Durch zunehmende Industrie- und Wohnraumbebauung kann es für die einheimischen, wild lebenden Tierarten manchmal recht eng werden. Umso wichtiger ist es deshalb, Naturschutzgebiete einzurichten, in denen sie weitgehend ungestört eine Heimat finden, behutsam unterstützt von Menschen. Ein solches Refugium ist in den vergangenen Monaten vor den Toren von Kaiseraugst im «Aurica»-Gebiet entstanden.

Jahre im Dornröschenschlaf

Bereits 1997 beschloss der Grosse Rat, dass eine Fläche von gut 50 000 Quadratmetern in der Landwirtschaftszone dem Naturschutz zuzuweisen ist. Doch bis zur Realisierung vergingen Jahre, das Areal überwucherte und fristete ein ziemlich trostloses Dasein. 2016 endlich erwachte diese verwilderte Fläche aus ihrem Dornröschenschlaf.

Gestützt auf das kantonale Programm «Natur 2020» entstand unter Federführung der Naturschutzkommission Kaiseraugst gemeinsam mit der Gemeinde, dem Naturschutzbund, dem Vogelschutzverein, dem Werkhof, dem Förster und vielen freiwilligen Helfern eine Oase, welche die schon bestehenden Naturschutzgebiete wunderbar ergänzt. Auf einer Exkursion zum «Challeren»- und Hardweiher sowie in das neue Naturschutzgebiet «Aurica» durften die Gäste an der Eröffnung einige dieser Kleinode näher kennenlernen, geführt von Biologin Petra Ramseier und der Präsidentin des Naturschutzbundes Kaiseraugst, Françoise Moser.

Der idyllisch gelegene, üppig bewachsene Waldweiher bietet neben Fröschen, Erdkröten und Bergmolchen auch einem zutraulichen Entenpaar und Libellen einen Tummelplatz.

Was so romantisch ausschaut, braucht einige Pflege. Ein Wehr zur Regulation des Wassers kam neu hinzu und erleichtert die Arbeit. Mit besten Resultaten und jeder Menge Freiwilligeneinsatz konnten den Amphibien wie Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Eidechsen am Hardweiher mit einem unter dem Rad- und Wanderweg führenden Tunnel geholfen werden. Ein Holzsteg lädt zum Beobachten ein.

Noch wartet der künstlich angelegte «Aurica»-Weiher auf seine zukünftigen Bewohner. Dieses Wasserbiotop muss erst noch erobert werden. Lange, flache Ufer, kleine Inseln, schattige und sonnige Bereiche bieten einen wertvollen Lebensraum. Die Besiedlung erfolgt nach und nach von selbst. Ein kurzer Kiesweg führt dahin, eine Bank lädt schon jetzt zum Verweilen ein.

Langsam zieht Leben ein

So unspektakulär wie sich derzeit noch die neue Magerwiese präsentiert, so enorm war der Kraftakt, sie anzulegen. Eine riesige Fläche musste von all dem Wildwuchs befreit und hergerichtet werden. Magerwiesen sind äusserst wichtig und zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Allerdings braucht es etwas Geduld, bis diese Wiese zu voller Pracht erblüht und Heimat für Wildhasen und diverse Vogelarten wird.

Zum Naturschutzgebiet gehört neben dem Weiher und der Blumenwiese auch eine Ruderalfläche im nordwestlichen Bereich mit Wurzelstock- und Steinhaufen sowie Heugras aus der Region. Weiter wurden standfeste, langsam wachsende Hecken, Dornensträucher, ein sechs Meter breiter Randstreifen mit aufgeschüttetem Kies, Vernetzungskorridore sowie ein Hochstaudenflur angelegt.

Das Naturschutzgebiet ist eine Ruhezone für die unterschiedlichsten Tiere, begehbar ist es deshalb nicht – bis auf den kurzen Weg zum «Aurica»-Weiher.