Möhlin
Die Möhlinsbach-Brücke ist zu schwach für Lasten von 480 Tonnen

Unzählige Autos und Lastwagen schlängeln sich täglich über die Landstrasse durch den südlichsten Teil von Möhlin. Schweren Sondertransporten ist die Brücke über den Möhlinbach aber nicht gewachsen.

Rahel Heule
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Die Möhlinbach-Brücke muss bei schweren Sondertransporten verstärkt werden.

Die Möhlinbach-Brücke muss bei schweren Sondertransporten verstärkt werden.

Solothurner Zeitung

Die Kantonsstrasse in Möhlin ist eine viel befahrene Hauptverkehrsachse und verbindet Rheinfelden mit Stein. Auch extrem schwere Sondertransporte, die eine Ausnahmegenehmigung vorweisen, dürfen diesen Weg nehmen. Denn die Landstrasse liegt auf der Schwerverkehrsroute des Kantons. Sie ist als Versorgungsroute des Typs I eingetragen und sollte daher für eine Verkehrslast bis 480 Tonnen ausgelegt sein.

Doch das ist sie bloss mit Einschränkungen: Die in die Jahre gekommene Brücke über den Möhlinbach braucht zuweilen Verstärkung. So, wie jüngst in jener Nacht Anfang Mai, als sich ein 475 Tonnen schwerer und 77 Meter langer Tross der Landstrasse entlang auf die Brücke zuwälzte. Transportiert wurde ein Trafo für das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich mit einem Gewicht von 252 Tonnen. Nur dank einer Hilfsbrücke konnte der Schwertransport den Bachübergang bewältigen und weiter Richtung Wettingen, seinem ersten Etappenziel, ziehen.

In schlechtem Zustand

«Die Brücke ist in einem schlechten baulichen Zustand», geben Roger Winter, Sektionsleiter Planung und Bau der Gemeinde Möhlin, und Alex Joss von der Abteilung Tiefbau des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt übereinstimmend Auskunft. Dass sich eine solche Brücke auf der Versorgungsroute befinde, sei eine Ausnahme, betont Joss. «Die Sicherheit ist aber gewährleistet. Die Brücke hat einen genügend grossen Tragwiderstand, um mit Hilfsbrücken auch der Belastung durch Sondertransporte standzuhalten», entschärft er. Das in der Schweiz zulässige Höchstgewicht von 40 Tonnen für Lastwagen halte sie mühelos aus.

Die Versorgungsrouten des Kantons Aargau wurden 2004 zum letzten Mal überarbeitet. Die Brücken mit Defiziten bei der Befahrung durch Ausnahmetransporte seien bekannt, erklärt Alex Joss und führt aus: «Die Brücke in Möhlin ist nicht die einzige. Die Zahl vergleichbarer Fälle liegt aber im unteren einstelligen Bereich.» Ist die Tragfähigkeit nicht gewährleistet, so könne die Brücke nach Absprache mit dem Strassenverkehrsamt lokal umfahren oder mittels einer Hilfsbrücke überquert werden. Um zu einer Versorgungsroute zu werden, muss eine Strasse bestimmten Anforderungen gerecht werden: Für den Typ I ist im Minimum eine Durchfahrtsbreite von 6,5 Metern erforderlich. Tunnel und Unterführungen müssen mindestens 5,2 Meter hoch sein. Ob Kreisel für Sondertransporte taugen, wird mit einem Computerprogramm simuliert. Bei Brücken kommt es vor allem auf die Tragfähigkeit an.

Eigentlich müsste sie 480 Tonnen tragen

Dass die heutige Möhlinbach-Brücke keine 480 Tonnen trägt, wie eigentlich verlangt, ist kaum verwunderlich. Die beidseitigen Verbreiterungen dieser alten Bogenbrücke aus Naturstein entstammen dem Jahr 1951. Der Mittelteil ist noch älter. Nun soll sie abgerissen und durch eine Betonbrücke ersetzt werden. Gründe, die für diesen Totalersatz sprechen, gibt es gleich mehrere. Der schlechte Zustand der Bausubstanz einerseits, aber auch der Mittelpfeiler ist ein Ärgernis. An diesem kam es in der Vergangenheit zu Rückstau und infolgedessen mehrfach zu Überschwemmungen. Die neue Brücke soll dann auch punkto Tragfähigkeit die Kriterien für Versorgungsrouten wieder erfüllen. Mehrere Mängel könnten so auf einen Streich beseitigt werden.

Wann die Bauarbeiten beginnen, ist allerdings noch ungewiss. Gegen den Brückenneubau, der mit einem Ausbau der Landstrasse einhergehen soll, wurden zwei Einsprachen eingereicht, eine davon ist noch hängig. Vor 2013 sei daher kaum mit einem Baubeginn zu rechnen, so Joss. Die Gemeinde Möhlin trägt 54 Prozent der Gesamtbaukosten, die bei 2,5 Millionen Franken liegen. Den Kredit dafür hat die letzte Sommergmeind bereits bewilligt.