Stein
Die Nachfrage nach Hotels für Wildbienen ist riesig

Die Nachfrage nach Wildbienen-Hotels ist gross. An der «Steiner Mäss» wurden beim Naturschutzverein eine beachtliche Zahl dieser Unterkünfte bestellt. Die Produktion läuft auf Hochtouren.

Hildegard Brunner
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Diese Wildbienenhäuschen werden bald in Fricktaler Gärten stehen.

Diese Wildbienenhäuschen werden bald in Fricktaler Gärten stehen.

65 Gartenbesitzer im Fricktal haben an der «Steiner Mäss» beim Naturschutz- und Verschönerungsverein Stein ein Wildbienenhaus bestellt. Anlässlich des «Holzbautages Nordwestschweiz» starteten die Handwerker und Schreiner des Vereins bei Holzbau Rohrer in Stein mit der arbeitsintensiven Produktion der Wildbienen-Appartements.

Ein grosser Prozentsatz der Schweizer Honigbienen hat den zurückliegenden Winter nicht überlebt. Die Varroamilbe und andere Krankheiten setzten den Bienenvölkern zu. Wenn das so weitergeht, hätte dies schwerwiegende Auswirkungen. Denn die Bienen liefern nicht nur Honig. Sie haben die wichtige Aufgabe, Blumen, Pflanzen, Obstbäume usw. zu bestäuben und so eine gute Ernte zu garantieren. Sollten die Bienen diese Aufgabe nicht mehr erfüllen, ist das sehr problematisch. Und da könnten zirka 600 Wildbienensorten aktive Hilfe bieten. Viele Arten sind jedoch bereits auf der Roten Liste und vom Aussterben bedroht.

Naturnahe Gärten

Die Wildbienen sind Einzelgänger. Sie sammeln deshalb Pollen und Nektar nur für die eigene Brut und keinen Honig für ein Bienenvolk und indirekt für die Menschen. Sie sind jedoch vom Frühling bis Herbst im Einsatz bei der Bestäubung und sind deshalb im Garten und beim Obstbau gern gesehene Nützlinge. Man muss allerdings wissen, in einem ordentlich aufgeräumten Garten mit Superrasen, Steinplatten und exotischen Pflanzen finden die Wildbienen keine Nahrung.

Sie wünschen sich einen naturnahen Garten mit einheimischen Pflanzen und die Möglichkeit, ihrem Nachwuchs im Hohlraum von Ästen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Wildbienenhäuschen sind deshalb topaktuell. Sie bieten den Wildbienen Brutzellen, wo sie die Eier und den Proviant für den Nachwuchs lagern. Man sieht sie an Waldlehrpfaden, in den Claro-Läden und bei aktiven Naturschützern.

Die beim Naturschutz- und Verschönerungsverein Stein bestellten Häuschen sind ganz speziell für alle Bedürfnisse der Wildbienen ausgerichtet. Es ist keine Massenware, sondern jedes einzelne Wildbienenhaus wird individuell und mit viel Engagement in arbeitsintensiven Einsätzen hergestellt. So rechnet man mindestens fünf Arbeitsstunden pro Wildbienenhaus. Die Schreiner- und Handwerker-Equipe des NVS war mit 13 Personen am vergangenen Samstag in der Werkstatt von Holzbau Rohrer in Stein im Einsatz. Wie immer beim NVS gab es zwar keinen Lohn, aber ein gutes Essen.

Viele Vorarbeiten wurden bereits vorab geleistet. Am Samstag wurden die Dächer und Wände aus stabilem Eichenholz zusammengeschraubt, Löcher für die Brutzellen ins Holz gebohrt, das Dach mit Dachpappe bedeckt und Holderstängeli, Schilf, Bambus und ein Kunststoffröhrchen eingesetzt. Letzteres ist dazu da, dass man, sobald es vorne verklebt ist, prüfen kann, ob bereits Nachwuchs unterwegs ist. So kann man interessante Beobachtungen machen. Da die Wildbienen sehr friedliebend sind und Menschen nicht angreifen, kann man auch Kindern Einsicht geben in das Leben dieser nützlichen Tiere.

Sonniger Standort

Wildbienenhäuschen brauchen einen sonnigen, windgeschützten Platz, wo sie auch über den Winter bleiben können. Denn im Frühjahr schlüpft dann die neue Generation. Die aktuelle Generation stirbt jeweils im Herbst. Der NVS unterstützt alle Wildbienenhausbesitzer mit einem Wunsch-Speisezettel für die Wildbienen und hofft, dass der eine oder andere aus seinem Garten ein Naturparadies nicht nur für Wildbienen, sondern auch für Schmetterlinge und Vögel macht.

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