Am Freitag kam es an der Gemeindeversammlung in Gipf-Oberfrick zum erwarteten Schul-Showdown. Auf der einen Seite: Der Gemeinderat, der mit seinem Antrag, die Oberstufe mit jener von Frick zusammenzulegen und die Schulleitung der Nachbargemeinde zu überlassen, bereits im Vorfeld für heftige Reaktionen gesorgt hatte. Auf der anderen Seite: Die grosse Mehrheit der 273 Gipf-Oberfricker, die an der Gemeindeversammlung teilnahmen.

Es war ein Disput à la David gegen Goliath, wenn man so will, wobei David kräftemässig der Gemeinderat war – und deutlich unterlag. Nur 27 Stimmberechtigte unterstützten am Schluss seinen Antrag.

Der grosse Rest votierte für die Intention der IG «Pro Oberstufe Gipf-Oberfrick», die ihr Ziel, eine eigenständige Oberstufe zu erhalten, seit zwei Jahren mit Herzblut und nicht Beharrlichkeit verfolgt. Und nun am Ziel zu sein scheint: Die Gemeindeversammlung verpflichtete die Exekutive darauf, mit anderen Gemeinden und Schulbehörden unverzüglich Verhandlungen über Möglichkeiten und Bedingungen für die Aufnahme von Real- und Sekundarschülern aufzunehmen. Explizit erwähnt wurden die Gemeinden Eiken, Münchwilen, Küttigen und Herznach. Die ersten drei, weil sie eine Lösung für ihre Oberstufe suchen; Letztere, weil bereits Schüler aus Herznach aus pädagogischen Gründen in Gipf-Oberfrick die Schulbank drücken. An der Gemeindeversammlung im November hat der Gemeinderat Bericht über die Gespräche zu erstatten.

Die Überlegung hinter dem Antrag: Wenn es gelingt, eine Gemeinde zu gewinnen, ist das Erreichen der Mindestschülerzahl für immer oder zumindest für lange Zeit vom Tisch – selbst dann, wenn der Kanton die Mindestzahl weiter anhebt.

Entscheid nicht leicht gemacht

Dass er mit seinem Antrag einen schweren Stand haben wird, wusste der Gemeinderat. So sagte Schul-Gemeinderätin Daniela Slania, dass auch bei ihr viel Herzblut bei diesem Thema sei, «weil ich weiss, was die Lehrer leisten». Und Gemeindeammann Regine Leutwyler betonte, dem Gemeinderat sei der Entscheid nicht leicht gefallen. Die präferierte Variante, also die gemeinsame Oberstufe unter der Führung von Frick, sei zwar nicht die Wunschlösung, gestand Slania, aber sie sei machbar und langfristig sicher.

Die Wunschlösung, das wäre ein Schüleraustausch mit Frick gewesen. Damit hätte man zwei Schulfliegen auf einen Schlag erledigt gehabt: Die Oberstufe wäre eigenständig geblieben und die Gefahr gleichzeitig gebannt gewesen, dass die Mindestschülerzahl unterschritten und die Kosten für die betreffende Klasse von der Gemeinde getragen werden muss.

Der Kanton machte im Dezember unmissverständlich klar: Ausnahmebewilligungen gibt es nicht mehr. Wenn die Mindestschülerzahl nicht erreicht wird, muss die Gemeinde die vollen Personalkosten für die betreffende Klasse tragen. Derzeit sieht es so aus, dass im Schuljahr 2019/20 ein Realschüler fehlen wird, dass also nur 12 statt der benötigten 13 Schüler in die erste Real eintreten werden. Dies sei eine Hochrechnung, betonten IG-Vertreter, und verwiesen auf die rege Bautätigkeit.

Einen reinen Schüleraustausch lehnte Frick ab und auf weitere Gemeinden ging die Exekutive nicht zu – bewusst nicht, «weil der Gemeinderat das Abwerben von Schülern ablehnt», wie Slania sagte. Genau das verstand man IG-seitig überhaupt nicht. «Es gibt Gemeinden, die auf der Suche sind. Doch wir konnten den Gemeinderat nicht überzeugen, dass er Kontakt mit diesen Gemeinden aufnimmt», sagte Ignaz Heim, einer der Wortführer der IG. Das Abwerben sei ein schlechter politischer Stil, konterte Slania. Gleicher Ansicht seien die anderen drei Talgemeinden, die dem Regos-Verband angehören. «Sie lehnen ein Abwerben ebenfalls ab.» Es sei kein Abwerben, befand Heim, denn Gipf-Oberfrick biete als kleine Schule ein anderes pädagogisches Angebot.

Kosten sind kein Grund mehr

Einig waren sich beide Seiten, dass der Hauptgrund, der 2011 den Anstoss zu den Verhandlungen mit Frick gab, inzwischen nichtig geworden ist: die Kosten. Lagen die Schulgelder damals deutlich über jenen von Frick, kosten ein Real- und ein Sekundarschüler zusammen heute in Gipf-Oberfrick rund 400 Franken weniger als in Frick.

Das Nein zur Zusammenlegung der Schule ist primär ein Ja zur Eigenständigkeit. Es schwingt aber auch ein Misstrauen gegenüber der Beteuerung aus Frick mit, das Schulhaus in Gipf-Oberfrick bleibe als Aussenstandort erhalten. Dies sei in den ersten Jahren so. «Aber irgendwann wird der Schulstandort aufgegeben, die Schule wird über kurz oder lang zugemacht», zeigte sich Ignaz Heim überzeugt und brachte auf den Punkt, was die meisten im Saal dachten: Die Oberstufe sei nicht in Gefahr, es gebe daher auch keinen Grund, «sich Frick an die Brust zu werfen».