahr will die Gemeinde die Situation zusammen mit Kunz und dem Eigentümer erörtern. Kunz ist offen für das Gespräch. Das Facelifting für den Laden, das bereits geplant war, wird er vorerst zurückstellen.