Rheinfelden
Die Musik erzählt von fernen Ländern

Auf eine exotisch spannende Konzertreise «ostwärts» hatte die Stadtmusik Rheinfelden unter Leitung ihres Dirigenten Jonathan Graf eingeladen. Zurücklehnen und geniessen hiess es für die vielen Gäste.

Ingrid Arndt
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Die Stadtmusik Rheinfelden präsentiert an ihrem Jahreskonzert eine beeindruckende Vielfalt anspruchsvoller Melodien.

Die Stadtmusik Rheinfelden präsentiert an ihrem Jahreskonzert eine beeindruckende Vielfalt anspruchsvoller Melodien.

Ingrid Arndt

Eröffnet wurde der Abend traditionell von Jugendlichen der Musikschule Rheinfelden/Kaiseraugst, diesmal von der 2012 neu gegründeten Band Wind unter Leitung von Edward Cervenka. Hier können Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahren ihr Können vertiefen. Sie beeindruckten mit einer breiten, musikalischen Palette. So etwa mit einer festlichen Kirchenhymne oder dem fabelhaften Trompetensolo von Thomas Stucki und dem Schlaflied «Lullaby». Sie waren voller Schwung und ansteckend guter Laune bei ihrer Tanzparty aus den 70er-Jahren.

Mit einer imposanten Klangfülle von 40 Musikanten und einem jubilierend festlichen Marsch (Soren Hyldgaard) startete danach das jungen Rheinfelder Corps ostwärts. Bekannt sind die verheerenden Auswirkungen des Bosnienkrieges (1992-1995). Dieses menschliche Drama setzte der niederländische Komponist Jan de Haan in «Banja Lucka» eindrücklich in Noten. Aufrüttelnd schrille Eingangsklänge erzählen von den Grausamkeiten, unterstrichen von einzelnen Blasregistern, peitschende Trommelwirbel und Sirenengeheul beschreiben die Unbarmherzigkeit der Kriegsparteien. Wenig Hoffnung kommt im Schlussteil auf.

Energisch verwegen stürmten danach Kosaken durch die Steppe, atemberaubend auch das Tempo der volkstanzhaften «Soferska» von Goran Bregovic, einem Superstar in seiner serbischen Heimat. Herrlich, wie Zigeunerklänge mit modernen Sound verbunden werden, übersprudelnde Spiellust, emotionsgeladen, auch wehmütig. «Es war wohl Schwerstarbeit für unseren Dirigenten, dieses hohe Tempo in unsere Schweizer Knochen zu bringen» meinte lachend der Moderator Pepi Conzalez. Und schon war die Crew im exotischen Orient angekommen, lies sich im schnellen Rhythmus einfangen vom mystischen Flair des Orients.

Geschichte des verliebten Sidi

Extra für dieses Konzert konnte die Stadtmusik den bekannten Schweizer Komponisten Mario Bürki gewinnen, das Mani Matter Lied «Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama» in eine Blasmusikversion zu arrangieren. Und so erzählten sie in dieser Uraufführung die bunte, jedoch etwas tragische Geschichten vom armen und unsterblich verliebten Sidi.

Jüngstes Mitglied im Ensemble ist mit knapp 18 Jahren der Schlagzeuger Dominik Burgherr. Dass er auch ein Tausendsassa auf dem Xylophon ist, bewies er mit dem virtuos gespielten «Hummelflug» (Nikolai Rimsky Korsakov) in einer modernen schnellen Swing-Fassung an diesen Abend. Da war natürlich eine Zugabe fällig.

Zum Schluss besuchte das Orchester einen persischen Markt, bestaunte das farbenprächtige Treiben dort in groovigen Melodien. Klar, dass die Gäste mehr hören wollten. Die Musikanten liessen sich dann auch nicht lange um weitere Reiseeindrücke bitten.