Möhlin
Die Niederlande sind zu langweilig – deshalb trommeln diese Holländer am liebsten in der Schweiz

Die Trommelgroep West-Nederland aus Leiden pflegt den Basler Trommelstil in den Niederlanden – und nimmt im Sommer am Zentralschweizerischen Tambouren- und Pfeiferfest im Fricktal teil.

Rahel Heule (Text und Foto)
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Trommeln in Oranje: Die Tambouren der Trommelgroep West-Nederland waren auch zu Gast an der Basler Fasnacht.

Trommeln in Oranje: Die Tambouren der Trommelgroep West-Nederland waren auch zu Gast an der Basler Fasnacht.

«Es ist gar nicht so weit weg. Wenn wir am Morgen mit dem Auto losfahren, sind wir am Mittag schon im Hotel in der Schweiz», lacht Xander van der Ploeg, Leiter der Trommelgroep West-Nederland aus Leiden. Diese niederländische Stadt liegt in der Provinz Südholland südwestlich von Amsterdam und rund 565 Kilometer Luftlinie von Möhlin entfernt. Am zentralschweizerischen Tambouren- und Pfeiferfest in Möhlin treten die Holländer unter der Leitung von Xander van der Ploeg mit sieben Tambouren in der zweithöchsten Kategorie des Sektionswettspiels (S2) an. Auch im Einzelwettspiel werden die Holländer mitmischen.

Top-Ten-Platz als Ziel

«Unser Ziel ist es, in der Kategorie S2 in die Top Ten zu kommen. Wir wollen jedes Mal ein bisschen besser werden», sagt Xander van der Ploeg. Denn die Holländer werden vom 1. bis zum 3. Juli in Möhlin nicht zum ersten Mal an einem Tambouren- und Pfeiferfest in der Schweiz teilnehmen. «Möhlin wird bereits unser siebtes Wettspiel sein», gibt van der Ploeg Auskunft.

Bereits im Jahr 2000 ist die Trommelgroep West-Nederland dem Zentralschweizerischen Tambouren- und Pfeiferverband beigetreten und trommelte im gleichen Jahr in Basel erstmals an einem Zentralschweizerischen Fest. «In den Niederlanden gibt es keinen vergleichbaren traditionellen Trommelstil wie derjenige des Basler Trommelns in der Schweiz», erklärt Xander van der Ploeg, der im Alter von fünf Jahren mit dem Trommeln in einer Musikgesellschaft begonnen hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien die Militärtambouren ausser bei der Marine weitgehend verschwunden.

In Basel hörte er erstmals Tambouren

Anfang der Neunzigerjahre reiste van der Ploeg an ein Polizei- und Musikfestival in Basel, hörte zum ersten Mal Tambouren und war begeistert von der Basler Trommelkunst. Daraufhin begann er das Basler Trommeln von Grund auf zu erlernen. Zwei Jahre lang nahm er Unterricht bei einem Professor am Konservatorium in Den Haag. Dieser nahm ihn 1992 erstmals an die Basler Fasnacht mit. «Seither habe ich nur einmal an der Fasnacht in Basel gefehlt», erzählt van der Ploeg stolz.

Auch dieses Jahr war Xander van der Ploeg mit drei Kollegen von der Trommelgroep West-Nederland in Basel an der Fasnacht unterwegs. Wie in den vergangenen Jahren trafen sie alte Trommelfreunde, so etwa Ivan Kym oder Roman Lombriser von den Chriesibuebe zum gemeinsamen «Gässeln». «Es macht einfach Spass, wenn man den ganzen Tag mit Freunden trommeln kann», erklärt van der Ploeg, warum er immer wieder nach Basel zurückkehrt.

Um das Basler Trommeln zu pflegen, gründete er 1997 die Trommelgroep West-Nederland, die er seither abgesehen von einem einjährigen Unterbruch auch leitet und die etwa zehn Mitglieder umfasst. In Clinics und Master Classes versucht er, noch mehr Holländer für das Basler Trommeln zu begeistern.